Pressemitteilung des Deutschen Jagdverbands (DJV) vom 12. September 2019, Berlin

Die Jägersprache: Bildreiche Redewendungen im Alltag

Die Jägersprache ist seit dem 7. Jahrhundert ein Teil des jagdlichen Brauchtums. Viele Ausdrücke und Redewendungen sind in den Alltag übergegangen und werden noch heute benutzt. Zum Tag der deutschen Sprache am 14. September gibt der DJV einen Einblick in diese Zunftsprache.

Viele Redewendungen werden noch immer bei der Jagd verwendet. (Quelle: Martinsohn/DJV)

Viele Redewendungen werden noch immer bei der Jagd verwendet. (Quelle: Martinsohn/DJV)

„Jemanden aufs Korn nehmen“, „Einen Haken schlagen“ oder „Jemanden etwas ans Bein binden“ und noch viele andere Redewendungen sind älter als die meisten denken würden. Einige der über 6.000 Wörter aus der Jägersprache gehen zurück bis in das 7. Jahrhundert. Sie wurden herkömmlich zur exakten Verständigung unter Jägern genutzt und gingen über die Jahrhunderte in den alltäglichen Sprachgebrauch über. Die Jägersprache ist recht bildhaft und diente ursprünglich dazu, Natur und Wildtiere präzise zu beschreiben. Anlässlich des Tages der deutschen Sprache am 14. September erläutert der Deutsche Jagdverband (DJV) beliebte Redewendungen.

In unserer Alltagssprache finden sich viele dieser Redewendungen wie „Aufpassen wie ein Schießhund“. Schießhunde waren in der alten Jägersprache Hunde, die spezialisiert waren verletztes Wild aufzuspüren. Wenn also jemand sprichwörtlich aufpasst wie ein Schießhund, dann achtet er ganz genau darauf, dass ihm nichts entgeht.

„Sich ins Gehege kommen“ bedeutet umgangssprachlich, auf einen Konflikt zuzusteuern. Als Gehege wurde früher jedes umzäunte und nicht umzäunte Grundstück bezeichnet. Jemanden ins Gehege zu kommen bedeutete also ursprünglich, ganz wörtlich jemandes Grund und Boden zu betreten, und dies meist als ungebetener Gast.

Im Überblick weitere beliebte Redewendungen aus der Jagd, die es in die Alltagssprache geschafft haben:

Jemanden aufs Korn nehmen
Diese Redensart stammt aus der Sprache der Jäger, die über Kimme und Korn (zwei Fixpunkte am Gewehrlauf) auf das Wild zielen. Seit dem 18. Jahrhundert ist dieser fachsprachliche Ausdruck auch in der Alltagssprache im Sinn eines scharfen Beobachtens nachgewiesen.

Einen Haken schlagen
„Haken schlagen“ bezeichnet ursprünglich die abrupte Richtungsänderung des verfolgten Hasen. Der Haken meint dabei die gekrümmte Abweichung von einer als Gerade gedachten Fluchtlinie.

Von etwas Wind bekommen
Ein Jäger muss sich immer gegen den Wind an seine Beute schleichen, damit das Wild ihn nicht wittert. Dreht sich allerdings der Wind, und das Wild erschnuppert den Jäger, nimmt es Reißaus und flüchtet.

Die Rede vom alten Hasen
Die Wendung bezieht sich darauf, dass Hasen normalerweise nicht besonders alt werden, weil sie so viele Feinde haben. Ein Hase, der dennoch alt wird, muss sehr geschickt sein, weil er immer wieder den Jägern entkommen ist.

Wissen wie der Hase läuft
Der Hase schlägt auf der Flucht viele unvermutete Haken, so dass ein Verfolger ins Leere stößt. Dieser unvorhersehbare Wechselkurs ist der Ursprung der Redensart, wobei der Erfahrene als jemand eingeschätzt wird, der sich durch die Haken nicht beeindrucken lässt und die Hauptrichtung einschätzen kann.

Die Lunte riechen
Bei der Jagd mit Gewehren wurde früher das Schießpulver mit einer Lunte, also einer langen Zündschnur, gezündet. Dies war meist eine in Salpeter getränkte Baumwollschnur. Wollte der Schütze einen Schuss abgeben, so drückte er die glühende Schnur mit dem Abzugsmechanismus in das Schießpulver. Dieses Verfahren war nicht nur umständlich, es hatte auch den Nachteil, dass das Wild die Lunte roch: Salpetergeruch bedeutete Gefahr, das Wild flüchtete. Wenn jemand heutzutage eine Gefahrensituation rechtzeitig erkennt, dann hat er Lunte gerochen.

