Bayern lässt die Käfer nicht gewähren

80 Millionen Euro Klima-Schaden im Staatsforst und der Holzpreis ist im Keller.

Absterbender Fichtenbestand

Foto: Detmold

Im jüngsten Jahresbericht der bayerischen Staatsforsten ist der Wildschaden kein Thema. Im Zentrum steht stattdessen die Käferbekämpfung. Staatsforst-Chef Martin Neumeyer: „Kein Quadratmeter Staatswald wird bei uns aufgegeben. Auf jedem Quadratmeter ist unser Anspruch, einen neuen zukunftsfähigen Wald zu erschaffen.“ 

Während mache deutsche Förster die Käfer noch als willkommene Helfer beim Waldumbau empfinden, gilt in der bayerischen Führungsetage „das schnelle Aufarbeiten und aus dem Wald bringen der Schadhölzer“ als „wichtigste Aufgabe“. Weil Holzpreis und Nachfrage auch in Bayern im Keller sind, mussten die Staatsforsten große Mengen Käferholz kostenintensiv einlagern. Insgesamt schätzt Neumeyer, haben die Folgen des Klimawandels den Staatsbetrieb heuer rund 80 Millionen Euro gekostet. 

Auch klar: Die Probleme lassen sich nicht mehr auf die Fichte reduzieren. Es trifft zunehmend auch Buchen. Die Theorie, dass für den „Gesunden Mischwald“ reichlich Buchenpflanzen genügen, ist also auch in Bayern widerlegt. Im Staatswald kommen nun Baumarten zu Ehren, die früher – auch im Sinne des Wortes – ein Schattendasein führten: Elsbeere, Flatterulme und Kirsche, zum Beispiel. Vor allem wird die schon vor Jahren begonnene „Tannenoffensive“ verstärkt. In der Fläche soll der Tannenanteil auf sechs Prozent wachsen, in den Berglagen sogar auf über zehn Prozent. Gut auch für den traditionsreichen Baustoff der Alpenregion. 

Dass der Wald Wirtschaftsfaktor sein darf, wird da nicht verschwiegen. Die Zukunft, sagt der Forst-Chef, sehe er „positiv, sogar sehr positiv“. Denn: „Der Holzbedarf ist da – und wenn unsere Waldschutzmaßnahmen erfolgreich sind, werden wir auch bald wieder gutes Holz zu fairen Preisen verkaufen können.“ Ausdrücklich erwähnt wird dazu, dass Holz auch als Baustoff und Energieträger mit ausgeglichener Kohlendioxid-Bilanz eine gute Zukunft hat. Holzheizungsbesitzer werden das in der großstädtischen Feinstaub-Debatte gerne hören. 

Am Rande: Auch Bayerns Staatsforst experimentiert im Zeichen der Klimaveränderung mit eher exotischen Gehölzen wie Atlas- und Libanonzeder oder Baumhasel. Was bei den Pilotpflanzungen herauskommt, werden – wie immer im Forst – erst künftige Generationen genau wissen. 

Den ganzen Jahresbericht und weitere Infos gibt es hier.

Aus unserem Outfox-World Shop
Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns!