Alpenfledermaus zurück in Deutschland

Seltene Fledermausart in Leipziger Plattenbau entdeckt. Erster Nachweis der Alpenfledermaus in Sachsen.

Alpenfledermaus (Foto: © Colette Hennrichmann)

Im Rahmen der wissenschaftlichen Untersuchung ist eine Alpenfledermaus besendert und beringt worden. Ziel ist es, herauszufinden, in welchem Umkreis sich die Fledermaus bewegt. (Foto: © Colette Hennrichmann)

Die seltene Alpenfledermaus (Hypsugo savii) ist in einem Plattenbaugebiet in Leipzig entdeckt worden. Das teilte das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) in Dresden am vergangenen Freitag (16.04.2021) mit. Es handelt sich dabei um den ersten Nachweis in Deutschland seit 70 Jahren. Die letzte Kolonie der Art war 1951 in Oberbayern gefunden worden. Seither galt die Alpenfledermaus in Deutschland als ausgestorben. Mit dem Nachweis der Alpenfledermaus in Leipzig steigt die Anzahl der in Sachsen nachgewiesenen Fledermausarten auf 22.

Die Alpenfledermäuse in Leipzig bewohnen ein Plattenbaugebiet im Osten der Stadt. Es handelt sich um eine kleine Kolonie von vier Weibchen. Sie jagen Insekten in den Straßen und Höfen des Plattenbaugebietes und in einer angrenzenden Parkanlage, zu der ein künstliches Standgewässer gehört. Als Quartier nutzen sie horizontale Spalten an unsanierten Plattenbauten. Das Vorkommen wurde von Fledermausforschern aus Leipzig und Mitteldeutschland entdeckt und anschließend untersucht.

Akustische Nachweise in Dresden, Torgau und an der Mulde bei Grimma deuten auf weitere Vorkommen der Alpenfledermaus in Sachsen hin. Da die Art offenbar nur einzeln oder in kleinen Gemeinschaften vorkommt, sind die entsprechend kleinen Quartiere schwer zu finden.

Die Alpenfledermaus kommt vor allem in Südeuropa und im Alpenraum vor. Sie bewohnt felsenreiche Lebensräume vom Hochgebirge bis zu Küstenregionen und nutzt überwiegend Felsspalten oder Spalten an Gebäuden als Quartiere. Die kleine, etwa sperlingsgroße Fledermaus kann leicht mit Nord- oder Zwergfledermäusen verwechselt werden. Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte gab es Hinweise auf eine Ausbreitungstendenz nach Zentraleuropa und Nachweise von Einzeltieren. Das könnte zum einen damit zusammenhängen, dass sich die Alpenfledermaus stärker an ein Leben in Siedlungen anpassen konnte. Zum anderen könnte der Klimawandel eine förderliche Wirkung haben, da die Art gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommt. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass Einzeltiere mit Warentransporten verfrachtet werden.

Die Alpenfledermaus ist, wie alle spaltenbewohnenden Fledermausarten, stark durch die Sanierung von Gebäuden gefährdet. Bis auf die Nymphenfledermaus nutzen alle in Sachsen nachgewiesenen Fledermausarten Quartiere in beziehungsweise an Gebäuden als Wohnstätte. Ihre Verstecke befinden sich zum Beispiel auf Dachböden, hinter Fassaden- und Schornsteinverkleidungen sowie hinter Fensterläden oder in Mauerspalten.

Zuletzt war in Sachsen 2018 die Weißrandfledermaus entdeckt worden. Mit der Alpenfledermaus liegt nun der zweite Nachweis einer neuen Art innerhalb von wenigen Jahren vor. Alle 22 in Sachsen heimischen Fledermausarten sind streng geschützt. Sie verlassen jetzt die Winterquartiere und ziehen in ihre Sommerquartiere um. Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, die unteren Naturschutzbehörden und der Naturschutzbund Deutschland, Landesverband Sachsen e. V. bieten sachkundige Beratung zu Fragen rund um den Fledermausschutz.

 

Quelle: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)

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