Angebliche Experten reden Gänseplage schön

Nilgänse

In Baden-Württemberg vermehrt sich die Nilgans rasant. Naturschützer und Vogelkundler spielen jedoch das Problem herunter.

Wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet, stieg in den vergangenen zehn Jahren die Zahl der Jagdreviere, in denen die Tiere gesichtet wurden, von 29 auf 228 und die Zahl der Gemeinden von 24 auf 149. Nach Einschätzung der baden-württembergischen Stelle für Wildtierforschung vermehre die aggressive Gans sich stark und sei daher eine Bedrohung für einheimische Arten und Lebensräume.

Nabu-Pressesprecher Hannes Huber räumte dem Bericht zufolge zwar ein, dass die Nilgans ein „relativ aggressiver Vogel“ sei, erklärte jedoch, eine gezielte Bekämpfung sei angesichts drohender „Kollateralschäden“ zu hoch: So könnten andere Vögel versehentlich durch Schüsse getroffen oder auch durch Lärm gestört werden.

Hans-Günther Bauer vom Max-Planck-Institut für Ornithologie bezeichnete laut dem Bericht Klagen von Parkbesuchern oder Badegästen, etwa über Kot auf Liegewiesen, als übertrieben und „in höchstem Maße subjektiv“. Wer für Naturschutz sei, müsse auch mit derartigen Phänomenen leben.

Unterdessen kommt es im nordrhein-westfälischen Essen zu einer Verzögerung bei der Bejagung von Gänsen. Die Betreiber des innerstädtischen Grugaparks hatten im Juni beschlossen, Kanadagänse bejagen zu lassen, da diese zum Unmut der Essener Bevölkerung die Wiesen mit Kot überhäufen (wir berichteten). Daraufhin hatten selbsternannte Tierfreunde anonyme Morddrohungen ausgesprochen (wir berichteten). Wie Radio Essen meldet, wird nun noch einmal überprüft, ob die Tiere abgeschossen werden dürfen. Das Jagdgesetz erlaube es den Jägern eigentlich, ab dem 16. Juli die ersten Gänse zu schießen. Allerdings werde sich die juristische Prüfung noch bis mindestens August hinziehen. Schon im vergangenen Jahr hatten Proteste von Tierschützern eine bereits beschlossene Bejagung verhindert.

Dem Bericht zufolge sollen Gänsefreunde jetzt aus Protest gegen den Abschuss bereits selbst eine Parkwiese von Kot gereinigt haben. Die Verantwortlichen des Grugaparks hätten davon allerdings nichts mitbekommen.

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