Borkenkäferholz unter Folien konservieren

Erste Tests zeigen vielversprechendes Ergebnis

Der erste Blick unter die Folie. (Quelle: Michael Blaschke)

Der erste Blick unter die Folie. (Quelle: Michael Blaschke)

Hunderttausende Kubikmeter Fichtenholz liegen in den Wäldern und drohen zu verrotten. Die Holzlager der Sägewerke sind voll. Gleichzeitig sorgen die Borkenkäfer beängstigend schnell für Nachschub an Fichtenstämmen, die sofort gefällt werden müssen, um eine Ausbreitung der gefräßigen Schädlinge zu verhindern. Dr. Bertram Leder, Leiter des Zentrums Wald und Holzwirtschaft von Wald und Holz NRW:

„Folienlager können ein Beitrag zur Lösung des Problems sein. Erste Tests im Arnsberger Wald sind vielversprechend.“

Fichtenholz ist viele Jahrzehnte haltbar, wenn es zu Dachstühlen oder Regalen verbaut ist. Frisch eingeschlagene Fichten sind aber leicht verderbliche Ware. Sie verliert schnell an Wert, wenn sie nicht rechtzeitig im Sägewerk weiterverarbeitet wird.

Dr. Bertram Leder:

„Unter luftdichten Folien soll das Holz jahrelang frisch bleiben. Innerhalb weniger Tage ist sämtlicher Sauerstoff unter den Folien verbraucht. Die Borkenkäfer sterben, alle Verrottungsprozesse werden gestoppt und die für die Weiterverarbeitung wichtige Holzfeuchtigkeit bleibt erhalten.“

Folienlager wird ausgepackt. (Quelle: Micheal Blaschke)

Folienlager wird ausgepackt. (Quelle: Micheal Blaschke)

Erste Erfahrungen mit Folienlagern, in denen frisches, gesundes Holz eingelagert wird, gibt es schon. Ob die Methode auch mit Borkenkäferholz funktioniert, will Dr. Bertram Leder mit seinem Team jetzt herausfinden. Im Mai 2019 haben die Expertinnen und Experten von Wald und Holz NRW im Arnsberger Wald zehn Folien-Testlager mit je rund 300 Kubikmeter Fichtenholz angelegt. Jetzt hat Dr. Leder das erste Lager geöffnet und einige Stämme mit einem mobilen Sägewerk aufgeschnitten, um die Holzgüte festzustellen.

Folienlager wird ausgepackt. (Quelle: Micheal Blaschke)

Folienlager wird ausgepackt. (Quelle: Micheal Blaschke)

„Top-Qualität. Wie gerade frisch gefällt“, sagte Dr. Bertram Leder bei der ersten Begutachtung. Bei der Öffnung des ersten Folienlagers war auch Christoph Paul, Einkaufsleiter des Briloner Sägewerks der Firma Egger, dabei. Sein Urteil klingt ähnlich positiv: „Keine Verfärbung, passende Feuchtigkeit. Ein erfreuliches Ergebnis. Ich bin positiv überrascht. Für mich ist das eindeutig B-Qualität“. B heißt in der Sprache der Forstleute sehr gute Qualität. Genau diese Qualität hätten die Stämme auch, wären sie gerade frisch gefällt.

Unter der Rinde sind alle Käfer tot (Quelle: Michale Blaschke - Wald und Holz NRW)

Unter der Rinde sind alle Käfer tot (Quelle: Michale Blaschke - Wald und Holz NRW)

Holzkonservierung für mehrere Jahre ist für den Sägewerker ein zentrales Thema. Christoph Paul: „Wir haben nur wenige Möglichkeiten auf das plötzliche Überangebot an Käferholz zu reagieren. Wir können vom Zwei-Schichtbetrieb auf Drei- Schichtbetrieb hochfahren. Mehr Variation geht nicht. So ein Sägewerk ist ein Dampfer, der immer mit der gleichen Geschwindigkeit fährt.“

Besonders gespannt sind Sägewerker und Wissenschaftler auf die Ergebnisse der nächsten neun Folienlager. Diese Lager werden jetzt im Abstand von jeweils sechs Monaten geöffnet. Dr. Leder ist zuversichtlich, dass sich die gute Qualität das Borkenkäferholzes auch bei längerer Lagerung halten lässt. Bei Kosten von ca. 15 Euro pro Festmeter lohnt sich die aufwendige Folienkonservierung nur bei sehr guten Holzqualitäten.

Experten begutachten Qualität auf der Säge. (Quelle: Michale Blaschke - Wald und Holz NRW)

Experten begutachten Qualität auf der Säge. (Quelle: Michale Blaschke - Wald und Holz NRW)

„Für die großen Mengen Industrieholz, die zurzeit anfallen, rechnet sich der Aufwand nicht,“ sagt Dr. Bertam Leder.

Andreas Wiebe, Leiter von Wald und Holz NRW, ergänzt: „Dieser Test ist bisher sehr positiv verlaufen. Darüber freuen wir uns. Die Ergebnisse unserer Versuche sind auch für viele Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer interessant. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mit Folienlagern tausende oder zehntausende Festmeter sehr gutes Fichtenholz für die weitere Nutzung zu retten.“ Allerdings betont Andreas Wiebe, dass Folienlager nur ein kleiner Baustein von vielen Maßnahmen sind, mit denen die Försterinnen und Förster in NRW zurzeit versuchen, die Folgen des fortschreitenden Klimawandels zu bewältigen.

Probescheiben für die Begutachtung. (Quelle: Michael Blaschke - Wald und Holz NRW)

Probescheiben für die Begutachtung. (Quelle: Michael Blaschke - Wald und Holz NRW)

Andreas Wiebe: „In unseren Wäldern sprechen wir gerade über den Verlust von Millionen und nicht von tausenden Bäumen. Allein im laufenden Jahr erwarten wir 20 Millionen Festmeter Holz, welches als Folge der Dürrejahre und der explosionsartigen Borkenkäfervermehrung ungeplant anfällt. Wir laufen der Klimakrise hinterher und müssen uns jetzt darum kümmern, mit Hilfe des Waldbaukonzepts NRW einen zukunftsfähigen klimastabilen Wald der Zukunft aufzubauen.“ Folienlager sind aus wirtschaftlicher Sicht eine interessante, aber nicht risikolose Wette auf die Zukunft. Bleibt die Folie dicht und die Holzqualität hoch, kann sich die Investition lohnen, denn nach der Borkenkäferkrise rechenen Experten wieder mit steigenden Holzpreisen. Wird das Lager undicht, verlieren Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer das Holz und die Investition in das Lager.

 

Quelle: Pressemitteilung vin Wald und Holz NRW vom 28. Mai 2020, Münster

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