Nicht nur Fichte: Waldschäden an allen Baumarten

Sachsens Laub- und Nadelbäume leiden unter Trockenheit und Schädlingsbefall

(Foto: © Peter Grunewald)

Abgestorbener Lärchenbestand nach Befall durch den Großen Lärchenborkenkäfer – vor allem im Leipziger Land sind viele Lärchenbestände dem Käfer vollständig zum Opfer gefallen. (Foto: © Peter Grunewald)

Die Witterungsextreme der vergangenen Jahre mit Stürmen, extremer Dürre und großer Hitze haben die Gesundheit der sächsischen Waldbäume nachhaltig beeinträchtigt. Auch in diesem Jahr geraten die Wälder durch die weiter anhaltende Trockenheit unter zusätzlichen Stress. Die Folgen zeigen sich auf dramatische Weise. Die Abwehrkräfte der Bäume werden außer Kraft gesetzt, Schädlinge haben leichtes Spiel. Die Situation ist besorgniserregend.

Zu diesem Ergebnis kommen die Krisenstäbe der Forstbehörden in Sachsen, die am 1. Juli 2020 in Graupa zusammenkamen. Landesforstpräsident Utz Hempfling fasst die Krisensitzung zusammen: »Fest steht: Alle sächsischen Waldbäume leiden unter den Witterungsextremen. Wir beobachten aber regionale Unterschiede im Ausmaß der Schäden und der betroffenen Baumarten.«

Vor allem die Fichte ist von den Schäden betroffen. Seit 2017 entfallen allein auf die häufigste Baumart in Sachsens Wäldern rund zwei Drittel der insgesamt über sieben Millionen Kubikmeter Schadholz. Insbesondere durch den intensiven Befall des Buchdruckers – der gefährlichsten Borken-käfer-Art in Sachsen – sterben Fichtenforste teils großflächig ab. Auch in diesem Jahr setzt sich die Massenvermehrung der Käfer trotz intensiver Gegenmaßnahmen fort. Schwerpunkte der bisherigen Schäden liegen im Oberlausitzer Bergland, in der Sächsischen Schweiz und in Mittelsachsen.

Aber auch andere Baumarten sind von den massiven Schäden stark betroffen. Kiefern, Lärchen, Buchen oder Birken – sie alle zeigen insbesondere in den nördlichen Gebieten Sachsens teils deutliche Krankheitssymptome und Absterbe-Erscheinungen. Die sandigen Böden im Norden Sachsens können die ohnehin schon geringen Regenmengen kaum speichern. Die Grundwasserspiegel sind in den vergangenen Jahren drastisch gesunken, so dass Wasserreserven für die Bäume nicht zur Verfügung stehen. Zahlreiche Schädlingsarten breiten sich aus. Auffällig ist außerdem, dass Bäume allen Alters von den Trockenschäden betroffen sind.

Die Witterungsextreme treffen weiterhin Wälder aller Eigentumsarten. Die rechtzeitige Sanierung der Schäden ist aber insbesondere im kleinstrukturierten Privat- und Körperschaftswald problematisch, wenn eigenes Forstpersonal und der notwendigen Marktzugang nicht zur Verfügung stehen. Schädlinge können sich so oft ungebremst vermehren. Die Forstbehörden in Sachsen versuchen nach Kräften mit Beratung, technischer Hilfe und der Forstförderung sowie weiteren hoheitlichen Maßnahmen gegenzusteuern.

Die Schäden sind am folgenreichsten, wo Mischbaumarten oder junge Bäume im Unterstand fehlen. Hier entstehen Kahlflächen, die wichtige Waldfunktionen wie den Hochwasser- und Erosionsschutz nicht mehr garantieren. »Durch den erfolgreichen Waldumbau der vergangenen Jahrzehnte wächst in Sachsen glücklicherweise vielerorts bereits der stabile Wald der Zukunft heran«, betont Hempfling. »Es gibt aber auch weiterhin die besonders gefährdeten Reinbestände, in denen nur Bäume derselben Art und desselben Alters wachsen.« Für die weitere Entwicklung sieht Hempfling zwei wesentliche Aspekte: »Wir müssen weiterhin eng zusammenarbeiten. Das ist essentiell, um die Schäden so gut es geht einzugrenzen. Gleichzeitig werden wir die Wiederbewaldung und den Waldumbau hin zu stabilen und vielfältigen Mischwäldern weiter vorantreiben.«

Die Ergebnisse der Krisensitzung zu den Schäden an den einzelnen Baumarten neben der Fichte im Einzelnen:

Kiefern, Lärchen, Tannen – große Schäden bei Nadelbäumen

Die braunen Kiefernkronen können im nördlichen Sachsen vielerorts kaum übersehen werden. Auch die zweithäufigste Baumart in Sachsen ist durch Trockenheit und Schädlingsbefall erheblich geschwächt. Während in den vergangenen Jahren die Schäden vor allem im Landkreis Nordsachsen zu beobachten waren, werden nun auch vermehrt Schäden an Kiefer aus den Landkreisen Meißen und Bautzen sowie Görlitz gemeldet. Viele Kiefern sind derart geschwächt, dass sie in diesem Jahr keinen oder nur einen auffällig kleinen Maitrieb gebildet haben. Die angeschlagenen Bäume können Schädlinge kaum abwehren.

