Bayern-Forst in schwerer See

Uralte Buchen im „Nationalen Naturmonument“ für den „klimastabilen Mischwald“ gefällt

Die „Weltenburger Enge“ ist „Nationales Naturmonument“ (Foto: Albrecht Fietz)

Die „Weltenburger Enge“ ist „Nationales Naturmonument“ (Foto: Albrecht Fietz)

Bayerns Staatsforst ist drauf und dran, es sich mit der Staatsmacht zu verscherzen. Eine massive Fäll-Aktion im alten Buchenbestand an der Kelheimer Donau bringt sogar den NABU-Ableger LBV in Rage.  

Betroffen ist ausgerechnet das Gebiet um die weltberühmte „Weltenburger Enge“, eben erst als „Nationales Naturmonument“ ausgezeichnet. Ministerpräsident Markus Söder und seine Fachminister kamen persönlich zum Feiern. Drei Wochen später folgt nun der Katzenjammer. 

Mehrere hundert Meter lange Schneisen wurden in den alten Buchenbestand geschlagen. Zur „Förderung eines klimastabilen Mischwalds“, begründet der Staatsforst die Holzaktion. Alle Naturschutz-Vorgaben seien eingehalten worden. Naturschützer beklagen hingegen einen „Naturfrevel sondergleichen“.  

„Da sind zig mehr als hundert Jahre alte Buchen umgesägt worden“, zitiert die Süddeutsche Zeitung den Biologen Christian Stierstorfer. Der ist Wald-Experte beim Landesbund für Vogelschutz, wie der Nabu in Bayern heißt. Gefällt wurden auch „viele alte Biotopbäume mit Rissen und Höhlen im Stamm, die die Staatsforsten nach ihren eigenen Naturschutzkriterien niemals hätten antasten dürfen“. 

Besonders heikel: Es geht exakt um jenes Waldgebiet, in dem CSU-Ministerpräsident Markus Söder eben erst verkündete, wie wichtig die Staatsregierung den Wald und seine Bedeutung für Umwelt- und Artenschutz nehmen will. Umweltminister Thorsten Glauber sprach von „einem herausragenden Ort für Natur und Kultur“. Mit von der Partie auch Bayerns ranghöchste Försterin, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. 

Wer Söder kennt, der weiß: Vorführen lässt sich Söder nicht so gerne. Und aus dem Umfeld der Forstministerin ist zu hören, dass sie den Ärger mit den Jägern wegen diverser Forst-Eskapaden satthabe. Die Reaktion der verantwortlichen Forstamts-Chefin könnte da Öl ins Feuer sein. Die Kritik „kotzt mich an“, sagte sie zu Journalisten. 

Womöglich nicht verwunderlich, dass die Reaktion aus der Chefetage deutlich ausfällt: Alle Fällarbeiten wurden gestoppt. Die geschlagenen Bäume müssen liegenbleiben, bis eine Expertenkommission den Fall geprüft hat: „Hier müssen alle offenen Fragen geklärt werden“, sagt Vorstandschef  Martin Neumeyer. 

Es gehe bei dieser Prüfung um das Vertrauen in den Forst, heißt es in einer Erklärung der Staatsforsten: „Die Pflege des Waldes einschließlich einer nachhaltigen Holznutzung, Baumpflanzungen, die Jagd und die Pflege von Wegen für Freizeit und Erholung werden seit Jahrzehnten von staatlichen Förstern fachmännisch betreut und gemanagt. So wie der Wald heute ist und wie er zu Recht von allen geliebt wird, ist er das Werk der Natur und von Generationen verantwortungsbewusster Förster.“

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