Luchs Lias wieder erfolgreich besendert

Luchs Lias liefert weiterhin wertvolle Daten über Verhalten, Raumnutzung und Beutetiere im Oberen Donautal

Luchs mit Senderhalsband (Quelle: FVA)

Luchs mit Senderhalsband (Quelle: FVA)

„Mit Unterstützung der Jägerschaft vor Ort gelang es einem Team der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) am Abend des 8. Dezembers, den männlichen Luchs mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B600 im Oberen Donautal einzufangen und seinen alten Halsbandsender gegen einen neuen auszutauschen. Wir sind froh, dass es dem Tier gut geht und es im Vergleich zum ersten Fang sogar noch einmal an Gewicht zugelegt hat. Nachdem der Luchs bereits fast zwei Jahre wertvolle Daten über die Raumnutzung und die von ihm erbeuteten Wildtiere geliefert hat, haben wir jetzt noch einmal ein gutes Jahr Gelegenheit, vertiefenden Fragen nachzugehen“, sagte der Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk MdL, am Freitag (18. Dezember) in Stuttgart.

Die FVA plane eine Untersuchung zur Reaktion von Rehen und Gämsen auf die Anwesenheit des Luchses und werde der Frage nachgehen, inwiefern der Luchs auf die Anwesenheit von Menschen reagiere. „Wie bisher werden wir auch im kommenden Jahr die Mitglieder der AG Luchs und Wolf sowie die örtlichen Vertreterinnen und Vertreter aus Jagd und Forst transparent über die Erkenntnisse informieren und so die vertrauensvolle Zusammenarbeit vertiefen“, sagte Minister Hauk.

Die bisherigen Ergebnisse der Telemetrieuntersuchung zeigten, dass der Lias getaufte Luchs eine Fläche von über 1.000 km² durchstreifte. „Dieser hohe Wert kommt dadurch zustande, dass der Luchs auf der Suche nach Weibchen während der Paarungszeit bis in den Kanton Schaffhausen wanderte. Aber auch das ganz regelmäßig von dem Luchs genutzte Kerngebiet ist mit ca. 230 km² deutlich größer, als wir das von vielen anderen unserer heimischen Wildtiere kennen – typisch für einen großen Beutegreifer“, erklärte Minister Hauk.

Durch die engagierte Unterstützung der Jägerschaft vor Ort konnten in den ersten zwei Jahren mittels Telemetriedaten im Kerngebiet insgesamt rund 130 erbeutete Wildtiere identifiziert werden – überwiegend Rehe, aber auch Gämsen und sogar zwei Biber. Bezogen auf eine Fläche von einem Quadratkilometer entspricht das einer jährlichen Entnahme von 0,3 Wildtieren. „Die Daten zeigen deutlich, dass ein Luchs nicht in der Lage ist, die wertvolle Arbeit der Jägerinnen und Jäger auf der Fläche zu ersetzen. Da es bei uns keine weiblichen Luchse gibt, ist es leider die Regel, dass diese heimlichen Wildtiere nicht allzu lange bei uns verweilen“, betonte Minister Hauk.

Hintergrundinformationen:

Luchs Lias wurde das erste Mal im Dezember 2017 im Oberen Donautal nachgewiesen. In Zusammenarbeit mit KORA aus der Schweiz konnte das südöstliche Schweizer Jura bei Genf als Herkunftsregion identifiziert werden.

Luchse unterliegen bundesweit dem Jagdrecht und haben ganzjährige Schonzeit. In Baden-Württemberg unterliegt dementsprechend die Zuständigkeit für Luchse beim Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR). Mit dem landesweiten Monitoring ist seit 2004 die Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg beauftragt.

Luchse sind für Menschen völlig ungefährlich und auf die Erbeutung von Rehen und Gämsen spezialisiert. Schafe oder Ziegen werden nur selten von Luchsen angegriffen. Im Schadensfall erhält der Tierhalter eine Ausgleichszahlung durch den Luchsfonds Baden-Württemberg. Das MLR informiert die Verbände der Arbeitsgruppe Luchs und Wolf Baden-Württemberg sowie die Wildtierbeauftragten in der Region regelmäßig über Luchs-Nachweise.

Ursprünglich waren Luchse bis ins späte Mittelalter in ganz Mitteleuropa verbreitet. Vor 40 Jahren wurden sie in der Schweiz aktiv angesiedelt. Seit den 90er-Jahren ist von dort die Zuwanderung einzelner männlicher Luchse nach Baden-Württemberg nachgewiesen, die sich vermutlich aufgrund fehlender weiblicher Luchse selten über eine längere Zeit niedergelassen haben.

Seit 2004 konnten 14 verschiedene Tiere in Baden-Württemberg nachgewiesen werden. Fünf Luchse wurden bisher mit einem Halsbandsender ausgestattet. Der Landesjagdverband Baden-Württemberg hat für sie jeweils die Patenschaft übernommen und sie auf die Namen Friedl, Tello, Wilhelm, Lias und Toni getauft. Über die Besenderung können wichtige Erkenntnisse über die Raumnutzung und das Verhalten der Luchse gesammelt werden.

Die FVA bittet darum, Luchs-Hinweise möglichst rasch unter der Telefonnummer 0761/4018274 oder an info@wildtiermonitoring.de zu melden.

Weitere Informationen zum Luchs sind unter www.wildtiere-bw.de abrufbar.

Informationen zum Monitoring großer Beutegreifer gibt es auf der Internetseite der FVA unter www.fva-bw.de.

 

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg vom 18. Dezember 2020, Stuttgart

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