Hessische Weidetierhalter stehen auf! 

Es ist „5 NACH 12“ für den Schutz der Weidetiere. Die aktuelle Entwicklung der Wolfsnachweise in Hessen beunruhigt die hessischen Weidetierhalter massiv. Aus diesem Grund sieht sich der Hessische Verband für Schafzucht und –haltung e.V. gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Weidetierhalter-Demo am 15. Januar 2020.

Bildquelle: Hessischer Verband für Schafzucht und –haltung e.V.

Die aktuelle Entwicklung der Wolfsnachweise in Hessen beunruhigt die hessischen Weidetierhalter massiv. Im Jahr 2019 sind bereits mehr als 30 Nachweise von Wölfen in Hessen auf der offiziellen Monitoring-Homepage des HLNUG verzeichnet. 10 der 30 Nachweise beruhen auf Rissen in Schafherden, bei denen regelmäßig mehrere Tiere betroffen waren.

Aus diesem Grund sieht sich der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung e.V. gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Da in das Beutespektrum des Wolfes nicht nur unsere Schafe und Ziegen fallen, sondern auch Kälber, Fohlen, Geflügel, Gatterwild, Kameliden, Esel und Ponys, suchen wir den Zusammenschluss mit Weidetierhaltern der anderen Tierarten.

So kann es in Hessen nicht weitergehen! Es ist „5 NACH 12“ für den Schutz der Weidetiere. Die dauerhafte Ansiedlung von Wölfen in Hessen steht kurz bevor, womöglich gar die erste Bildung eines Rudels. Die Weidetierhalter werden beim Schutz ihrer Herden vor dem großen Raubtier von der Politik alleingelassen. Immer wieder hören wir in den Aussagen der Naturschutzbehörden, wie wichtig die Beweidung unserer offenen Landschaften für die Erhaltung der Biodiversität sei. Das wissen wir schon lange.

Die Existenz unserer Familienbetriebe soll auf dem Altar des angeblich „größten Erfolgs des Naturschutzes“, der Rückkehr des Wolfes in unsere Weidegebiete, geopfert werden. Wir fragen uns schon lange, was der Naturschutz dazu beigetragen hat, dass Wölfe nun auch wieder in Hessen eine Heimat gefunden haben.

Ist die Rückkehr der Wölfe nach Hessen wirklich bedeutender für den Natur- und Artenschutz als die Offenhaltung der Landschaften wie der Rhön, des Vogelsberges, des Taunus, des Odenwaldes oder des Waldeckschen Uplandes durch unsere Weidetierherden?

Es spricht nicht für den Sachverstand der Vertreter des Verbandsnaturschutzes und der Naturschutzbehörden, wenn unsere jahrhundertelange Arbeit zur Schaffung und Erhaltung der wertvollsten und artenreichsten Biotope unserer Heimat die wir heute noch haben aufs Spiel gesetzt wird. Dies soll nun für die Wiederansiedlung einer aktuell populären Art eines großen Landraubtieres geopfert werden. Das Gerede von eine „Friedlichen Koexistenz von Weidetierhaltung und wildlebenden Wölfen“ ist eine Mär. Das was sich in Weidegebieten in Ost-, Südost- und Nordeuropa abspielt, wo die Wölfe nie ausgerottet waren, ist ein knallharter Überlebenskampf, in dem die Weidetierhalter und Jäger nicht lange fackeln, wenn Übergriffe durch Wölfe zu befürchten sind.

Der Wolfskuschelkurs, den unsere Politiker im Angesicht von finanzkräftiger und geschickter Lobby-Arbeit der sog. „Wolfsfreunde“ fahren, die Verbandspolitik vor wahren Naturschutz stellen, ist völlig praxisfremd im Alltag der Weidewirtschaft.

Ein Blick in die angrenzenden Bundesländer mit ersten Wolfspopulationen genügt, um zu erkennen, dass dort Stück für Stück die ursprünglichen Grundsätze des sog. Wolfsmonitorings revidiert werden müssen. Die finanziellen Aufwendungen der Behörden zum Schutz der Wölfe steigen ins Unermessliche, da sich die Wölfe immer weiter ausbreiten und es keinen sicheren Schutz vor Übergriffen gibt.

