Nachtsichttechnik - Dürfen, nicht müssen

Empfehlungen des LJVs zur jagdlichen Nutzung von Nachtsichttechnik

Jäger mit Nachtsichtvorsatzgerät am Zielfernrohr der Jagdwaffe (Foto: Tobias Westen)

Jäger mit Nachtsichtvorsatzgerät am Zielfernrohr der Jagdwaffe (Foto: Tobias Westen)

Aufgrund einer Änderung des Waffengesetzes ist es seit Februar 2020 waffenrechtlich zulässig, dass Jäger*innen Nachsichtvorsatz- und -aufsatzgeräte (sog. Dual-Use-Geräte) bei der Jagd einsetzen. In Baden-Württemberg war der Einsatz damit aufgrund einer Regelung in der DVO auch jagdrechtlich für die Bejagung von Schwarzwild zulässig. Allerdings war die Nutzung nur nach Beauftragung einzelner Jäger*innen durch die untere Jagdbehörde möglich.
Bei der Änderung des Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes BW wurde § 31 Abs.1 Nr. 10 a) komplett gestrichen. Dies bedeutet, dass der waffenrechtlich zulässige Einsatz von Nachtsichtvorsatzund -aufsatzgeräten in Baden-Württemberg seit dem 30.6.2020 auch auf andere Wildarten als Schwarzwild zugelassen ist. Weiterhin verboten sind Nachtsichtgeräte, die direkt auf die Waffe montiert werden.
Die Nachsichttechnik ist damit grundsätzlich uneingeschränkt auch jagdrechtlich zulässig für die Bejagung von Schwarzwild und Raubwild. Für Rehwild, Sikawild, Damwild und Gamswild gilt die Beachtung des Nachtjagdverbotes.

Für Rotwild ist die Bejagung von weiblichem Rotwild und Kälbern beschränkt bis 22 Uhr (§ 31 Abs. 1 Nr. 9). Damit könnte die Nachtsichttechnik bis 1 ½ Stunden nach Sonnenuntergang und ab 1 ½ Stunden vor Sonnenaufgang zum Erlegen von anderem Schalenwild als Schwarzwild und in der Zeit nach Sonnenuntergang bis 22 Uhr für das Erlegen von weiblichem Rotwild und Rotwildkälbern verwendet werden.
Angesichts der Diskussionen um einen klimagerechten Waldumbau werden Forderungen nach Ausnutzung aller jagdrechtlich zulässigen Methoden bei der Bejagung laut.

Der LJV macht sich nach wie vor für ein Verbot der Nachtjagd, insbesondere bei Rotwild, stark. Die geltende Regelung für Rotwild stellt einen Kompromiss mit den Waldbesitzenden dar. Mit der Möglichkeit der Nutzung der Nachtsichttechnik würde das Ruhebedürfnis des Rotwildes besonders im Winter konterkariert.
Bei der Bejagung von Raubwild, v. a von (invasiven) Neozoen wurden die Jagdzeiten durch Verlegung der allgemeinen Jagdruhe um zwei Wochen verkürzt. Gleichwohl ist die Bejagung der Arten weiterhin erforderlich. Die Nachtjagd kann einen gewissen Ausgleich zur Verkürzung der Jagdzeit bieten und gewährleistet eine tierschutzgerechte Bejagung während der Nachtzeit.
Aufgrund der geänderten Rechtslage hat das Präsidium des Landesjagdverbandes am 1.10.2020 folgende über die Zulässigkeit der jagd- und waffenrechtlichen Nutzung hinausgehenden Empfehlungen zur Nutzung der Nachtsichttechnik beschlossen: 

Der Landesjagdverband Baden-Württemberg e.V. steht dem Einsatz der Nachtsichttechnik bei der Bejagung von Schwarzwild und Raubwild, insbesondere von Neozoen, positiv gegenüber.
Der LJV lehnt jegliche Bejagung von wiederkäuendem Schalenwild (Rotwild, Damwild, Sikawild, Gamswild, Rehwild) mit Hilfe der Nachtsichttechnik grundsätzlich ab, weil sie dem Ruhebedürfnis der Arten besonders im Spätherbst/Winter zuwiderläuft.

Quelle: Pressemitteilung des Landesjagdverbands Baden-Württemberg vom 26. Oktober 2020, Stuttgart

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