LJV Hessen unterstützt die hessischen Weidetierhalter

„Das Vorkommen des Wolfes darf nicht dazu führen, dass die Schafhaltung eingeschränkt wird oder dass Schäferinnen und Schäfer jede Nacht um ihre Tiere bangen müssen.“

Am Mittwoch, 15.01.2020 demonstrierte der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung e. V. in Wiesbaden gemeinsam mit anderen Weidetierhaltern in Wiesbaden.

Am Mittwoch, 15.01.2020 demonstrierte der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung e. V. in Wiesbaden gemeinsam mit anderen Weidetierhaltern in Wiesbaden. (Foto: LJV Hessen)

Die aktuelle Entwicklung der Wolfsnachweise in Hessen beunruhigt die hessischen Weidetierhalter massiv. Im Jahr 2019 sind bereits mehr als 30 Nachweise von Wölfen in Hessen auf der offiziellen Monitoring-Homepage des HLNUG verzeichnet. 10 der 30 Nachweise beruhen auf Rissen in Schafherden, bei denen regelmäßig mehrere Tiere betroffen waren.

Aus diesem Grund rief der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung e. V. am Mittwoch, 15.01.2020 zu einer Demonstration auf und fordert von der Politik u. a. ein bundeseinheitliches Wildtiermanagement, die Definition einer Bestandsobergröße für Wölfe in Deutschland, die Erstattung zusätzlicher Aufwendungen z. B. für verstärkte Zäune, eine Rechtssicherheit beim Einsatz von Herdenschutzhunden sowie eine zügige Entnahme von Wolfshybriden und auf Weidetiere spezialisierte Wölfe.

In Deutschland gebe es noch ca. 900 Berufsschäfer, in Hessen nur noch 75. Gerade die Kleinschäfer, die selbst nicht als Hobbyschäfer bezeichnet werden möchten, sind häufig besonders betroffen, dort wo sich der Wolf weiter ausbreitet. Doch gerade diese Kleinbetriebe halten oft selten gewordene alte Haustierrassen und diese dürften nicht aussterben, nur weil die Schäferinnen und Schäfer irgendwann resigniert aufgeben.

Daher fordert der Verband eine transparente Darstellung zum Wolfsvorkommen, Forschungsaktivitäten zum Herdenschutz und die Zukunftssicherung der Weidetierhaltung in Hessen.

Der Landesjagdverband Hessen unterstützte die Weidetierhalter bei der Demonstration in Wiesbaden.

LJV-Pressesprecher Markus Stifter:

“Liebe Schafzüchterinnen und Schafzüchter,

liebe Schäferinnen und Schäfer,

der Landesjagdverband Hessen unterstützt heute gerne ihre Forderungen nach einem sachlichen und wissensbasierten Umgang mit dem Wolf in Hessen.

Als anerkanntem Naturschutzverband liegt uns sowohl der Artenschutz als auch die Biodiversität und insbesondere der Tierschutz am Herzen.

Die Schafhalter und Schafzüchter leisten einen unglaublich wertvollen Beitrag zur Erhaltung des Ökosystems. Nicht nur, dass die Schafe im hohen Norden die Deiche verdichten oder dort den Bewuchs niedrig halten, wo nicht mit schweren landwirtschaftlichen Maschinen gearbeitet werden kann – die Schafe tragen z. B. auch hier in Hessen dazu bei, die Samen seltener Pflanzen zu verbreiten und diese wiederum dienen Insekten als unverzichtbare Nahrungsquelle. Viele Vögel und insbesondere die bodenbrütenden Arten benötigen diese Insekten zum Überleben und der Nahrungskreislauf schließt sich.

In dieses Ökosystem ist nun der Wolf hinzugekommen. Das Vorkommen des Wolfes darf jedoch nicht dazu führen, dass die Schafhaltung eingeschränkt wird oder das Schäferinnen und Schäfer jede Nacht um ihre Tiere bangen müssen.

