Offizieller Erntebericht vorgestellt

BMEL: Kleinere Getreideernte wegen rückläufiger Anbaufläche. Rapsanbau gewinnt an Boden.

Mähdrescher bei der Weizenernte (Foto: Thilo Becker)

Mähdrescher bei der Weizenernte (Foto: Thilo Becker)

Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, hat heute (28.08.2020) den Erntebericht 2020 vorgestellt. Grundlage des Berichts sind - anders als bei den bisher vorgestellten Ernteprognosen - die tatsächlich festgestellten Erträge der bisher ausgewerteten Probeflächen aus allen Teilen des Bundesgebiets. Für diese repräsentative Ertragsermittlung werden jedes Jahr mehrere tausend Felder herangezogen.

Julia Klöckner: „Gute Ernten sind unsere Lebensgrundlage. Wie wichtig es ist, sie zu sichern, dafür ist in der Corona-Pandemie neues Bewusstsein entstanden – es geht um Ernährungssicherung. Und für unsere Landwirte um ihr Einkommen. Die Erträge sind im Bundesdurchschnitt besser als erwartet, wenn auch leicht unterdurchschnittlich. Dabei gibt es starke regionale Schwankungen – je nach Bodengüte und Wasserversorgung. Im dritten Jahr in Folge hatten die Landwirte vor allem mit der Trockenheit, aber auch vermehrt mit Spätfrösten zu kämpfen. Das zeigt nochmals deutlich, wie entscheidend die verstärkte Anpassung an den Klimawandel ist.“ 

 

Die wichtigsten Ergebnisse des Ernteberichtes 2020:

  • Die Ernte 2020 ist erneut unter schwierigen Witterungsbedingungen herangewachsen - es gab teilweise wieder Schäden durch Wetterextreme. Aufgrund der Corona-Pandemie fand und findet die Ernte unter veränderten Rahmenbedingungen statt. Hiervon sind die handarbeitsintensiven Sonderkulturen - also Gemüse, Obst, Wein und Hopfen - stärker betroffen als die Ackerkulturen.
  • Witterungsbedingte Schäden gab es in diesem Jahr vor allem durch Spätfröste im April und Mai, eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit und einen regional immer noch anhaltenden Mangel an Bodenfeuchtigkeit. Die Hitzewelle Anfang August verursachte zudem Sonnenbrand bei Obst und Trauben.
  • Für das erste vorläufige Ergebnis der deutschen Getreide- und Rapsernte liegen Druschergebnisse von 6.973 Getreidefeldern und 939 Rapsfeldern aus dem gesamten Bundesgebiet vor. In den sogenannten Späterntegebieten sind derzeit noch nicht alle Flächen abgemäht.
  • Getreide: Für Getreide einschließlich Körnermais wird nach derzeitigem Stand eine Erntemenge von rund 42,9 Millionen Tonnen erwartet. Das sind 3,1 Prozent weniger als im Jahr 2019. Der sechsjährige Durchschnitt, also das Mittel der Jahre 2014 bis 2019, wird damit um sechs Prozent verfehlt.
  • Zurückzuführen ist diese Entwicklung im Wesentlichen auf eine geringere Getreideanbaufläche (-4,7 Prozent gegenüber 2019). Dabei hatte der Rückgang der Winterweizenfläche um nahezu zehn Prozent besonders großen Einfluss, da Winterweizen die ertragsstärkste Getreideart ist. Der verstärkte Anbau der ertragsschwächeren Sommergetreidearten konnte das nicht ausgleichen.
  • In Teilen des Bundesgebietes war es im Herbst 2019, insbesondere im Oktober, für die Aussaat von Wintergetreide zu nass. Dies ist ein Grund für den Flächenrückgang. Zum anderen haben die Landwirte aufgrund der Erfahrungen mit der trockenheitsbedingten Grundfutterknappheit der vergangenen Jahre den Anbau von Feldfutter (z.B. Mais, Feldgras, Luzerne) ausgeweitet. Auch dies ging zu Lasten des Anbauumfangs von Marktfrüchten.
  • Erneut sind große regionale Unterschiede bei den Flächenerträgen festzustellen. Je nach Bodenqualität und Niederschlagsverteilung unterscheiden sich die Ernteergebnisse bereits kleinräumig erheblich. Im Durchschnitt aller Getreidearten ohne Körnermais liegt der bisher festgestellte Hektarertrag bei 69,1 Dezitonnen, das sind 1,3 Prozent mehr als im Jahr 2019.
  • Raps: Nach dem Einbruch des Rapsanbaus im Vorjahr zeigt sich in diesem Erntejahr eine Erholung. Die Anbaufläche wurde auf rund 954.200 Hektar ausgeweitet, wenngleich das Niveau früherer Jahre (über eine Million Hektar) noch knapp nicht wieder erreicht wird. Die Hektarerträge fallen mit 36,8 Dezitonnen gut aus, weisen aber – wie beim Getreide – eine große regionale Variabilität auf. 
  • Insgesamt ist damit in diesem Jahr von einer Erntemenge von rund 3,5 Millionen Tonnen Raps auszugehen. Dies sind 24,4 Prozent mehr als im vergangenen Jahr, jedoch 20,7 Prozent weniger als im sechsjährigen Durchschnitt.
  • Grundfutter: Zum dritten Jahr in Folge haben viel Betriebe mit Viehaltung vor allem aufgrund der Trockenheit erneut ernsthafte Versorgungsprobleme beim Grundfutter. Nur in wenigen Regionen gab es genügend Niederschläge, um ausreichend Silage und Heu für die kommende Winterfütterung zu konservieren. 
  • Um den Betrieben in den unter anhaltender Trockenheit leidenden Gebieten zu helfen, hat das Bundesagrarministerium auch dieses Jahr wieder die Möglichkeit eröffnet, dass die Länder – wo erforderlich – die Nutzung der sogenannten ökologischen Vorrangflächen zu Futterzwecken zulassen können.
  • Obst und Gemüse: Bei Obst und Gemüse fällt die Ernte fast durchweg geringer als im Vorjahr aus. Dies ist einerseits auf Ertragseinbußen infolge von Spätfrösten und Trockenheit zurückzuführen, andererseits auf das Fehlen von Erntehelfern aufgrund der Corona-Situation. 
  • Die stark steigende Verbrauchernachfrage während des Lockdown führte zeitweise zu einem starken Preisanstieg. Die Versorgung war jedoch jederzeit gesichert. Die Gemüsepreise sind inzwischen unter das Vorjahresniveau gesunken, nachdem sich die Nachfrage wieder normalisiert hat.

