Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 17. Oktober 2019, Berlin

Leuchttürme der Digitalisierung in der Landwirtschaft

Bundesagrarministerin Klöckner gibt Startschuss für digitale Test- und Experimentierfelder.

Bundesministerin Julia Klöckner mit den Mitgliedern des Kompetenznetzwerks "Digitalisierung in der Landwirtschaft" (Quelle: BMEL/Xander Heinl/photothek.net)

Bundesministerin Julia Klöckner mit den Mitgliedern des Kompetenznetzwerks „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ (Quelle: BMEL/Xander Heinl/photothek.net)

Mit der Übergabe der Förderbescheide hat die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, heute den Startschuss für die digitalen Test- und Experimentierfelder des Ministeriums gegeben.

Auf landwirtschaftlichen Betrieben im ganzen Bundesgebiet wird hier untersucht, wie digitale Techniken optimal zum Schutz der Umwelt, zur Steigerung des Tierwohls und der Biodiversität, vor allem aber auch zur Arbeitserleichterung der Landwirte eingesetzt werden können.

Die Felder sind auch Anlaufstellen für interessierte Praktiker, dienen dem Wissens- und Informationstransfers in die Praxis und aus der Praxis in die Experimentierfelder. 14 förderfähigen Skizzen wurden Anfang des Jahres vom Bundesministerium ausgewählt, die – teils bereichsübergreifend, teils spezialisiert auf Pflanzenanbau oder Tierhaltung – neue, innovative Methoden etablieren wollen.

Das Ministerium fördert die Projekte über die kommenden drei Jahre mit 50 Millionen Euro, insgesamt stehen für den Bereich Digitalisierung in der Landwirtschaft 60 Millionen Euro im Haushalt zur Verfügung.

Die Test- und Experimentierfelder sind damit Leuchttürme im Bereich der Digitalisierung, den Ministerin Klöckner seit Amtsbeginn zielgerichtet vorantreibt und neu ausgerichtet hat. Eine neu gegründete Unterabteilung im Ministerium ist für die Koordinierung der Digitalisierungsfragen des gesamten Ressorts zuständig, Digitalisierungsreferenten in jeder Abteilung und eine Digitalisierungsbeauftragte wurden eingeführt.

Julia Klöckner: „Mit unseren digitalen Test- und Experimentierfeldern bauen wir die Vorreiterrolle der Landwirtschaft bei der Digitalisierung weiter aus. Autonomes, satellitengesteuertes Fahren ist auf den Äckern bereits heute keine Utopie, sondern Realität. Sensoren helfen gezielt bei passgenauer Aussaat und Düngung oder haben das Einzeltier im Blick, um sein Wohlbefinden zu verbessern. Mit den 14 ausgewählten Projekten treiben wir die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich weiter voran, schaffen neue Referenzgrößen. Gut, dass es jetzt losgeht.

In der Praxis – auf dem Acker, im Keller und im Stall – untersuchen wir bundesweit, wie digitale Techniken optimal zum Schutz des Klimas und der Umwelt, zur Steigerung des Tierwohls, der Artenvielfalt und zur Arbeitserleichterung eingesetzt werden können. Nachhaltigkeit wollen wir so noch besser zusammenbringen mit Ertragssicherung. Das ist entscheidend für eine gute Zukunft der Branche, steigert die Attraktivität Grüner Berufe und erhöht die gesellschaftliche Akzeptanz. Wichtig war mir daher, mit den Experimentierfeldern das gesamte Spektrum der Landwirtschaft abzudecken – vom Ackerbau über die Sonderkulturen bis zur Tierhaltung.“

Mit dem heutigen Startschuss wurde im Bundesagrarministerium auch das Kompetenznetzwerk „Digitalisierung in der Landwirtschaft“ etabliert. Dieses soll die Nutzung von Synergien zwischen den Projekten stärken und das Fachwissen aus den einzelnen Experimentierfeldern bündeln. Dazu sollen Ergebnisse zusammengefasst, bewertet und Maßnahmenvorschläge für die strategische Weiterentwicklung von Fördermaßnahmen erarbeitet werden. Zudem werden aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen aus allen Bereichen der Digitalisierung in der Landwirtschaft hier analysiert und Lösungsvorschläge erarbeitet. Dem Netzwerk gehören Experten aus Wissenschaft, Verbänden und Verwaltung an, geleitet wird es von der Digitalisierungsbeauftragten des Bundesministeriums.

