Tote Wölfin aus Wiesbaden genetisch identifiziert

In Hessen kreuzen sich die Routen von Wölfen aus verschiedenen Herkunftsgebieten und Populationen

Die junge Wölfin stammte aus dem Rudel „Hoher Fläming“ an der Grenze zu Brandenburg. (Beispielbild: Insa Osterhagen)

Die junge Wölfin stammte aus dem Rudel „Hoher Fläming“ an der Grenze zu Brandenburg. (Beispielbild: Insa Osterhagen)

Der am 5. Februar 2020 in der Nähe des Wiesbadener Ostbahnhofs tot aufgefundene Wolf kam aus Sachsen-Anhalt. Dies ergab die Analyse der Genproben durch das wildtiergenetische Labor des Senckenberg-Instituts. Die junge Wölfin trug demnach die Laborkennung GW1487f (GW= Grauwolf, 1487= Labornummer. f= weiblich) und stammte aus dem Rudel „Hoher Fläming“ an der Grenze zu Brandenburg.

Die Elterntiere dieses Rudels sind seit dem Jahr 2013 in Sachsen-Anhalt sesshaft, seit 2014 werden dort regelmäßig Welpen geboren. Der genetische Erstnachweis der Wölfin GW1487f gelang in ihrem Ursprungsrudel im Dezember 2019. Ob es sich dabei auch um ihr Geburtsjahr handelt, werden die Untersuchungen des Leibnitz Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin zeigen. Dort werden alle in Deutschland tot aufgefundenen Wölfe weiteren pathologischen und forensischen Untersuchungen unterzogen.

Von Norden und Süden ins Rhein-Main-Gebiet

Anfang des Jahres hatten sich bereits zwei weitere Wölfe ins Rhein-Main-Gebiet „verirrt“: Am 16. Januar wurde auf der rheinland-pfälzischen Rheinseite bei Mainz-Finthen ein junger Wolf auf Wanderschaft überfahren. Der Rüde stammte aus der Alpenpopulation, kam also von Süden. Am 28. Januar kam ein junger Wolfsrüde in Frankfurt-Sachsenhausen ebenfalls bei einem Autounfall ums Leben. Dieses Tier stammte nachweislich aus Niedersachsen.

Gemeinsam mit dem „Wiesbadener“ Wolf aus Sachsen-Anhalt zeigen diese Fälle nicht nur, dass Wölfe auf Wanderschaft sehr weite Strecken zurücklegen, sondern auch, dass sich in Hessen die Routen von Wölfen aus verschiedenen Herkunftsgebieten und Populationen kreuzen.

Wölfe in Ballungsräumen

Anlässlich der jüngsten Totfunde von Wölfen in hessischen Ballungsräumen innerhalb weniger Tage, wurde häufig die Frage gestellt, ob Wölfe möglicherweise gezielt in die Nähe größerer Städte laufen.

Dies ist aber keineswegs der Fall: Telemetriestudien an Wölfen mit Senderhalsband ergaben, dass die Tiere sich oft entlang von Leitlinien in der Landschaft bewegen. Das können größere Flüsse aber auch eingezäunte Autobahnen oder Bahnstrecken sein. Wölfe, die aus ihren Ursprungsrudeln abwandern, haben keine Vorstellung davon, welcher Landschaftstyp vor ihnen liegt. Sie orientieren sich ausschließlich an den Gegebenheiten in ihrem unmittelbaren Umfeld. So kann es passieren, dass ein Wolf sich in eine landschaftliche Sackgasse verirrt – dann hängt es von der Risikobereitschaft des jeweiligen Individuums ab, ob es umkehrt oder versucht, das Hindernis zu überwinden, was es möglicherweise mit dem Leben bezahlt.

In Hessen waren seit 2011 acht Wölfe an hessischen Straßen in Unfälle verwickelt, sieben wurden dabei getötet. Drei davon kamen an Straßen in Ballungsräumen ums Leben. Die Wiesbadener Wölfin allerdings wurde im Gleisbett gefunden – sie starb wohl bei der Kollision mit einem vorbeifahrenden Zug.

Karte der Wolfsvorkommen in Deutschland:

https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/karte-der-territorien

Weitere Informationen zum Wolf in Hessen auf der Homepage des HLNUG:

www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/wolf

  

Quelle: Pressemitteilung des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie vom 18. März 2020, Wiesbaden

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