Von der Geschichte unserer jagerischen Wörter

Folgen Sie Burkhard Stöcker auf einen kleinen etymologischen Pirschgang durch unsere Jägersprache – Teil I

Jagdliches Stillleben (Symbolbild: iStock/stsvirkun)

Jagdliches Stillleben (Symbolbild: iStock/stsvirkun)

Ein Beitrag von Burkhard Stöcker, Stiftung Wald mit Wild in Mecklenburg-Vorpommern

Die deutsche Waidmannssprache ist eine der umfangreichsten Fachsprachen der Welt und jeder von uns beherrscht doch zumindest einen gewissen „Grundwortschatz“. Wenn wir auch souverän mit unserer Fachsprache umgehen, so fragen wir uns doch oft, wo dieses oder jenes Wort herkommt und was seine ursprüngliche Bedeutung war. Hier hilft uns die Etymologie weiter, die Wissenschaft von der Wortgeschichte – aus dem griechischen „tó étymon“= „der wahre Sinn eines Wortes“.

Folgen Sie mir nun auf einen kleinen etymologischen Pirschgang durch unsere Jägersprache. Wir werden dabei wahrlich nicht jeden Winkel unseres weitläufigen „Wortrevieres“ durchstreifen können – wir wollen uns nur mit einigen ausgewählten besonders "fängischen Revierteilen“ aus der Wortgeschichte unserer jagenden Begriffe vertraut machen. Denn von ihrer Geschichte zu wissen, heißt für uns bewusster und lebendiger zu Jagen.

Jagen

Der Ursprung unseres Wortes „jagen“ an sich ist unklar. Man vermutet eine sprachliche Nähe zum Litauischen „joti“ was so viel wie „reiten, austreiben“ bedeutet. Als Ausgangspunkt käme auch der griechische Begriff „dioko“ in Frage, was so viel bedeutet wie „treibe“, oder auch „jage“. Andere Quellen deuten auf Ursprünge aus dem altindischen „yahvi“: jung, Tochter, Letzte, Eilende, Fließende.

Revier

Mittelhochdeutsch „riviere“ entlehnt aus dem mittelniederländischen „riviere“, „reviere“ was so viel hieß wie „Ufergegend entlang eines Wasserlaufes“. Ursprünglich wohl aus dem lateinischen: „riparius“: am Ufer befindlich oder auch ripa: Ufer. Zunächst wohl auch nur für diese Örtlichkeiten als Terminus gebräuchlich dann jedoch in unserem heutigen Sinne als Bereich, Territorium, Landschaft verwandt.

Feld

Kommt vermutlich aus der indogermanischen Wortwurzel „pela“/“pla“: ausbreiten oder „pel“: stoßen, schlagen. Letztendlich wohl im Sinne von breitschlagen als Hinweis auf das Feld als Folge des gerodeten ursprünglichen Waldes.

Beute

Wohl aus dem mittelniederdeutschen stammend „buite“: Tausch, Verteilung, Beute, dass wohl eine Ableitung von „buten“: Tauschen, verteilen, Beute machen ist. Als weitere Ursprünge kommen noch in Frage altirisch „buaid“: Sieg, Vorteil oder auch walisisch „budd“ Gewinn, Beute, Reichtum.

Pirschen

Auch Birschen – im mittelhochdeutschen „birsen“, “pirsen“. Vermutlich jedoch ursprünglich aus dem altfranzösischen „berser“ = mit dem Pfeil jagen. 

Bruch

Sicherlich sehr einfach das Substantiv von „brechen“, für die vom Baume für diesen Zweck gebrochenen Zweige.

Waffen

Gewehr

Aus dem althochdeutschen für „giwer“ = Kampf und „giwerri“ = Aufstand. Mittelhochdeutsch: „gewer“ = blanke Waffe, Befestigungswehr. Früher wohl überwiegend als Terminus für Verteidigungswaffe (wehren!) gebräuchlich, dann eingeschränkt für Waffe und schließlich im engeren Sprachgebrauch als „Handfeuerwaffe mit langem Lauf“.

Büchse

Ursprünglich Gefäss aus Buchsholz (womit wahrscheinlich Buche gemeint war). In unserem Sinne dann schlussendlich: „Gefäss aus Buche, dass Patronen aufnehmen kann“.

Flinte

Das im dreißigjährigen Krieg aufgekommene „Gewehr mit Feuer“ (Steinschlossflinte!) - „Flint“ ist der schwedische Name für Feuerstein!

Patrone

Entlehnt aus dem Französischen „patron“ = Form, Muster, Modell. Ursprünglich war dies die Bezeichnung für die Form der Treibladung von Feuerwaffen, die in den Anfängen aus Papier, Leinwand oder verwandten Materialien hergestellt wurde. Später erst kam dann die Bezeichnung für das Gefäss auf, daß Geschoß, Treibladung und Zündhütchen gemeinsam aufnahm.

Ballistik

Die „Lehre von der Bewegung geschleuderter oder geschossener Körper“ kommt aus dem lateinischen: „Ballista“ ist die Schleudermaschine oder auch das von dieser geschleuderte Geschoss.

Logo der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern

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Ein Beitrag von Burkhard Stöcker, von unserem Premiumpartner, der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern.

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