Mehr Biodiversität in Baden-Württemberg

Gesetz zur Änderung des Naturschutzgesetzes und des Landwirtschafts- und Landeskulturgesetzes bietet Chancen und Risiken für Wild

Kette Rebhühner (Quelle: LJV Baden Württemberg)

Kette Rebhühner (Quelle: LJV Baden Württemberg)

Am 22.07.2020 hat der Landtag Baden-Württembergs dem Gesetzentwurf zur Änderung des Naturschutzgesetzes und des Landwirtschafts- und Landeskulturgesetzes zugestimmt. Damit soll die Biodiversität im Land rechtlich verbindlich gestärkt werden.

Ausgelöst wurde die Gesetzesänderung durch Forderungen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“. Land, Bauern- und Naturschutzverbände haben daraus ein Eckpunktepapier entwickelt, das Basis für die gesetzlichen Änderungen war.

Wesentliche Punkte der Novellen:

  •     Ausbau des Anteils der ökologischen Landwirtschaft auf 30 bis 40 Prozent bis zum Jahr 2030
  •     Reduktion der chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel um 40 bis 50 Prozent bis 2030
  •     Umsetzung des Verbots von Pestiziden in ausgewiesenen Naturschutzgebieten und Einhaltung der
  •     landesspezifischen Vorgaben des Integrierten Pflanzenschutzes in den übrigen Schutzgebieten
  •     Aufbau eines landesweiten Biotopverbunds auf 15 Prozent der Landesfläche bis 2030
  •     Erhalt von Streuobstbeständen
  •     Schaffung von Refugialflächen auf 10 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen

Aus Sicht des LJV bieten die Neuregelungen Chancen für Wildtiere, es gibt aber auch Risiken: 

Landesweiter Biotopverbund: Hirschkäfer und Hirsch könnten profitieren
Über den nun gesetzlich vorgegebenen Aufbau eines landesweiten Biotopverbundes auf 15 Prozent der Landesfläche könnten sich Hirschkäfer und Hirsch nur freuen, wenn dafür weitere Vorbedingungen geschaffen werden. Hirschkäfer benötigen alte Eichen und Totholz, deren Vernetzung vielen Gebieten über Waldnaturschutzprogramme parallel noch mehr gefördert werden muss, während Rotwild freie Wanderschaft durch den Biotopverbund braucht. Derzeit ist es so, dass außerhalb von fünf festgelegten „Rotwildgebieten“ nahezu alles Rotwild im Land erlegt werden muss. Damit gibt es nur fünf weit voneinander isolierte Rotwildpopulationen auf nur 4% der Landesfläche. „Dies ist kein angemessener Umgang mit unserem Wappentier“, so der Wildbiologe Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband. „Das Abschussgebot muss weg, wenn der Biotopverbund inklusive dem Generalwildwegeplan für das Rotwild überhaupt Sinn machen soll. Wir informieren in unserer Kampagne Platz Hirsch! über die Bedürfnisse unseres größten heimischen Wildtiers. Das Land sollte den Empfehlungen des Wildtierberichts und dem Geist des Biodiversitätsgesetzes in diesem Punkt folgen und nachbessern.“

Refugialflächen sind Rettungsinseln auch im Bioanbau
Große Hoffnungen setzen die Jäger in die Entwicklung von 10% Refugialflächen in der Feldflur. Die größten Sorgenkinder von Naturschutz und Jagd sind nämlich Bodenbrüter und Feldhasen, die kaum noch Nachwuchs in der Agrarlandschaft hochbringen. Hier werden die Refugialflächen als sichere Brut- und Aufzuchtplätze zusammen mit besserem Insektenangebot eine dringend benötigte Verbesserung bringen.

Der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft und die Reduktion der Pflanzenschutzmittel werden zwar grundsätzlich zur Verbesserung der Artenvielfalt beitragen, leider sind für Wildtiere in der Feldflur jedoch auch Nachteile zu erwarten. Die im Bioanbau verstärkt notwenige mechanische Bodenbearbeitung zur Unkrautbekämpfung wird zu höheren Brut- und Jungtierverlusten in den Feldern führen. „Dies zeigen Erfahrungen aus Revieren mit Bioanbau,“ so Lachenmaier, „umso wichtiger sind die Refugialflächen als Rettungsinseln auch in der ökologischen Landwirtschaft.“ Entscheidend ist dabei die richtige Pflege und Bewirtschaftung der Rettungsinseln. „Eine Mahd zum falschen Zeitpunkt vernichtet Insekten, Bruten und Jungtiere. Die Refugialflächen dürfen daher nicht nach landwirtschaftlichen Erfordernissen bewirtschaftet werden.

Im Projekt Allianz für Niederwild hat der LJV gemeinsam mit der Wildforschungsstelle des Landes die Anforderungen an solche Flächen erarbeitet. Beratererinnen und Berater für Biodiversität und Niederwildhege unterstützen die Landwirte bei der Umsetzung.

 

Quelle: Pressemitteilung des Landesjagdverbands Baden-Württemberg vom 23. Juli 2020, Stuttgart

Das könnte Sie auch interessieren

Folgen Sie uns!