Besucher-Boom im Wald

Faktor 2,4 - Corona lässt Menschen in den Wald strömen. Försterinnen und Förster fordern Umsicht.

In der Corona-Zeit dominieren Waldbesuche an den Nachmittagen, mit sehr hohen Besucherzahlen (Beispielbild: Mircea Iancu)

In der Corona-Zeit dominieren Waldbesuche an den Nachmittagen, mit sehr hohen Besucherzahlen (Beispielbild: Mircea Iancu)

„Unter Covid-19 haben die Besucherzahlen einen beispiellosen Boom erlebt. Der Kottenforst war vorher schon ein beliebtes Waldgebiet, über das Jahr haben wir durchschnittlich 290 Passanten am Tag gezählt. Aber die Zahl hat sich im März und April um den Faktor 2,4 gesteigert,“ zeigt sich Forscher Jakob Derks vom European Forest Institute (EFI) beeindruckt.

Waren vorher morgens und abends in der Auswertung der Zählstelle klare Spitzen zu erkennen, die die Forschenden auch auf Rad-Pendlerinnen und -Pendler zurückführen, so dominieren in der Corona-Zeit nun Waldbesuche an den Nachmittagen, mit sehr hohen Besucherzahlen. Im Vergleich der Wochentage zeigt sich, dass Freitag und Samstag stark an Beliebtheit gewonnen haben und über den Tag neuerdings die höchsten Besucherzahlen verzeichnen.

Untersucht hat das European Forest Institute die Besucherzahlen im Rahmen des europäischen LIFE+ Naturschutzprojektes "Villewälder – Wald und Wasserwelten", ein Kooperationsprojekt des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft mit der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft. Ziel der Untersuchung, zu der auch Befragungen gehören, war es, Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Menschen beim ihrem Waldbesuch zu gewinnen. Um die Besucherzahlen im Jahresverlauf und je nach Tageszeit und Wochentag zu erfassen, richteten Projektmitarbeiter im März letzten Jahres eine automatische Zählstelle an einem zentralen Punkt im Wegenetz des Kottenforstes ein. Eigentlich hätte die Untersuchung Ende Februar abgeschlossen sein sollen. Dann aber kam Corona, und die bereits gewonnen Daten konnten nun mit neuen Daten nach Beginn der Kontaktsperren verglichen werden.

Georg Winkel, Chef der Bonner Dependance des European Forest Institute (EFI) zu den Zahlen: „Diese Daten unterstreichen die Bedeutung von stadtnahen Wäldern für das Wohlbefinden der Menschen – nicht erst seit Corona ist das bekannt, aber mit Blick auf die hohen Besucherzahlen verdient dieser Aspekt auch politisch mehr Aufmerksamkeit.“

Uwe Schölmerich, Leiter des Forstamtes Rhein-Sieg-Erft und mit über 100 Beschäftigten für die Wälder in der Region im Dienst, freut sich über die Ergebnisse und das Interesse am Waldbesuch, beobachtet aber auch die Kehrseite: Konflikte der Menschen untereinander, die gemütlich zu Fuß, zügig mit Rad oder sportlich mit Ross sehr unterschiedliche Bedürfnisse mitbringen. Er ruft daher auf: „Zeigen Sie Umsicht. Respektieren Sie Arbeiten für die Wälder, nehmen Sie Ihren Müll mit heim und nehmen Sie Rücksicht auf Andere. Seien Sie ein Glücksfall für den Wald.“

Andreas Wiebe Leiter von Wald und Holz NRW ergänzt: „Die wissenschaftliche Auswertung der Besucherzahlen im Kottenforst bestätigen die Zählungen in unserem Nationalparkforstamt Eifel und die subjektiven Beobachtungen in allen Regionalforstämtern. Ein weiterer Beleg für die herausragende Bedeutung der Wälder und die Arbeit unserer Forstleute für die Menschen in NRW.“

 

Quelle: Pressemitteilung von Wald und Holz NRW

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