Die Test- und Experimentierfelder im Einzelnen:

Landnetz

  • Einreicher: TU Dresden, Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) Sachsen, Fraunhofer IVI
  • Fördervolumen: 7,6 Millionen Euro
  • Thema: Flächendeckende Kommunikations- und Cloudnetze für Landwirtschaft 4.0 und den ländlichen Raum

Erforschung von Kommunikations- und Cloudinfrastrukturen und Prüfung von Technologien zur flächendeckenden drahtlosen Datenübertragung mit Hilfe von 5G im ländlichen Raum und Vernetzung von landwirtschaftlichen Betrieben. Einrichtung eines großflächigen 5G Testfeldes.

EXPRESS

  • Einreicher: Uni Leipzig, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Fraunhofer IMW, Institut für Mikroelektronik- und Mechatronik-Systeme
  • Fördervolumen: 2,8 Millionen Euro
  • Thema: EXPerimentierfeld zur datengetRiebenen VErnetzung und DigitaliSierung in der LandwirtSchaft (Sonderkulturen)

Bereiche: sensorbasiertes Wasserstressmonitoring, Automatisierte Überwachung von abiotischen Schlüsselparametern mit Hilfe Übertragungs- und Vernetzungstechnologien, Blockchain, Augmented Reality, Virtual Reality, Mixed Reality in der Landwirtschaft, Datenintegration aus heterogenen Datenquellen.

Agro-Northwest

  • Einreicher: Wirtschaftsförderung Osnabrück (WIGOS), Hochschule Osnabrück, Uni Osnabrück, Uni Bochum, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung
  • Fördervolumen: ca. 6,2 Millionen Euro
  • Thema: Verbundprojekt zur herstellerübergreifenden praxisorientierten Weiterentwicklung von Digital Farming-Lösungen im Pflanzenbau

Kernprojekte reichen von nachhaltigen Technologien, über Mensch und Betrieb, vernetzte herstellerübergreifende Prozess bis zur Entscheidungsunterstützung; Konnektivität der Maschinen sogenannter "bunter Flotten" im Feld testen.

FarmerSpace

  • Einreicher: Institut für Zuckerrübenforschung Göttingen, Uni Göttingen, Fraunhofer IOSB, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
  • Fördervolumen: ca. 2,3 Millionen Euro
  • Thema: Experimentierfeld zur Implementierung digitaler Technologien für den Pflanzenschutz

Implementierung, Evaluation und Weiterentwicklung digitaler Technologien des Pflanzenschutzes zur Zustandserkennung und Durchführung von Managementmaßnahmen.

DigiKopter

  • Einreicher: Hochschule Geisenheim
  • Fördervolumen: ca. 1,5 Millionen Euro (Skizze)
  • Thema: Experimentierfeld Digitalisierung im Weinbau unter Nutzung von Multikoptern, vernetzter Sensorik und satellitengestützter Kommunikationskanäle

Digitalisierung der Produktionsverfahren insbesondere im Weinbau unter Nutzung heute verfügbarer vernetzter Sensorik und Aktorik. Einsatz von unbemannten luftgestützten Systemen, um die Vorteile der bodenschonenden Verfahren auszuschöpfen. Als Kommunikations-kanäle werden, 5G-Technik sowie satellitengestützte Systeme genutzt.

EF-Suedwest

  • Einreicher: DLR RNH, DLR Rheinpfalz, DLR Eifel, DLR Westerwald-Osteifel, Hofgut Neumühle, Technische Universität Kaiserslautern, Technische Hochschule Bingen
  • Fördervolumen: ca. 4,4 Millionen Euro (Skizze)
  • Thema: Förderung des branchenübergreifenden und überbetrieblichen Datenmanagements zur Unterstützung landwirtschaftlicher Wertschöpfungssysteme

Praktische Nutzung einer standardisierten und dezentralen digitalen Dateninfrastruktur zum Austausch und zur Verarbeitung von betriebsrelevanten Daten (Geobasis-, Fach- und Wetterdaten) über alle Stufen landwirtschaftlicher Wertschöpfungssysteme hinweg.

DigiVine

  • Einreicher: JKI, IOSB, Technische Universität Kaiserslautern
  • Fördervolumen: ca. 3,7 Millionen Euro
  • Thema: Digitalisierung im Wertschöpfungsnetzwerk Weinbau: Von der Pflanzung bis zur Traubenanlieferung

Zusammenspiel von Forschung und Entwicklung, Beratung und Praxis für Traubenproduktion mittels Digitalisierung fördern; passgenaue Dienstleistungen und Handlungsempfehlungen für Winzer entwickeln und die Arbeits- und Ressourceneffizienz erhöhen.

