Projekt „Wo Rothirsche die Landschaft pflegen“ ausgezeichnet

Projektpartner erhalten Auszeichnung der UN-Dekade Biologische Vielfalt für Offenlandmanagement auf dem Truppenübungsplatz GRAFENWÖHR.

Durch die Beweidung mit Rothirschen bleiben ökologisch wertvolle Offenlandlebensräume mit streng geschützten Arten erhalten (Foto: Marcus Meißner/Institut für Wildbiologie).

Durch die Beweidung mit Rothirschen bleiben ökologisch wertvolle Offenlandlebensräume mit streng geschützten Arten erhalten (Foto: Marcus Meißner/Institut für Wildbiologie).

Die Projektpartner freuten sich darüber, die UN-Dekade-Urkunde von Staatsminister Thorsten Glauber (5. von rechts) entgegennehmen zu können (Foto: BImA).

Die Projektpartner freuten sich darüber, die UN-Dekade-Urkunde von Staatsminister Thorsten Glauber (5. von rechts) entgegennehmen zu können (Foto: BImA).

Militärische Nutzung und biologische Vielfalt sind im Landschaftsmanagement kein Widerspruch. Fachkreise haben das längst erkannt. Ein Beispiel ist der US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr, auf dessen Flächen durch ein innovatives Offenlandmanagement vielfältige Lebensräume für bedrohte Tier- und Pflanzenarten geschaffen wurden.

Das Projekt „Wo Rothirsche die Landschaft pflegen“ wurde jetzt mit dem Preis der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet. Der Bayerische Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz Thorsten Glauber übergab den Projektbeteiligten am 19. Oktober 2019 die Urkunde. Zu den Projektpartnern zählt der Bundesforstbetrieb Grafenwöhr der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

Die Vereinten Nationen haben die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade für biologische Vielfalt erklärt. Sie rufen damit die Weltöffentlichkeit auf, sich für die Artenvielfalt einzusetzen. Auf den Flächen des 23.000 Hektar großen Truppenübungsplatzes Grafenwöhr nordöstlich von Nürnberg geschieht dies schon lange. Sie gehören zu den bundesweit wertvollsten Arealen des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000. Zahlreiche gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten sind hier zuhause. Zudem besitzen einige Lebensräume auf dem Gelände gesamteuropäische Bedeutung.

Innovatives Konzept mit hoher landschaftsgestalterischer Wirkung

Um Artenvielfalt und militärische Nutzung in Einklang zu bringen, sind ausgeklügelte Managementkonzepte notwendig. Standardverfahren wie die Beweidung mit Haustieren oder mechanische Pflege sind nicht nur aufwändig und kostenintensiv, sie stören auch den täglichen militärischen Übungsbetrieb. Mit dem fünfjährigen Projekt „Wo Rothirsche die Landschaft pflegen“ gingen der Bundesforstbetrieb Grafenwöhr und seine Partner deshalb ganz neue Wege. Ihr innovativer Ansatz ist, den Rothirschbestand in den Offenlandbereichen zu konzentrieren und die Jagd dort auf wenige Tage im Jahr zu minimieren. In dem Projekt wurde überprüft, welchen Einfluss dies auf die Vegetationsentwicklung und die Biodiversität hat. Dazu statteten die Bundesförster 44 Rothirsche mit GPS-Sendehalsbändern aus.

„Es liegt an uns allen, diesen Schatz zu bewahren“

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte bei der Präsentation des Projekts: „Der Einsatz für die biologische Vielfalt ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Bayerns einzigartige Naturheimat ist ein Geschenk. Es liegt an uns allen, diesen Schatz zu bewahren. Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr ist ein außergewöhnliches und großartiges Beispiel, wie der Schutz der Artenvielfalt gelingen kann. Die militärisch genutzte Fläche ist ein Refugium der Biodiversität: Rothirsche beweiden die Flächen, halten sie offen und schaffen dadurch Lebensraum für zahlreiche Arten. Das Projekt hat den Preis der UN-Dekade Biologische Vielfalt verdient.“

Das Projekt zeigt, dass durch die Beweidung mit Rothirschen ökologisch wertvolle Offenlandlebensräume erhalten bleiben. Gleichzeitig wird zahlreichen streng geschützten und gefährdeten Arten der Weg bereitet. Diesen positiven Einfluss belegt auch die aus Mitteln des Zweckvermögens des Bundes bei der Landwirtschaftlichen Rentenbank finanzierte wissenschaftliche Untersuchung im Rahmen des Projektes. An der Studie beteiligten sich das Institut für Wildbiologie Göttingen und Dresden e.V., die Abteilungen für Graslandwissenschaft und Wildtierwissenschaften der Georg-August-Universität Göttingen sowie die Abteilung Wildökologie und Jagdwirtschaft der Technischen Universität Dresden.

Artenvielfalt im Schutz militärischer Nutzung

Bei der Umsetzung des Projektes arbeiteten alle Partner eng zusammen: die US-Streitkräfte, die BImA als Eigentümerin und Liegenschaftsverwalterin sowie die Mitwirkenden der Studie. Mit der UN-Dekade-Auszeichnung wurde nun auch die herausragende Kooperation der beteiligten Projektpartner gewürdigt.

„Im Rahmen dieses UN-Dekade-Projektes ist es der BImA mit ihrem Geschäftsbereich Bundesforst in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern außerordentlich gut gelungen, mutig neue Wege zu gehen, neue Methoden zu entwickeln und dabei Praxis und Wissenschaft eng miteinander zu verknüpfen“, sagt Gunther Brinkmann, Leiter des Geschäftsbereichs Bundesforst bei der BImA. „Es zeigt sich eindrucksvoll, dass die Einbindung von Wildtieren einen wichtigen Beitrag zur naturschutzfachlichen Gestaltung von Lebensräumen leisten kann – getreu dem Motto: Mit der Natur für die Natur.“

Wichtiges Ziel der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie erreicht

Die Erhaltung und Wiederherstellung naturschutzfachlich wertvoller Offenlandlebensräume mit ihren geschützten Tier- und Pflanzenarten zählt zu den wichtigen Zielen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union. „Wo Rothirsche die Landschaft pflegen“ zeigt über den Truppenübungsplatz Grafenwöhr hinaus neue Möglichkeiten und praktische Hinweise auf, wie Rothirsche in die Landschaftspflege großer, unzugängliche Schutzgebiete eingebunden werden können, um dieses Ziel zu erreichen.

Quelle: Pressemeldung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) vom 21. Oktober 2019, Bonn/Vilseck

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