Information des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM), Hamburg

Amselsterben durch Usutu-Virus

Erste Nachweise des Usutu- und Westnil-Virus für dieses Jahr in Deutschland.

Tote Amsel

Foto: stux

Vielleicht haben Sie in der letzten Zeit schon bewusst oder unbewusst wahrgenommen, dass es immer weniger Amseln gibt oder Sie haben sogar schon tote Amseln in Ihrem Garten, in Parks oder an anderen Orten gesehen?

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) bittet deswegen um Ihre Mithilfe durch das Einsenden tot aufgefundener Amseln und anderer Vögel!

Verantwortlich dafür könnte das Usutu-Virus (USUV) sein. Das Usutu-Virus (USUV) aus der Familie der Flaviviren wird von Stechmücken (u. a. Gemeine Hausmücke, Culex pipiens) zwischen Vögeln übertragen, die als Hauptwirt fungieren. Ursprünglich stammt das Virus aus Afrika und vermutlich haben Zugvögel den Erreger vor langer Zeit nach Europa eingeschleppt. Spätestens seit Mitte der neunziger Jahre sorgt es für kleinere, wiederkehrende Ausbrüche unter Vögeln in Europa, die oft mit einem Amselsterben einhergehen, informiert das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM).

Nach dem ersten Nachweis des durch Stechmücken übertragenen Usutu-Virus in Deutschland im Jahr 2010, kam es in den Jahren 2011/2012 zu einem großräumigen Ausbruch des Virus, welches ein Massensterben von Amseln in Südwestdeutschland verursachte. In den darauffolgenden Jahren zirkulierte das Virus weiterhin in der Region, ein auffälliges Amselsterben wurde jedoch erst wieder in den Jahren 2016/2017 beobachtet. Dieser Ausbruch war mit einer deutlichen Arealausbreitung Richtung Nordwest- und Ostdeutschland verbunden, wobei parallel auch eine starke Viruszirkulation in Belgien und den Niederlanden beobachtet wurde.

Grafik: Quelle BNITM

Grafik: Quelle BNITM

Im Jahr 2018 konnte wieder ein Massensterben festgestellt werden, welches wahrscheinlich durch die lang anhaltenden hohen Temperaturen begünstigt wurde. Insgesamt wurden 1.399 Vögel an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin geschickt. Für 845 (60,4 Prozent) der Vögel konnte das Usutu-Virus nachgewiesen werden. Das Virus zirkulierte 2018 erstmals in den Bundesländern Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Die höchste Aktivität wurde in Niedersachsen und Hamburg beobachtet.

Die Übertragung von Usutu-Viren auf den Menschen erfolgt eher zufällig (ebenfalls über Stechmücken) und kann zum Usutu-Fieber führen. Zu den Symptomen gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge; in seltenen Fällen kann es zu einer Gehirnentzündung kommen.

Seit einigen Jahren werden Blutproben teilweise routinemäßig neben anderen Infektionserregern auch auf Usutu-Viren untersucht. Dabei wurden bisher zwei Infektionen entdeckt, die bei den betroffenen Personen jedoch keine Erkrankungen auslösten. Da die Personen keine Reisen unternommen hatten, mussten sie sich in Deutschland angesteckt haben. Eine Infektion mit dem Usutu-Virus scheint also in Deutschland möglich, ist aber noch kein Grund zur Sorge und wird von Blutspendezentren gemeinsam mit wissenschaftlichen Institutionen weiter beobachtet.

Auch wenn dazu bisher kaum belastbare Daten vorliegen, können sich auch andere Säugetiere (z. B. Pferde oder Fledermäuse) mit dem Usutu-Virus infizieren. Deren Krankheitsverlauf und Symptome sind jedoch noch unbekannt.

Idealerweise schicken Sie die Vögel in einer stabilen ausgepolsterten Verpackung, die mit einem Tiefkühlakku versehen ist, und geben Absender, Fundort (mit PLZ) und Funddatum an. © Dr. Stefan Bosch

Idealerweise schicken Sie die Vögel in einer stabilen ausgepolsterten Verpackung, die mit einem Tiefkühlakku versehen ist, und geben Absender, Fundort (mit PLZ) und Funddatum an. © Dr. Stefan Bosch

Besonders wichtig ist der virologische Nachweis von Usutu-Viren in tot aufgefundenen Amseln und anderen Vögeln. Diese Untersuchungen nehmen das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNITM), das Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems (FLI) sowie Veterinär-Untersuchungsämter vor. BNITM und FLI sammeln bundesweit alle Untersuchungsergebnisse und werten sie aus

Bitte unterstützen Sie die wissenschaftlichen Untersuchungen durch das Einsenden toter Vögel (ganzjährig). Die Vögel sollten baldmöglichst eingesammelt und frischtot eingeschickt werden. Bitte beachten Sie dazu folgende Punkte:

  • Obwohl nach aktuellem Wissenstand keine Infektionsgefahr von den Vögeln ausgeht, werden zum Hantieren mit toten Vögeln das Verwenden von Handschuhen oder einer umgestülpten Plastiktüte sowie eine anschließende Händereinigung empfohlen.

  • Tote Vögel sollten direkt an das BNITM in Hamburg geschickt werden. 

  • Sorgen Sie bitte für einen zügigen Versand und eine sichere Verpackung! Idealerweise sollten die Vögel mit einem Tiefkühlakku versehen oder alternativ gefrorenem Wasser in Plastikflaschen, gut gepolstert und wasserdicht verpackt versendet werden. In den Sommermonaten ist eine Isolation mit Styropor sinnvoll.

  • Es empfiehlt sich besonders vor Wochenenden die Einsendung mit dem BNITM oder den Untersuchungsämtern vorab telefonisch abzustimmen.

  • Ist ein sofortiger Versand nicht möglich, müssen die Vögel bis zum Versand gut verpackt tiefgefroren aufbewahrt werden.

  • Einsender sollten auf der Verpackung den Schriftzug „Freigestellte veterinärmedizinische Probe“ anbringen.

  • Fügen Sie Ihrer Sendung genaue Informationen zum Absender sowie zu Fundort (mit PLZ) und Funddatum bei.

  • Leider können keine Versand- und andere Unkosten erstattet werden. Wie zahlreiche Mitmenschen unterstützen Sie mit ihrer Zuarbeit jedoch die Erforschung des Usutu-Viren-Ausbruches tatkräftig!

Adresse der Untersuchungstelle für Usutu-Viren:

Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Dr. Jonas Schmidt-Chanasit 
Bernhard-Nocht-Straße 74
20359 Hamburg
Telefon: 040-42818-862

Erstellt mit Material des Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM).

Aus unserem Outfox-World Shop
Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns!