Novellierung des Bundesjagdgesetzes

Das Wild darf nicht auf der Strecke bleiben!

Eine Mufflonherde (Foto: Marcel Langthim)

Eine Mufflonherde (Foto: Marcel Langthim)

  • Die führenden jagdlichen Verbände Deutschlands beziehen Position zur Novelle des Bundesjagdgesetzes
  • Tierschutzgedanken, waidgerechte Ausübung der Jagd und die Aspekte des Naturschutzes müssen in einem Jagdgesetz den notwenigen Stellenwert haben!
  • Ergänzungen zum Referentenentwurf legen Blick stärker auf die wildlebenden Tierarten

Die Debatte um ein neues Bundesjagdgesetz geht in die nächste Runde. Heute sind die Verbände zur Anhörung nach Bonn geladen. Der Bayerische Jagdverband (BJV) ist gut gerüstet, er hat zusammen mit weiteren 10 führenden jagdlichen Verbänden in Deutschland ein Positionspapier für diese Verbändeanhörung vorbereitet. Darüber hinaus wird der BJV auch noch eigene Forderungen einbringen.

„Die freilebende Tierwelt ist wesentlicher Bestandteil der heimischen Natur. Sie ist als Teil des natürlichen Wirkungsgefüges in Ihrer Vielfalt zu bewahren.“ Dieser Grundsatz, so betont der Biologe Thomas Schreder, Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), müsse aus Sicht der führenden jagdlichen Verbände dringend in das neue Bundesjagdgesetz aufgenommen werden. Schreder: „Im derzeit vorliegenden Referentenentwurf werden die wildlebenden Tierarten viel zu wenig berücksichtigt.  Der Schwerpunkt liegt ausschließlich auf der Situation der Waldbestände. Es wird aber nicht das Waldgesetz novelliert, sondern das Jagdgesetz. Da muss auch den Wildtieren ein hoher Stellenwert eingeräumt werden.“   

Argumente von gestern werden vorgeschoben

Wir wissen nicht, wie viele Wildtiere (Reh und Gams) es in Bayern überhaupt gibt. Derzeit jedenfalls gibt es keine Erfassung, keine wissenschaftlich belegte Studie oder statistische Erhebung dazu. Trotzdem heißt es immer wieder, dass es zu viel Wild gäbe und dass deshalb der Wald kurz vor dem Untergang stehe. Thomas Schreder: „Es ist halt einfach, den Jägern und dem Wild die Schuld in die Schuhe zu schieben, um augenscheinlich schnelle und einfache Lösungen für den Umbau der Wälder anzubieten und von eigenen Fehlern abzulenken. Es ist halt bequem, an uralten Vorurteilen festzuhalten und die längst vergangene Zeit der Trophäenjagd ins Feld zu führen.“

 

Moderne Jagd ist Natur-, Arten- und Tierschutz

Die moderne Jagd sieht anders aus. Sie ist weit weg von überhöhten Wildbeständen und weit weg von einer Trophäenjagd. Die moderne Jagd hat den Lebensraum, den Naturschutz und den Tierschutz im Blick. Die moderne Jagd sorgt mit der Bejagung für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wildtieren und Lebensraum, hilft bei der Abwehr von übermäßigen Wildschäden und bringt mit der Jagd ein hochwertiges Lebensmittel – heimisches Wildfleisch – auf unsere Teller.  Der Biologe Schreder: „Die moderne Jagd sorgt sich um die Wildbestände, nimmt selbstverständlich die gesetzliche Pflicht zur Notzeitfütterung wahr und ist in enger Abstimmung mit ihren Partnern, den Landwirten vor Ort, bei der Verbesserung der Lebensräume aktiv. Dieses moderne Bild der Jagd gefällt aber nicht jedem und passt oft nicht ins festgefahrene Muster.“

