Der Wolf spaltet die Tierfreunde-Szene

Eine Posse aus dem Weserland belegt, wie sehr der Wolf sogar die Tierfreunde-Szene spaltet: Der NABU verlässt unter Protest einen Verein zur Rettung bedrohter Haustierrassen.

Vermeintlich wolfssichere Zäune erfüllen nicht immer ihren Zweck – eine Tatsache, die dem NABU nicht schmeckt (Symbolbild: Ria Sopala)

Vermeintlich wolfssichere Zäune erfüllen nicht immer ihren Zweck – eine Tatsache, die dem NABU nicht schmeckt (Symbolbild: Ria Sopala)

Stein des Anstoßes: „Der Schutz einer Spezies darf nicht zum Verlust von 30 anderen Rassen führen, denn einige dieser Rassen sind in ihrem Bestand extrem gefährdet“, erklärte Wolfgang M. Schüßler, Regionalvorsitzender der „Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen“ im Elbe-Weser-Dreieck, zum Wolf-Weide-Konflikt.

Im gleichen Interview sagte Schüßler auch noch ein paar andere Sachen, die beim NABU offensichtlich gar nicht gut angekommen sind: Dass vermeintlich wolfssichere Zäune nicht sicher sind und deren Errichtung an den Deichen unzumutbar. Oder dass eine „Entnahme“ der Raubtiere ebenso möglich sein müsse wie die Ausweisung wolfsfreier Gebiete.

Ergebnis: Sönke Hofmann, Geschäftsführer des NABU-Landesverbands Bremen, kündigte den Schafsrettern die Vereinsmitgliedschaft des NABU-Schullandheims „Dreptefarm“. Dort, im Ferienort Wulsbüttel, bringt der Naturschutzbund Schulkindern „alte Haustierrassen“ näher. Neben seltenen Schafen gibt’s dort auch „einige Esel, das geheime Markenzeichen der Dreptefarm“, heißt es in der Selbstdarstellung der gut besuchten Bildungsstätte.

Wir verkneifen uns an dieser Stelle ausführliche Schilderung krachend gescheiterter NABU-Weideprojekte. Wichtiger ist hier der Grundkonflikt zwischen Wolf und Weide. Hierzu hatte Deichschafschützer Schüssler per Pressemitteilung festgestellt, dass die Wolfsrisse „erschreckend“ zugenommen hätten und der Wolf selbst in „stark gesicherte Weiden“ eindringe.

Für NABU-Funktionär Hofmann zeigen solche Worte eine „sehr wolfsfeindliche Haltung“. Der „Weserkurier“, der dem Streit unter Tierfreunden einen langen Artikel widmet, verweist dazu auf den niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies (SPD). Auch er sieht die Sache offensichtlich anders als Deutschlands mächtigster Umweltverband: Am Deich und im Sandboden der Heide seien wolfssichere Zäune den Tierhaltern nicht zumutbar, wird Lies im Vorfeld der neuen niedersächsischen Wolfsverordnung zitiert.

Kann sein, dass der Haussegen nicht nur unter Tierschützern schief hängt: Auch der Bruch unter SPD-Parteifreunden wird tiefer. Während Niedersachsens Umweltminister die Debatte um wolfsfreie Zonen befördert und sogar schon eine (erfolglose) „Entnahme“ verfügte, sind Bundesumweltministerin Svenja Schulze und ihre NABU-Berater sicher, dass Abschüsse und Sperrgebiete das Wolf-Weide-Problem nicht lösen.

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