Damhirsch von Wilderern getötet

Olaf Malmström ist entsetzt: Am Sonnabendmorgen erhielt der Jäger einen Anruf, dass ein verendeter Damhirsch auf dem Weg zum Obstcafé von Gut Warleberg liegen würde. Sofort machte sich Malmström auf den Weg und erkannte: „Das Tier wurde offensichtlich gewildert. Das ist fast unglaublich.“

Ein kapitaler Damschaufler

Symbolbild: Karl-Heinz Fritschek

Seit 1986 hat Malmström einen Jagdschein, 1987 wurde er Jagdaufseher auf Gut Warleberg. „So etwas ist mir in der ganzen Zeit nicht untergekommen“, ist der 51-Jährige noch immer sehr betroffen.

Als Malmström vor Ort eintraf, sah er den starken Damhirschen mitten auf dem Weg auf der linken Körperseite liegen. „Bei der ersten Betrachtung waren keine Verletzungen erkennbar. Beim Drehen des Hirsches auf die andere Seite sah ich eine Schussverletzung, der Ausschuss, kurz hinter dem Schulterblatt nahe des Brustbeines, war ebenfalls sichtbar“, erinnert sich Malmström. „Das war der Grund, unverzüglich die Polizei zu informieren.“ Und nicht nur das: Neben der Polizei wurden auch Hegegemeinschaftsleiter Rolf Martens und Hegeringleiter Lars Malmström (Hegering 9) hinzugezogen.

„Im Beisein der Polizeibeamtin habe ich dann den Brustkorb des Hirsches geöffnet und Lunge sowie Herz entnommen. Im Brustkorb waren nun der Einschuss kurz hinter dem Schulterblatt und der Ausschuss gut zu sehen. Die Lunge wies einen Durchschuss auf, das Herz wurde nicht durchschlagen. Der gesamte Wildkörper war komplett mit Blut gefüllt.“ Diese Fakten lassen für Malmström eine Vermutung zu: „Aufgrund der Ein- und Ausschussgröße sowie dem glatten Lungendurchschuss ist von einem Vollmantelgeschoss auszugehen, das Sportschützen oder Behörden verwenden, denn Jagdgeschosse verfügen als Deformations- oder Zerlegungsgeschosse über eine deutlich größere Reiß- und Splitterwirkung im Wildkörper“, so Malmström.

Olaf Malmström ging noch weiter in seinen Untersuchungen. „Ich habe mit meinem Hund eine Rückwärtssuche gemacht, bis zu 800 Meter war das kein großes Problem. Offenbar ist das Tier auf einem offenen Feld beschossen worden, wahrscheinlich wegen seines imposanten Geweihs.“ Fest steht in dem Zusammenhang auch: „Der Schütze hat gut getroffen, er muss sich auskennen.“

Beim Auffinden war das Wildtier schon in die Totenstarre gefallen, die Temperatur in der Brusthöhle betrug 20-25 Grad Celsius, „Wenn wir die Außentemperatur berücksichtigen, kann von einen Erlegungszeitraum am Freitagabend zwischen 22 und 2 Uhr ausgehen.“ Das bedeutet im Klartext: „Ohne sicheren Kugelfang hat ein Unbekannter im Bereich von Neuwittenbek auf einen Damhirschen geschossen.“ Aufgrund der falschen Munition hat das Tier lange leiden müssen, „Es bleibt ein ungutes Gefühl, wenn man überlegt, dass dort nachts Menschen mit Schusswaffen unterwegs sind“, betont Malmström.

Unverzüglich wurden auch alle Nachbarreviere angerufen – der Umkreis konnte durch die Untersuchungen gut eingegrenzt werden – doch dort konnte ein Schuss komplett ausgeschlossen werden.

Olaf Malmström hat Strafanzeige wegen schwerer Wilderei mit Schusswaffengebrauch gestellt, die Polizei Gettorf hofft auf Hinweise, die unter Tel. 04346/2965000 gemeldet werden können. „Es wäre jetzt gut, wenn Bürger und Anwohner die Augen offen halten und sofort melden, wenn sie Ungewöhnliches bemerken.“

Der Landesjagdverband Schleswig-Holstein verurteilt jede Form der Wilderei aufs Schärfste. Wegen Wilderei wird bestraft, wer illegal Wild erlegt. Gewilderte Tiere sterben oftmals einen qualvollen Tod. Wilderei ist kein Kavaliersdelikt. Nach §292 Strafgesetzbuch werden besonders schwere Fälle der Wilderei mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft.

Quelle: Pressemitteilung des Landesjagdverbands Schleswig-Holstein vom 22. Oktober 2019

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