Durch die Lappen gehen
Die Redewendung „durch die Lappen gehen“ kommt aus der Jägersprache. Als früher die Männer auf Treibjagd gingen, hängten sie in manchen Richtungen Stofflappen auf: So konnten die Tiere an diesen Stellen nicht entwischen. Ist trotzdem ein Tier zwischen diesen Tüchern entkommen, ging ist es den Jägern wortwörtlich durch die Lappen.

Jemanden etwas ans Bein binden
Da es früher ausschließlich dem Adel vorbehalten war, auf die Jagd zu gehen, wurden den Hunden der einfachen Bevölkerung ein Knüppel ans Vorderbein gebunden. Dadurch wurde der Hund daran gehindert, Wild nachzustellen oder es zu erlegen. Aus diesem Kontext leitet sich die heute bekannte Redewendung ab: Bindet man jemandem etwas ans Bein, erschwert man dieser Person das Leben oder drückt ihr eine schwere Aufgabe auf.

Sich vor etwas drücken
Der Ausdruck geht auf die Jägersprache zurück, wo er sich auf Wild bezieht, das sich in Erdmulden duckt und somit vor den Augen des Jägers verbirgt.

Am Drücker sein
Hat der Jäger den Finger am Abzug seiner Waffe, dann ist er am Drücker. Der Jäger war somit unmittelbar davor, einen Schuss abzufeuern. Ist jemand am Drücker, versteht man heute darunter, dass eine Person etwas vorbereitet hat und über volle Entscheidungsgewalt verfügt.

Die Löffel spitzen
Wenn ein Hase Gefahr wittert, richtet er die Löffel (Ohren) auf, und dreht sie in alle Richtungen, um mögliche Gefahren besser wahrzunehmen. Jäger nennen diesen Vorgang „die Löffel spitzen“. Daraus abgeleitet hat sich die Redewendung, die häufig gebraucht wird, wenn besondere Konzentration und Aufmerksamkeit gefordert ist.

Sich an den Hut stecken
Der mit bunten Bändern, Federn u. ä. geschmückte Hut spielte im Brauchtum des Volkes früher eine große Rolle. Da die Dinge, die an den Hut gesteckt wurden, meist keinen großen Wert besaßen und der geschmückte Hut auch als Trostpreis z. B. bei Schützenfesten diente, wurde er zum redensartlichen Sinnbild des Unernsten, Lustigen und Unwerten.

Jemanden auf den Leim gehen
Bevor der Jäger mit Flinte, Büchse und Co. auf Jagd ging, musste er sich anderer Hilfsmittel bedienen: Bei der Jagd auf Vögel wurden die bevorzugten Rastplätze mit Leim beschmiert. Einmal dort hineingesetzt, kam das Federvieh nicht mehr weg und konnte vom Jäger eingesammelt werden. Mit fortschreitender technischer Entwicklung wurde diese spezielle Jagdpraktik jedoch nicht mehr angewendet. Auch heute steht der Satz dafür, dass eine Person auf eine Täuschung reingefallen ist.

In die Binsen gehen
Bei der Jagd auf Enten kann es passieren, dass sich das Tier in die Binsen flüchtet – Gräser, die im und am Wasser wachsen und nur schwer zugänglich sind. Die Chance, das Tier in diesem dichten Gewächs zu finden, ist zumindest ohne ausgebildeten Hund gering. Aus diesem Grund steht die Phrase heutzutage für einen herben Verlust oder eine misslungene Aktion in einer durchaus aussichtsreichen Situation.

Etwas zur Strecke bringen
Ist das Wild nach einer Treibjagd erlegt, ist es zur Strecke gebracht worden. Der Ausdruck nimmt darauf Bezug, dass das erlegte Wild von den Jägern zusammengetragen und am Sammelpunkt nach einer bestimmen Ordnung aufgereiht wird. Dieser Vorgang wird auch „Strecke legen“ genannt. Heute benutzt man die Redewendung, wenn beispielsweise ein Straftäter überwältigt und festgenommen wurde.

Zielwasser trinken
Der Elfmeter beim Fußball geht neben das Tor, typische Reaktion: „Der hätte mal mehr Zielwasser trinken sollen“. Seinen Ursprung hat die Redewendung in der Jagd: Schnaps sollte im 19. Jahrhundert die Treffsicherheit erhöhen, da der Alkohol den Schützen beruhigt und so das Zielen erleichtert. Heute ist Alkohol vor und während der Jagd tabu.

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