 

Der vollständige Erntebericht 2020 kann unter dem folgenden Link abgerufen werden:

https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Landwirtschaft/Pflanzenbau/Ernte-Bericht/ernte-2020

 

Statistiken für die einzelnen Bundesländer finden hier:

https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/ernte-und-qualitaet/aktuelles-zur-ernte-2020/?L=0.

  

Hintergrund - Unterstützung der Betriebe zur Anpassung an den Klimawandel:

Ackerbaustrategie

In über 50 Maßnahmen zeigt die Strategie des Bundesministeriums auf, wie Produktivität, die Sicherung der Grundversorgung für Mensch und Tier zusammengebracht werden kann, mit einem besseren Schutz der Ressource Boden und der Anpassung an den Klimawandel.

  • So ist es das Ziel, bis 2030 das Kulturpflanzenspektrum jedes Betriebs auf mindestens fünf verschiedene Kulturpflanzen zu erhöhen.
  • Ein weiteres Instrument sind neue Züchtungsmethoden und ein modernisiertes Zulassungsrecht in der EU. Es geht um die Entwicklung klimastabiler Pflanzen, die zudem mit weniger Pflanzenschutzmitteln auskommen.
  • Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Förderung des Humusaufbaus. Je höher der Anteil, desto länger und mehr Wasser, Nährstoffe und auch Kohlenstoff speichern die Böden. Gerade letztere Eigenschaft trägt zur Verlangsamung des Klimawandels bei.

Dürreversicherung

  • Die Bundesministerin hat sich erfolgreich für eine Steuersenkung bei der Dürreversicherung eingesetzt: Der Steuersatz bei der Dürreversicherung wurde von 19 auf 0,03 Prozent der Versicherungssumme gesenkt. Die Versicherungswirtschaft kann auf dieser Grundlage entsprechende Angebote entwickeln.

Gewinnglättung

  • Die Gewinnglättung ist auf Betreiben des Bundesministeriums Ende März in Kraft getreten: Die Besteuerung der land- und forstwirtschaftlichen Einkünfte erfolgt damit auf der Grundlage des durchschnittlichen Gewinns aus einem Dreijahreszeitraum. So gleichen sich gute und schlechte Jahre aus und die nachteilige Wirkung der Progression wird bei schwankenden Gewinnen abgemildert.

Agrarinvestitionsförderprogramm/GAP

  • Das Agrarinvestitionsförderprogramm (AFP) beinhaltet die Förderung investiver Maßnahmen zur Prävention (zum Beispiel zur Frostschutzberegnung, Hagelschutznetze).
  • Auch auf EU-Ebene gibt es Hilfestellungen: Die Direktzahlungen der ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik bieten bereits ein Sicherheitsnetz für die Gesamtheit der Betriebe.

 

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 28. August 2020, Berlin

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