Agrisens-DEMMIN

  • Einreicher: Deutsches GeoForschungsZentrum Potsdam, Uni Jena, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Uni Würzburg, Uni Halle, JKI, DWD
  • Fördervolumen: ca. 3,7 Millionen Euro
  • Thema: Einsatz von Fernerkundungstechnologien für die Digitalisierung im Pflanzenbau

Digitalisierungsthemen bis hin zu End-to-End-Lösungen von Geoinformationsdaten. Ziel ist es die Nutzung von Fernerkundungsdaten satelliten- und UAV gestützter Systeme zu definieren, Methoden weiter- und neu zu entwickeln.

Cattle-Hub

  • Einreicher: Uni Bonn, CEEC Jena - Center for Energy and Environmental Chemistry Jena, Technische Universität Dresden, Technische Universität Chemnitz, Johann Heinrich von Thünen-Institut, LfULG Sachsen, Landwirtschaftskammer NRW
  • Fördervolumen: ca. 2,5 Millionen Euro
  • Thema: Assistenzsysteme für eine intelligente Rinderhaltung – „CattleHub“

Forcierung der interdisziplinären Entwicklung und Etablierung von Assistenzsystemen für die gesamte Rinderhaltung. Verdichtung, Auswertung, Analyse und Darstellung der Daten für den Nutzer. Lösungen für spezielle Herausforderungen wie die Energieversorgung der tiernahen Sensoren.

DigiSchwein

  • Einreicher: Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Uni Oldenburg, OFFIS e. V., Johann Heinrich von Thünen-Institut, Tierärztliche Hochschule Hannover, Uni Göttingen
  • Fördervolumen: ca. 4,3 Mio. Euro
  • Thema: Cross Innovation und Digitalisierung in der tiergerechten Schweinehaltung unter Berücksichtigung des Ressourcenschutzes – „DigiSchwein beraten, qualifizieren und fördern“

Digitalisierung, Modellierung, Datenmanagement; Plausibilitätsanalysen vorhandener Sensortechnik; Entscheidungshilfen zur Krankheitsfrüherkennung, Haltung von unkupierten Tieren/Reduzierung von Schwanzbeißen; Monitoringsystem für das Geburtsmanagement

DigiMilch

  • Einreicher: Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Bayern
  • Fördervolumen: ca. 3,4 Millionen Euro
  • Thema: Experimentierfeld „Digitalisierung in der Prozesskette Milcherzeugung“ – Demonstration, Erprobung und Bewertung der Funktionalität, Kompatibilität und Interoperabilität neuer digitaler Produkte und Services entlang der landwirtschaftlichen Produktionskette Milch

Demonstration, Erprobung und Bewertung der Funktionalität, Kompatibilität und Interoperabilität digitaler Produkte und Services. Digitale Lösungen auf ihre Eignung (insb. Vernetzbarkeit) zu überprüfen, Einsatzerfahrungen zu erfassen, Defizite darzulegen, Kosten und Nutzen abzuwägen und Lösungsansätze zu entwickeln

DiWenkLa

  • Einreicher: Uni Hohenheim, Hochschule Nürtingen
  • Fördervolumen: ca. 4,5 Millionen Euro (Skizze)
  • Thema: Digitale Wertschöpfungsketten für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft

Erforschung der digitalen Wertschöpfungsketten für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft; die Möglichkeiten und Bedingungen des Einsatzes digitaler Technologien in durch Kleinstrukturen geprägten Agrarsystemen.

Best-SH

  • Einreicher: FuE-Zentrum der FH Kiel GmbH, CAU Kiel Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Bundesverband der Deutschen Lehranstalten für Agrartechnik e.V. (DEULA) SH, Berufs-Bildungs-Zentrum am Nord-Ostsee-Kanal
  • Fördervolumen: ca. 3,3 Millionen Euro
  • Thema: Betriebsleitung und Stoffstrommanagement – Vernetzte Agrarwirtschaft in Schleswig-Holstein

Entwicklung und Nutzung eines digitalen Stoffstrommodells, das die Datenströme in der landwirtschaftlichen Innen- und Außenwirtschaft praxisorientiert abbildet und durch passende Schnittstellen barrierefrei nutzbar macht.

Diabek

  • Einreicher: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
  • Fördervolumen: ca. 1,3 Millionen Euro
  • Thema: Digitalisierung anwenden, bewerten und kommunizieren - Experimentierfeld als Kooperation zwischen familiengeprägten Ackerbaubetrieben und praxisnahen Bildungseinrichtungen

Datenquellen und Techniken aus dem Open Source Bereich für Anwendung in der Landwirtschaft finden und nutzbar machen. Identifikation von Parametern, die den Einstieg oder die Anwendung in digitale Technologien erschweren. Förderung landwirtschaftlicher Betriebe in kleinstrukturierten Gebieten.

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