Bayerns Jäger-Präsident gibt auf

Mitgliederfrust und fragwürdige Finanzen: Der Druck auf Jürgen Vocke wurde immer stärker.

Prof. Dr. Jürgen Vocke (Quelle: Bayerischer Jagdverband)

Prof. Dr. Jürgen Vocke (Quelle: Bayerischer Jagdverband)

Die Krisensitzung dauerte acht Stunden. Dann gab Jürgen Vocke auf. Vorwürfe der Untreue und Druck der Vereinsbasis sorgen für den Machtwechsel an der Spitze des Bayerischen Jagdverbands (BJV). 

Ein Vierteljahrhundert lang führte der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete und Richter den mächtigen Regionalverband. Vorwürfe wegen seines Finanzgebarens hatte es immer wieder mal gegeben. Nun wurden diese erdrückend – bis hin zur Instrumentalisierung ebenso nebensächlicher wie pikanter Details. 

Dass sich der 76-Jährige das Ehrenamt fürstlich honorieren ließ (5.000 Euro monatlich plus Oberklasse-Dienstwagen), ist der Anlass für den nun erzwungenen Abschied. Die Gründe liegen tiefer: Vocke, lautet seit Jahren die Klage hinter den Kulissen, habe es nicht verstanden, Bayerns mit weitem Abstand größter Jäger-Organisation ausreichend politisches Gehör zu verschaffen. 

Wahr ist: Im traditionell von Vockes CSU-Parteifreunden geführten Landwirtschaftsministerium gibt nach dem Urteil vieler Jäger der vergleichsweise winzig kleine Ökologische Jagdverband (ÖJV) den Ton an. Vor allem auch bei der dramatischen Reduzierung der Schalenwildbestände im Staatsforst, die mittlerweile auch Tierschutzvereine in Rage bringt. 

Schon auf dem letzten Jägertag wurde der Druck so groß, dass Vocke seinen freiwilligen Rückzug für das Jahr 2021 ankündigte. Dann kam die Strafanzeige eines ranghohen Polizeibeamten. Und das Verlangen der neuen Schatzmeisterin, die Verbandsfinanzen externen Wirtschaftsprüfern vorzulegen. 

Als nun auch noch Polizei und Staatsanwaltschaft zur Hausdurchsuchung in der BJV-Zentrale anrückten, war der Machtkampf offenkundig gelaufen. Vocke tauchte für Tage ab, bis am vergangenen Montag sein sofortiger Amtsverzicht offiziell wurde. 

Bis zum nächsten Landesjägertag im kommenden Jahr führt Stellvertreter Thomas Schreder den Verband. Der Diplom-Biologe ist Vorsitzender im BJV-Bezirksverband Oberbayern und hauptamtlicher Pressesprecher des BJV. Im vergangenen Jahre kandidierte er für die CSU zum Landtag, wurde aber nicht gewählt. 

Aktuell mehren sich die Spekulationen, dass zum turnusmäßigen Landesjägertag in Lindau das gesamte BJV-Präsidium für Neuwahlen Platz machen wird.

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