Wo der Herzog schoss – Jagdanlage Rieseneck

Jagdanlage Rieseneck in Thüringen

Wir befinden uns im Zeitalter von Burgfräulein und Rittersmännern. Zu jener Zeit war es nur den Adeligen vorbehalten, das Wild zu schießen. Das Schwarzpulver war noch nicht erfunden. Um mit der Armbrust zu jagen, musste man nah an das Wild heran. Am edlen Hofe wurde deshalb schon früh darüber nachgedacht, wie sich Reh, Hirsch und Wildschwein effektiv bejagen lassen.

Eine Jagdanlage! Diese Idee hatte der Herzog von Sachsen-Altenburg im Jahr 1620. Im thüringischen Saale-Holzland-Kreis ließ er die Jagdanlage Rieseneck bauen. Damals noch aus Holz. Rund 100 Jahre später überarbeiteten die feinen Herren vom Hofe die Anlage. Aus Holz wurde Stein. Und diese Steine stehen heute noch. Öffentlich zugänglich für jedermann. Eine mittelalterliche Touristenattraktion!

Jagdanlage Rieseneck in Thüringen

Der Eingang zur Jagdanlage, mitten im Wald des Saale-Holzland-Kreises

Die Anlage

Gut versteckt und mitten im Wald. Wer die Anlage betritt, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Vor dem geistigen Auge spannen die Kutscher unter der Remise die Warmblüter ein. Im Grünen Haus bereiten sich zeitgleich die Blaublüter auf die Jagd vor. Zur damaligen Zeit ein Event, nicht zuletzt um den Damen zu imponieren. Neben dem Grünen Haus: Das kleine Kellerhaus. Ein kleiner Schuppen, in dem das erlegte Wild gekühlt wurde. Von hier aus sind es rund 500 Meter bis zur Jagdanlage.

Jagdanlage Rieseneck in Thüringen

Einer der Pirschgänge in der Jagdanlage Rieseneck

Pirschgänge und Löcherlegenden

Volker Schmidt vom Freundeskreis Rieseneck führt uns durch die Jagdanlage. Der Verein kümmert sich um das Stück mittelalterliche Geschichte. Hohe Mauern, lange, unterirdische Pirschgänge mit Löchern in den Decken. Um diese Löcher kursieren die wildesten Gerüchte. „Nein! Da wurde nicht durchgeschossen“, lacht Volker Schmidt. Höchstens mit Salzlecksteinen hätten Jäger das Wild dort angelockt.

Eine weitere oft gehörte Legende: Die Hirsche wurden durch die Löcher am Geweih festgehalten, damit man sie besser abschießen konnte. „Na klar! In die Uniklinik Jena mussten tagtäglich Jäger mit gebrochenen Armen eingeliefert werden“, sagt Volker Schmidt mit einem nicht zu überhörenden Hauch an Ironie.

Russischer Sommer und Grüne Schulklasse

Heute wie damals verändern politische Verhältnisse auch die Bedingungen für die Jagd. 1831 setzte der damalige Herzog dem „Hohen Jagdvergnügen“ ein Ende. Er veranlasste den Bau eines Tiergartens. Statt gejagt zu werden fanden hier fast 200 Hirsche ein neues Zuhause.

Ihre märchenhafte Kulisse brachte die Jagdanlage Rieseneck sogar auf die Kinoleinwand. 2009 wurde hier der Kinofilm „Ein russischer Sommer“ gedreht. Ein britisch-russisch-deutscher Kinofilm, dessen Bekanntheit sich zugegeben in Maßen hält. In Zukunft sollen an der Jagdanlage Kinder die Hauptrolle spielen. Das zuständige Forstamt will eine Grüne Schulklasse einführen. Schulkinder sollen die Natur hautnah kennenlernen. Genau hier, wo sich vor 400 Jahren die Herzöge die Armbrust umgeschnallt haben.

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