Liebesrausch und Straßenverkehr

Zwischen Mitte Juli und Mitte August kann das Liebesspiel der Rehe für erhöhte Wildunfallgefahr sorgen. Besondere Aufmerksamkeit im Straßenverkehr ist jetzt gefragt. 

Die „Blattzeit“ (Paarungszeit des Rehwildes) ist im vollen Gange (Beispielbild: Dieter Hopf)

Die „Blattzeit“ (Paarungszeit des Rehwildes) ist im vollen Gange (Beispielbild: Dieter Hopf)

Rehböcke im Liebesrausch durchstreifen derzeit ihre Reviere nach paarungswilligen Ricken und unwillkommenen Konkurrenten. Es ist „Blattzeit“, wie die Paarungszeit des Rehwildes in der Jägersprache genannt wird. Während ihrer Liebes-Tour verlieren Rehe häufig den Blick für die ihnen drohenden Gefahren und überqueren dabei scheinbar achtlos Straßen. Es herrscht akute Wildunfallgefahr. Die Morgen- und Abendstunden sind in der Regel besonders gefährlich. Während der Blattzeit muss aber auch tagsüber mit Wildtieren auf der Straße gerechnet werden.

Nach Angaben der Polizei ereigneten sich in Rheinland-Pfalz im Jahr 2019 rund 24.838 Wildunfälle. Im Vergleich zu 2018 stieg damit die Zahl von Verkehrsunfällen mit Wildtieren um etwa sechs Prozent. Rund 10.000 Rehe fanden im Jagdjahr 2018/2019 den Tod auf rheinland-pfälzischen Straßen. Keine andere Wildart kommt so oft unter die Räder. Wildunfälle werden oft unterschätzt. So erreicht ein nur 20 Kilogramm schweres Reh bei einer Kollision mit einem 70 km/h schnellen Fahrzeug ein Aufprallgewicht von fast einer Tonne.

Autofahrer können mit dem richtigen Verhalten Wildunfälle selbst vermeiden. Eine den Gegebenheiten angepasste Geschwindigkeit ist die wichtigste Regel. Denn wer mit 100 statt mit 80 Stundenkilometern unterwegs ist, hat bereits einen 25 Meter längeren Bremsweg. Stehen Wildtiere auf der Straße, sollten Autofahrer das Licht abblenden, hupen und bremsen – keinesfalls ein Ausweichmanöver starten, denn die Folgen könnten schwerwiegender sein. Ist es zum Crash mit einem Wildtier gekommen, muss der Fahrzeugführer die Unfallstelle absichern und umgehend die Polizei und gegebenenfalls den zuständigen Jäger informieren. Keinesfalls darf ein verendetes Tier in das eigene Auto „eingepackt“ werden, denn das wäre Jagdwilderei. Tipps zum richtigen Verhalten nach einem Wildunfall finden Interessierte hier.

Derzeit stehen die Chancen gut, Rehe beim Liebesspiel zu beobachten. Dabei hinterlassen verliebte Rehe auf Wiesen und Feldern sogenannte Hexenringe, die durch das kreisförmige Hinterherlaufen der Rehe entstehen. Der jagdliche Ausdruck „Blattzeit“ leitet sich aus der Tradition ab, mit Hilfe eines Buchenblattes die Fieplaute eines weiblichen Rehes zu imitieren und somit brunftige Böcke anzulocken.

 

Quelle: Pressemitteilung des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz vom 21. Juli 2020, Gensingen

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