100.000 Bewegungen in 15 Jahren

Wildtier-Vorfahrt auf den Grünbrücken über Brandenburgs Autobahnen

Grünbrücke über die BAB 12 bei Kersdorf (Foto: MLUK/LFE)

Grünbrücke über die BAB 12 bei Kersdorf (Foto: MLUK/LFE)

Seit 15 Jahren gilt auf Brandenburgs Grünbrücken Vorfahrt für Wildtiere. Im Land gibt es aktuell zehn dieser 50 Meter breiten Bauwerke über Autobahnen und Bundesstraßen, die zerschnittene Waldlebensräume für Wildtiere wieder miteinander verbinden. Wie die Grünbrücken von den Wildtieren genutzt werden, zeigt der aktuelle Grünbrückenbericht des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE).

Schwarzwild morgens auf der Grünbrücke an der BAB 9 (Foto: MLUK/LFE)

Schwarzwild morgens auf der Grünbrücke an der BAB 9 (Foto: MLUK/LFE)

Mit der Fertigstellung der ersten errichteten Grünbrücke an der Bundesautobahn (BAB) 11 im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin übernahm das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE) erstmals im Jahr 2005 die jeweils auf zehn Jahre angelegten Erfolgskontrollen zum Nachweis der Funktionalität als Wildtierpassage.

Aktuell laufen die kameragestützten Langzeituntersuchungen auf den neueren Grünbrücken über die BAB 9, 13 und 12 sowie an der BAB 11-Grünbrücke Melzower Forst und an der Grünbrücke über die BAB 9 bei Beelitz.

Bisher sind über 100.000 Wildtierquerungen auf fünf Grünbrücken dokumentiert und ausgewertet worden. So wurden Elch-, Rot-, Dam-, Muffel-, Reh- und Schwarzwild, Feldhase, Wolf, Rotfuchs, Dachs, Marderhund, Waschbär und Marder gesichtet. Auch Vögel, wie Kranich, Graugans, Storch, Krähe, Bussard und Singvögel, welche die Grünbrücken als Nahrungsort und Einflugschneise nutzen, haben die Kameras erfasst.

Die meisten Querungen erfolgen bei Dunkelheit und die Mehrzahl der Wildtiere zieht ruhig über das Bauwerk, viele nehmen dabei auch Nahrung auf. Rund um die Grünbrücken wird deshalb nicht gejagt, um den Wildtieren die Vorfahrt zu ermöglichen. Deshalb ist das Betreten auch nicht erlaubt – doch leider sind gelegentliche menschliche Störungen durch Wanderer, Motorradfahrer oder Reiter festzustellen.

Im Straßenbau werden Grünbrücken eingesetzt, um übermäßige Lebensraumzerschneidungen zu vermeiden. Das Verkehrsnetz wird zunehmend länger, dichter und stärker – das beansprucht nicht nur Flächen für den Neu- und Ausbau von Straßen, sondern wirkt als Barriere und Isolation für die die Tierwelt und damit biologische Vielfalt. Grünbrücken können die Folgen der Landschaftszerschneidungen mindern; sie halten die Landschaft durchlässiger und sichern Wildtieren mit großen Lebensraumansprüchen Wander- sowie Ausbreitungsräume. Außerdem helfen Grünbrücken, Wildunfälle zu vermeiden.

  

Quelle: Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg (Hrsg.): Erfolgskontrolle an den Grünbrücken über die BAB 9, 13 und 12 zum Nachweis der Funktionalität als Wildtierpassage (Monitoring größerer Säugetiere), Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde (LFE), Fachbereich 43, Forschungsstelle für Wildökologie und Jagdwirtschaft, Eberswalde, im Juli 2020; Pressemitteilung des MLUK vom 24. Juli 2020.

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