Adler oder Eiderente?

In Skandinavien sorgt der Artenschutz durch Jagd auf Beutegreifer für Konflikte

Eine Eiderente am Strand (Beispielbild: Dr. Georg Wietschorke)

Eine Eiderente am Strand (Beispielbild: Dr. Georg Wietschorke)

Artenschutz muss auch Konflikte aushalten. Wie den, dass der kräftig steigende Seeadler-Bestand zu den Ursachen des dramatischen Rückgangs der Eiderenten-Population in den skandinavischen Brutgebieten gehört.

Typisch für den Konflikt: Im Internet macht momentan das Foto eines Seeadlers Furore, der in den Rotoren eines dänischen Windrads getötet wurde. In den 1970er-Jahren galt der prächtige Raubvogel als nahezu ausgestorben an Nord- und Ostsee. Heute wird der Bestand mit Unsicherheitsfaktor auf rund 1000 Brutpaare geschätzt.

Verlässliche Zählungen existieren zwar nicht, aber sicher scheint: Der dramatische Rückgang bei den Eiderenten hat auch mit der Erholung bei den Beutegreifern zu tun. Neben Nerz und Marderhund, die sich an den Nestern gütlich tun, sind auch die Adler beteiligt, wenn sich die Zahl der Eider-Brutpaare in den Schärengärten vor Stockholm und der finnischen Küste so dezimiert hat, dass Jagdverbote im Raum stehen.

Vogelschützer appellieren bereits an Sommerhaus-Besitzer in den Schären, möglichst oft vor Ort zu sein, um die Raubvögel zu vergrämen. Womöglich hilft das ja gegen die Bedrohung aus der Luft. Aber kaum gegen das Raubzeug an Land. Die ursprünglich aus Zuchtfarmen entkommenen Nerze sind fast flächendeckend ein Problem, in den letzten Jahren kamen die Marderhunde mit hohen Reproduktionsraten hinzu.

Bis zu 90 Prozent Rückgang schätzen Vogelkundler bei den Eiderenten vor Stockholms Küsten. In Finnland brüten die Vögel nicht mehr am Festland, sondern praktisch nur noch auf kleinen und kleinsten Inseln. Dort sind sie einigermaßen sicher vor Nerz und Marderhund – aber nicht vor den Adlern, sagte der bekannte Ornithologe Claes Kyrk im schwedischen Staatsrundfunk.

Im schwedischen Jäger-Blatt Svensk Jakt nennt ein Verbandssprecher das Eider-Jagdverbot eine „Symbolhandlung“. Es sein unbestritten, dass die Jagd nicht schuld sei am Verschwinden der Brut-Enten. Nun soll ein internationales Artenschutzprogramm die Eiderenten retten – womöglich auch durch mehr gezielte Jagd auf Prädatoren. Wie beim Kormoran, der an Schwedens Küsten zur Rettung der Wanderfische wie Lachs und Meerforelle in großer Zahl geschossen wird.

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