Die prekäre wirtschaftliche Situation der Schäfer wurde bereits in 2008 von der Europäischen Kommission wahrgenommen und bestätigt. Seitdem hat sich unsere Situation durch gestiegene Bürokratie, neue Tierseuchen, höhere Kraftfutter- und Pachtpreise sowie Lohnkosten und vieles mehr weiter verschlechtert. Die politisch gewollte Rückkehr des Wolfes gibt uns und unseren Betrieben nun den Rest! Unsere Politiker schauen zu und erfreuen sich mit den Vertretern des Verbandsnaturschutzes über die steigende Zahl der Wolfssichtungen in Hessen, die sie sich auf ihre Fahnen schreiben.

Sie haben wahrscheinlich noch nie ein Schaf gesehen, das von Wölfen bei lebendigem Leib angefressen wurde und sich ohne Hoffnung auf ein Überleben mit sinnlos aufgerissenen Eingeweiden über die Weide schleppt. Mehrere Schafhalter Hessens mussten einen solchen Anblick schon jetzt ertragen.

Welchen Beitrag leisten die Wölfe zur Erhaltung der Biodiversität im Vergleich zu der Arbeit unserer Schafe? Was nützt eine zusätzliche Art in unseren Landschaften, wenn durch ihre Präsenz mehr als einhundert aktuell gefährdete Arten der Offenlandschaften der Ausrottung preisgegeben werden, weil sich die Weidetierhaltung aus den Wolfsgebieten zurückziehen muss? Wir wollen es nicht mehr kampflos hinnehmen, dass unsere Herden von Wölfen unter grausamsten Bedingungen gerissen werden, nur weil der Wolf hohe Popularität und einen hohen Schutzstatus hat. Wir zweifeln an, dass der Wolf vor der Ausrottung steht und in seiner Arterhaltung gefährdet ist!

Die Sorgen und der ständig steigende Stress um die Sicherheit unserer Weidetiere machen uns und unsere gesamten Familien, neben den vielen anderen Problemen, krank. Wir wollen nicht mehr länger auf leere Versprechungen der Politik warten, sondern benötigen schnellstmöglich „echte“ Hilfe für unsere Betriebe – egal ob groß oder klein – sowie auch für die Erhaltung der Natura 2000-Flächen.

Zumindest zum Schutz unserer wertvollen Biotope hat sich die Politik verpflichtet. Wie soll deren Erhaltungszustand gesichert oder verbessert werden, ohne die Leistungen der Weidetierhaltung?

Wir werden gemeinsam mit anderen Weidetierhaltern am 15. Januar 2020 vor den Landtag nach Wiesbaden ziehen und von unseren Landespolitkern Antworten auf unsere Forderungen verlangen. Wer es wirklich ernst meint mit Naturschutz, Artenvielfalt und Biodiversität, der muss die Weidetierhaltung in Hessen schützen und sie nicht opfern.

Wir haben nichts gegen den Wolf, solange er unsere Herden in Ruhe lässt. Wer den Wolf in unserer Heimat will, der soll auch für die Schäden aufkommen, die er verursacht. Wir brauchen Hilfe bei dem Schutz unserer Herden vor dem Wolf. Wir brauchen Unterstützung, um unsere Schutzmaßnahmen für alle Herden, ob groß oder klein, zu verbessern. Wir fordern eine Entschädigung für alle Folgen, die durch Angriffe von Wölfen auf unsere Weidetiere entstehen. Wir brauchen Forschungsprojekte, die neue Abwehrmaßnahmen gegen Wolfsübergriffe entwickeln und wir brauchen im Fall des Falles schnelle Gewissheit, wer unsere Herden attackiert hat und wirksame Notfallmaßnahmen, um eine Wiederholung zu verhindern.

Demo am 15.01.2020 in Wiesbaden

Treffpunkt: 10:00 Uhr, Bahnhof Wiesbaden,

anschließender Fußmarsch zum Luisenplatz,

Beginn der Demo: 11:00 Uhr auf dem Luisenplatz 

Veranstalter u. Organistion: Reinhard Heintz, 1. Vorsitzender des SZVH e. V. mit Einbeziehung aller Weidetierhalter

Quelle: Pressemitteilung des Hessischen Verbands für Schafzucht und -haltung e. V.

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