Bär mit Speer getötet: Gefilmte Tötung sorgt für große Kritik

Schwarzbär in Alaska

Symbolbild: Dieter Hopf

Auf einer Waldlichtung treibt sich ein Schwarzbär herum und beschnüffelt ein dort stehendes Fass mit Ködern. Plötzlich fliegt ein langer Speer auf das Tier zu und bohrt sich in dessen Körper. Der Bär läuft schwer verletzt davon. Er wird diesen Angriff nicht überleben. Nach dem fatalen Wurf bejubelt der Speerwerfer seinen „Erfolg“ ausgiebig. „Er ist gefallen! Ich habe einen Bären aufgespießt! Ich habe etwas gemacht, das noch nie jemand zuvor gemacht hat“, schreit und lacht der Mann euphorisch in die Kamera und springt dabei auf und ab.

Diese Szenen sind Teil eines Videos, das derzeit weltweit für Entsetzen unter Jägern und Tierschützern sorgt – unter anderem aufgrund der Worte und selbstdarstellerischen Posen Bowmars, die so gar nicht waidgerecht sind.

Das Video hat der US-Amerikaner Josh Bowmar aufgenommen. Und nicht nur das; auch auf dem selbstgebastelten Speer, der den Bären tödlich getroffen hat, wurde eine Kamera befestigt. So werden die Zuschauer des Clips Zeuge, wie die lange und scharfe Klinge in den Körper des Raubtieres eindringt und der Bär mitsamt dem Speer in seinem Körper das Weite sucht.

Während Bowmar seine Bärentötung in der kanadischen Provinz Alberta gegenüber The Guardian als „ethisch korrekt“ verteidigte, entfacht die Aktion harsche Kritik. Vor allem die Tatsache, dass das Tier nicht sofort, sondern erst am darauffolgenden Tag nachgesucht wurde, sorgt für Empörung. Das Umweltministerium von Alberta bezeichnete Bowmars Aktion als „archaisch“ und „indiskutabel“. In einem Statement teilte die Behörde mit, dass die Jagd mit dem Speer ab Herbst dieses Jahres in der kanadischen Provinz verboten werden soll. In der Zwischenzeit werde man diesen Vorfall untersuchen, „um festzustellen, ob Strafen im Rahmen der bestehenden Gesetze gerechtfertigt sind".

Auch der „Internationale Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd“ (CIC) verurteilt Bowmars Aktion. Auf Anfrage von Outfox-World sagte Tamás Marghescu, der Generaldirektor des CIC, mit Jagd habe das nichts zu tun. Marghescu sprach auch im Namen von Filippo Segato, dem Generalsekretär der FACE, des Zusammenschlusses der europäischen Jagdverbände, als er weiter feststellte: "Falls diese Geschichte stimmt, dann ist das verwerfliche Tierquälerei. Gegen die Prinzipien ethischer und verantwortungsvoller Jagd wird in dem Video vielfältig verstoßen. Hier will sich jemand in den sozialen Medien wichtig tun, wie so oft leider in verwerflicher Weise."

Der Deutsche Jagdverband bezieht sich in einem Statement zur Causa auf das in Deutschland herrschende Recht. „Laut Tierschutzgesetz in Deutschland darf die Tötung von Säugetieren im Rahmen waidgerechter Jagdausübung nur vorgenommen werden, wenn dem Tier „nicht mehr als unvermeidbare Schmerzen entstehen“ (§4 (1), Tierschutzgesetz). Darüber hinaus legt das Tierschutzgesetz fest, dass niemand einem Tier "ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden" zufügen darf. (§1, Tierschutzgesetz)“, ließ die DJV-Pressestelle gegenüber Outfox-World verlauten.

Nach Begutachtung des Videos seien diese „unvermeidbaren Schmerzen“ nicht gegeben. „Der Jäger nimmt das Leid des Tieres in Kauf, um eine altertümliche Jagdmethode an Wild auszuprobieren. Unter Benutzung tierschutzgerecht tötender Jagdmunition wären dem Bären diese Schmerzen erspart geblieben“, so der DJV weiter. Zudem bestehe kein "vernünftiger Grund", der die Wahl eines Speeres begründen würde. „Aus Sicht des DJV entspricht dieses Handeln nicht der deutschen Waidgerechtigkeit."

Das auf Bowmars Youtube-Kanal veröffentlichte Video wurde über 200.000 Mal aufgerufen, bis es am vergangenen Montag auf „privat“ gestellt wurde. Der 26-Jährige Jäger aus Ohio, der früher ein erfolgreicher Speerwerfer am College gewesen ist, soll von Gegnern seiner Aktion Todesdrohungen erhalten haben, zudem wurde zu einem kollektiven Shitstorm gegen den US-Amerikaner aufgerufen. Die medialen Nachwirkungen der Bärentötung nehmen damit Ausmaße an, die an den Fall Cecil erinnern (wir berichteten). Auch nach dem Abschuss des Löwen in Simbabwe war es zu Anfeindungen gegen einen Jäger gekommen, die jegliches gesundes Maß überschritten und genauso wie die Tat an sich zu verurteilen sind.

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