Wirtschaftliche Ziele deutlich als solche benennen

Selbstverständlich ist der Umbau zu klimastabilen Wäldern ein wichtiges Anliegen, das die Jägerschaft unmissverständlich unterstützt. Aber auch Pappeln, Birken oder Weiden, bilden Wurzeln aus und halten damit den Boden zusammen, binden CO2 aus der Luft, lassen Blätter fallen und sorgen damit für den notwendigen Humusaufbau am Waldboden. Diese Baumarten sind sehr robust, müssen nicht angepflanzt werden und kommen in einem natürlichen Mischungsverhältnis in vielen Waldbereichen vor. Dazu gibt es unzählige weitere verholzte Strukturelemente, die einen natürlichen, gesunden Wald ausmachen. Sie sind allesamt klimastabil und standortgerecht, ABER sie werfen keinen Ertrag ab.

Die immer gleichen abgedroschenen Forderungen nach höheren Abschusszahlen für Reh, Rotwild und Gams haben wirtschaftliche Interessen und nicht allein die angebliche Sorge um den Wald als Ökosystem als Ziel. In den Argumenten, die immer wieder für die Abschusserhöhung vorgebracht werden, geht es nicht primär um die Stabilisierung einer natürlichen Waldzusammensetzung, sondern vordringlich darum, ökonomisch verwertbare Baumarten, die dem erwarteten Klimaveränderungen standhalten, ohne viel Aufwand hoch zu bringen.

Thomas Schreder: „Diese wirtschaftlichen Interessen sind ein legitimes Ziel und es ist absolut verständlich, dass diese wirtschaftlichen Ziele mit möglichst geringem Aufwand erreicht werden sollen. Dann aber sollte das auch ehrlich so als hauptsächlich wirtschaftliches Ziel beschrieben werden und nicht als Rettung des Ökosystems Wald.“  

Einseitige Argumente statt ausgefeilter Konzepte – so funktioniert es nicht

„Es war der Mensch“, so der Biologe Thomas Schreder, „der die natürlich gemischte Waldstruktur zu Gunsten wirtschaftlichen Profits verändert hat. Und jetzt soll – vor dem Hintergrund vielschichtiger Gefährdungen bestehender Forststrukturen – laut den Vorschlägen zum Bundesjagdgesetz das Reh, der Hirsch und die Gams für diese vom Menschen verursachte Entwicklung mit dem Leben bezahlen?“ Um dieses von Menschenhand gemachte Missverhältnis im Wald wieder gerade zu rücken, reicht es nicht, einfach nach immer höheren Abschusszahlen zu rufen. Notwendig ist ein ausgeklügeltes, auf lange Zeit angelegtes und auf wildbiologischen Erkenntnissen basierendes Konzept von waldbaulichen Maßnahmen, jagdlichen Methoden und Naturschutzaspekten gleichermaßen. Die Jagd kann den Waldumbau unterstützten, aber sie kann immer nur einer von vielen Bausteinen sein.

Ökologisches Denken sieht anders aus

Es ist beschämend, wie wenig die selbst ernannten „Waldretter“ auf den Zustand unserer Wildtiere blicken, wie wenig wildbiologisches Fachwissen in ihre Forderungen zu immer höheren Abschusszahlen einfließt und wie einseitig unser heimisches Wild für alles verantwortlich gemacht wird.

Naturschutz ist nicht teilbar, dazu gehört auch der Schutz der heimischen Tierwelt, Ökologie bedeutet die Gesamtheit der Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt und nicht immer nur die Forderung nach höheren Abschusszahlen.

Der Bayerische Jagdverband, als anerkannter Naturschutzverband und seine 159 Kreisvereinigung in ganz Bayern mit rund 50.000 Mitgliedern hat das verinnerlicht und streitet im Rahmen der Bundesjagdgesetznovelle dafür. Von dieser Einstellung könnte sich so mancher eine Scheibe abschneiden. Unser Wild und unser Wald hätten das verdient.

 

Quelle: Pressemitteilung des Bayerischen Jagdverbands vom 28. August 2020, Bonn/Feldkirchen

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