Im Gegensatz zur Fichte sind gleich mehrere Schädlingsarten an den Kiefern aktiv. Sechs- und Zwölfzähniger Kiefern-Borkenkäfer, Kleiner Waldgärtner oder Blauer Kiefern-Prachtkäfer – die Insekten mit den teils schillernden Namen befallen die Kiefer auf ganz unterschiedliche Art und Weise und sind dadurch schwierig zu bekämpfen. Warum der Baum letztlich abgestorben ist, kann oft nicht festgestellt werden. Glück im Unglück: Nadelfressende Schmetterlingsarten wie die Forleule oder die Nonne bilden
derzeit keine Gefahr oder treten nur sehr lokal auf. Dafür bereitet die Ausbreitung von Pilzen Sorge: Das sogenannte »Diplodia-Triebsterben« führt zunehmend zum Absterben von Kronenteilen oder ganzen Bäumen.

Lärchen haben nur einen geringen Anteil an der Waldfläche in Sachsen. Durch den Großen Lärchenborkenkäfer nimmt ihre Verbreitung derzeit weiter ab. Anders als der Buchdrucker an der Fichte befällt dieser auch dünne Bäume, so dass ganze Waldbestände absterben können. Besonders im Leipziger Land sind viele Lärchenbestände dem Käfer vollständig zum Opfer gefallen. Alte Tannen sind in Sachsen noch deutlich seltener. Die verbliebenen rund 2.000 Alttannen scheinen die jüngsten Witterungsextreme vergleichsweise unbeschadet überstanden zu haben. Die Weißtanne ist aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit ein Baum der Zukunft und wird in den Mittelgebirgen tausendfach wieder gepflanzt und gesät. Die jungen Weißtannen wurden zuletzt durch die scharfen Spätfröste im Mai aber vielerorts geschädigt.

Auch Laubbäume sind zunehmend betroffen

Wie stark die Witterungsextreme den Wäldern zusetzen, ist auch an den Schäden der Laubbäume zu erkennen. Laubbäume können ihren Wasserbedarf durch das Abwerfen der Blätter effektiv regulieren. Die sich fortsetzende Trockenheit bringt aber auch sie an die Grenze der Belastbarkeit und macht sie anfällig für Insektenbefall. Eichenprachtkäfer, Kleiner Buchenborkenkäfer, Birken-Splintkäfer – jeder Baum hat seine ganz eigenen Schädlinge. Aber auch Pilzkrankheiten spielen eine große Rolle.

Die Rotbuche ist besonders stark von Trockenschäden gezeichnet. Nicht nur junge, kürzlich gepflanzte Bäume, sondern auch erhabene Altbuchen sterben in Teilen oder vollständig ab. Anders als Fichten und Kiefern ist die heimische Rotbuche an zahlreiche Standorte in ganz Sachsen angepasst. Sie ist die leitende Baumart in der natürlichen Waldgesellschaft in Sachsen und damit die wichtigste Baumart des Waldumbaus. Auch Birken sind vielerorts vertrocknet. Die abgestorbenen Bäume bilden an vielgenutzten Wegen und Straßen ein erhebliches Verkehrsrisiko.

(Foto: © Michael Hehmke)

Ein Bild wie aus dem Winter, aufgenommen aber Mitte Juni dieses Jahres: Durch Raupen des Schwammspinners kahlgefressener Eichen-Bestand am Bockwitzer See südlich von Leipzig (Foto: © Michael Hehmke)

Die neben der Birke häufigste Laubbaumart in Sachsen, die Eiche, hat die Witterungs-extreme noch am besten überstanden. Zwar zeigen auch die mächtige Alt- und zarten Jungeichen Schadsymptome, sie konnten sich aber auch größtenteils regenerieren. Bei Eichen treten in diesem Jahr wieder vermehrt blattfressende Schmetterlingsraupen auf, die sich in den warm-trockenen Vorjahren stark vermehren konnten. Bei Borna im Raum Leipzig haben Raupen des Schwammspinners in diesem Jahr circa 30 Hektar Eichenwald restlos kahlgefressen – der Wald sieht aus wie im November, wenn das Laub der Bäume bereits herabgefallen ist. Aber auch diese Eichen können sich über einen Neuaustrieb zunächst regenerieren.

Bei Eschen hat sich das Eschentriebsterben, das durch einen Pilz verursacht wird, auf hohem Niveau etabliert. Betroffene Eschen allen Alters zeigen Welke- und Absterbeerscheinungen. Zunehmend werden betroffene Bäume auch durch den Großen Eschenbastkäfer befallen. Ebenfalls durch Pilze ausgelöst wird die in Sachsen neu auftretende Rußrindenkrankheit an Ahorn. In Nordwest-Sachsen hat sich die aus Nordamerika stammende Krankheit an den geschwächten Bäumen stark ausgebreitet. Teilweise sind ganze Bestände abgestorben.

Aktuelle Informationen zur Waldschadenssituation insbesondere an der Fichte erhalten Sie im Internet im Waldportal Sachsen unter www.wald.sachsen.de/aktuelle-situation-2020-8793.html. Weitere Informationen können auf www.sachsenforst.de oder den Internetseiten der Unteren Forstbehörden in den Landkreisen und kreisfreien Städten abgerufen werden. Waldbesitzer finden umfangreiche Informationen zur Waldschadensbewältigung und zu Unterstützungsmöglichkeiten im Waldbesitzer-Portal unter www.sachsenforst.de/waldbesitzer.

  

Quelle: Pressemitteilung des Staatsbetriebs Sachsenforst vom 01. Juli 2020, Dresden

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