Wie geht es den Insekten in unseren Wäldern?

Wald und Holz NRW forscht zusammen mit der Universität Münster in der Egge

Rote Waldameisen auf Eichenblättern (Foto: Harald Matern)

Rote Waldameisen auf Eichenblättern (Foto: Harald Matern)

Im Waldnaturschutzgebiet Egge-Nord läuft seit Mai 2020 ein zweijähriges Projekt zur Erforschung der Insektenvielfalt im Wald.

Das Team Waldnaturschutz von Wald und Holz NRW stellt dort gemeinsam mit Forschenden der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Insektenfallen auf und wertet die Daten aus. Ziel ist es, herauszufinden, welche konkreten Bedingungen die Insektenvielfalt im Wald erhalten und erhöhen. Die Forschenden erwarten von den Ergebnissen zudem wichtige Impulse, wie Forstleute die Biodiversität bei der Bewirtschaftung weiter fördern können.

Beim Aufstellen und Auswerten der Boden- und Flugfallen werden die Forscher von Förster Andreas Bathe vom Regionalforstamt Hochstift unterstützt. Alle zwei Wochen sammeln sie die Käfer, Wespen, Fliegen, Wanzen und Schmetterlinge aus ihren Fallen und werten sie im Labor der Universität aus. Nachtaktive Schmetterlinge untersuchen sie vor Ort mit Hilfe von Lichtfallen.

Der Kardinalrote Schnellkäfer - eine Urwaldreliktart, die in den Naturwaldzellen in NRW zu Hause ist (Bildquelle: Stanislav-Krejcik)

Der Kardinalrote Schnellkäfer - eine Urwaldreliktart, die in den Naturwaldzellen in NRW zu Hause ist (Bildquelle: Stanislav-Krejcik)

Im Offenland beobachten Forschende seit Jahren einen Rückgang der Insektenvielfalt. „Über die Situation im Wald wissen wir bisher nur wenig“, erläutert Michael Elmer, Projektleiter bei Wald und Holz NRW. „Besonders interessant ist für uns daher die Frage, wie sich waldtypische Standortfaktoren, wie z.B. Totholz, blühende Pflanzen sowie Schatten und Licht, auf die Artenzusammensetzung und - vielfalt auswirken.“ Auf Basis solcher Schlüsselstrukturen können Handlungsempfehlungen zum Insektenschutz in der Forstwirtschaft entwickelt werden.

Durch die naturnahe Bewirtschaftung der Wälder in NRW ist der Anteil der Laubbäume seit den 1980er Jahren wieder gestiegen. Im Landeswald trägt zudem das Alt- und Biotopholzkonzept „Xylobius“ dazu bei, die Attraktivität der Wälder als Lebensraum für Insekten, Pilze, Vögel und Flechten zu steigern. Das auf zwei Jahre angesetzte Forschungsprojekt im nördlichen Eggegebirge untersucht, ob sich diese Aktivitäten bereits positiv auf die Insektenvielfalt ausgewirkt haben.

Vielfältige Mischwälder mit wertvollen Biotopstrukturen sind nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch wertvoll. „Alleine in Nordrhein- Westfalen leben rund 25.000 verschiedene Insektenarten. Sie sind unverzichtbar für unsere Ökosysteme als Bestäuber, als Nahrung oder für die biologische Schädlingskontrolle“, so Prof. Dr. Christoph Scherber, Projektleiter an der Universität Münster. „Diese Vielfalt hilft auch, die natürlichen Kreisläufe und Dienstleistungen der Wälder zu gewährleisten.“

Das Forschungsprojekt wird durch das Land NRW gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt:
https://www.wald-und-holz.nrw.de/aktuelle-meldungen/nrwebtv-insekten-im-wald

Hintergrund:

Die Biodiversitätsstrategie NRW legt Ziele und Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfallt fest, u.a. für die Forstwirtschaft. NRW leistet damit seinen Beitrag zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS), die seit 2007 existiert, sowie zu den europäischen und internationalen Biodiversitätszielen.

Die forstlichen Förderrichtlinien des Landes Nordrhein-Westfalen enthalten ein breites Angebot von Naturschutzmaßnahmen im Wald und in der naturnahen Waldbewirtschaftung. Gefördert werden im Rahmen der Waldbewirtschaftung sowohl der Umbau der Wälder zu stabilen Laub- und Mischwäldern als auch die Weiterentwicklung und Wiederherstellung von naturnahen Waldgesellschaften.

Ein wichtiger Lebensraum für viele Insekten ist das sogenannte Biotopholz. Dazu zählen alte Bäume, Totholz, Horst- und Höhlenbäume. Wald und Holz NRW verfügt seit Juni 2014 über eine eigene Biotopholzstrategie namens „Xylobius“. Ziel ist die Verbesserung des Biotopholzbestandes im Staatswald – im Sinne des integrativen Waldnaturschutzgedankens, der Naturschutz und wirtschaftliche Nutzung kombiniert. Das Biotopholz, das außerhalb der Flächen ohne Holznutzung liegt, erfährt so im nordrhein- westfälischen Staatswald einen noch umfassenderen Schutz.

In Nordrhein-Westfalen wird in Wildnisentwicklungsgebieten, im Nationalpark Eifel und den sogenannten Naturwaldzellen kein Holz mehr geschlagen. Das ergibt eine Fläche von rund 14.000 Hektar. Damit übertrifft Nordrhein-Westfalen das Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und das Ziel der Landes-Biodiversitätsstrategie deutlich: „10 Prozent Wildnis im öffentlichen Wald“.

 

Quelle: Pressemitteilung von Wald und Holz NRW vom 04. August 2020, Münster

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