Auch die Wildschafe – das Muffelwild ¬– ist durch die Übergriffe des Wolfs betroffen. In der Göhrde bei Lüneburg wurde das älteste Mufflon-Vorkommen Deutschlands vom Wolf ausgelöscht und damit auch ein wertvolles Genreservoir.

Es gilt nun eine Allianz aller Weidetier- und Offenlandhalter zu bilden. Nicht nur Schafe und Ziegen sind betroffen, sondern auch Pferde, Ponys und Rinder. Es darf nicht sein, dass die Freilandhaltung unmöglich wird oder alte Haustierrassen wie die Weiße, Gehörnte Heidschnucke, das Rhönschaf oder zum Beispiel das Harzer Hochvieh aussterben.

Als Jäger habe ich schon einige Rehe gesehen, die von wildernden Hunden gerissen wurden und bin sogar einmal durch die Schreie eines jungen Rehs unfreiwillig Augenzeuge eines Risses geworden. Der Anblick ist schockierend und das Leiden der Tiere und insbesondere die Panik in einer Schafherde beim Eindringen eines Wolfes ist unvorstellbar groß. Was es für sie alle bedeuten mag, am nächsten Morgen auf die Weide zu kommen und mehrere tote Schafe oder Ziegen aufzufinden, vielleicht noch zahlreiche verletzte Tiere zu erlösen, vermag ich mir kaum vorzustellen.

Wenn dies so weitergeht, ist die Schaf- und Ziegenhaltung oder sogar die Offenlandhaltung vieler anderer Nutztiere in Verbindung mit dem Wolfsaufkommen in Gefahr – mit allen negativen Auswirkungen auf die Flora und Fauna in Hessen. Das möchten wir nicht und deshalb dürfen es auch nicht zulassen.

Statt Ideologien oder falsch verstandener Naturromantik müssen nun endlich Lösungen gefunden werden, die den Herdenschutz sicherstellen und es ermöglichen, auffällige und gefährliche Wölfe sowie Wolfshybriden ohne lange Entscheidungswege und hohen bürokratischem Aufwand zu entnehmen.

Nach Ansicht des Deutschen Jagdverbands, die auf Aussagen von Wissenschaftlern gestützt ist, ist der „günstige Erhaltungszustand“ des Wolfes in Deutschland längst erreicht. Nach Hochrechnungen des DJV leben im kommenden Frühsommer bereits knapp 1.800 Wölfe in Deutschland. Bei einer jährlichen Populationszuwachsrate von 35 Prozent verdoppelt sich alle drei Jahre der Wolfsbestand. Analog sind die die Schäden an Nutztieren von 2017 auf 2018 um 35 Prozent gestiegen.

Nach den vorliegenden Zahlen hat sich in Deutschland bereits ein Wolfsbestand etabliert, der weit über dem liegt, was in anderen europäischen Ländern als Gesamtbestand zugelassen wird. Im Nachbarland Frankreich ist beispielsweise eine Obergrenze von 500 Wölfen festgelegt. Ein bundesweites aktives Wolfsmanagement ist daher dringend erforderlich und der Wolf muss ins Jagdrecht aufgenommen werden.

Liebe Schäferinnen und Schäfer, die rund 20.000 organisierten Jägerinnen und Jäger in Hessen und die 250.000 Mitglieder des Deutschen Jagdverbandes stehen nicht nur heute hinter ihnen. Vielerorts bestehen enge Verbindungen zwischen Schafhaltern und Jägern.

Gemeinsam können wir es schaffen, Änderungen herbeizuführen, die nicht nur die Existenzgrundlage der Schafzucht und -haltung sichern, sondern auch die Erhaltung und Verbesserungen unserer Ökosysteme.

Das verstehen wir unter Arten- und Naturschutz und der Biodiversität.”

Weitere Informationen:

Downloads:

Forderungspapier des Hessischen Verbands für Schafzucht und haltung. e.V

Pressemitteilung zur Demonstration am 15.01.2020

AfN-Broschüre “Wildtiermanagement Wolf – Handlungsvorschlag


Quelle: Pressemitteilung des Landesjagdverbands Hessen vom 15. Januar 2020, Bad Nauheim

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