Unsere Wälder (III): Der Harz

Der Harz

Der Harz, Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge, steht für eine landschaftlich schroffe und doch schöne Bergwildnis. Das verrät auch sein Name. Bis ins Mittelalter hinein wurde das norddeutsche Mittelgebirge „Hart“ genannt, was Bergwald bedeutet. Sowohl der Wald als auch die wilde Felsenlandschaft machen das Gebiet an der Schnittstelle von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu einem wunderschönen Anblick.

Entstanden ist die charakteristische Landschaft des Harzes vor allem durch Magma, das vor rund 300 Millionen Jahren aus dem Erdinnern nach oben drang. Damals hoben die Bewegungen der Erdkruste das Gebirge empor und somit entstanden die verschiedenen Höhenlagen des Harzes. Heutzutage wachsen in den unterschiedlichen Höhen verschiedene Waldarten. Die unteren Lagen des Harzes sind mit einem Buchenwald bewachsen, der sich jedoch ab circa 700 Metern zu einem Buchen-Fichten-Mischwald wandelt. In einer Höhe von 800 bis 1000 Metern dominiert nur noch die anpassungsfähige Bergfichte.

In den waldreichen Gebieten leben vor allem Rotwild, Schwarzwild, Rehwild und punktuell Muffelwild. Aber auch seltene Tierarten wie Luchse, Wildkatzen, Schwarzstörche und Sperlingskauze. Insgesamt gibt es auf dem Gebiet des Nationalparks 13 Jagdreviere. Dabei hat sich insbesondere der Rotwildbestand in den letzten Jahren deutlich erhöht. Der Frühjahrsbestand zum 1. April dieses Jahres liegt beispielsweise im niedersächsischen Harz bei rund 6500 Stück. Im Vergleich dazu lag der Rotwildbestand Ende der 1990er Jahre bei lediglich 3.500 Stück oder 3,5 Stück pro 100 Hektar. Dies belegen Zahlen des Rotwild Rings Harz. Für das Jahr 2016 wird mit einem Zuwachs von 2.200 Kälbern gerechnet. Der Abschussplan für den Rotwild Ring Harz wurde auf 3.100 Stück erhöht, nachdem die Gesamtstrecke im Jagdjahr 2015/2016 bei 3024 Stück lag. Damit wurde fast der Rekordwert aus dem Jahr 1968 mit über 3.200 Stück erreicht. Die Rotwilddichte im Ost- und Südharz bewegt sich auf ähnlich hohem Niveau pro 100 Hektar in den Rotwildkerngebieten. Damit bietet der Harz einige der schönsten und für Jäger attraktivsten Rotwildreviere in ganz Deutschland.

Durch die Auswilderung des Luchses wurden allerdings einige Wildtierbestände deutlich reduziert – insbesondere die Reh- und Muffelbestände. Durch die Veränderung der Landschaftsbilder und durch waldbaulichen Maßnahmen haben sich andererseits die Einstandsmöglichkeiten und Lebensbedingungen für das Rotwild verbessert. Die Alterspyramide bei den Rothirschen zeigt jedoch ein erschreckendes Bild, da nur noch ein Prozent alte Hirsche über dem 11. Kopf und älter erlegt wurden.

Der Harz ist aber nicht nur für Jäger interessant, sondern ermöglicht auch eine enorme Vielzahl an Freizeitaktivitäten. Ob Wanderungen durch die malerische Natur, Radfahren oder Mountainbiken – der Harz hat viel zu bieten. Auch Wintersportler finden zahlreiche Möglichkeiten, ihre Leidenschaft in den verschiedenen Alpinskigebieten auszuüben. Mit Rodelbahnen und Langlaufloipen ist für viel Abwechslung gesorgt. 

Gipfelstein

Foto: Sönke Kraft / wikipedia.org

Am bekanntesten ist der Harz wohl für seinen höchsten Berg: den Brocken (1142 Meter). Der Gipfel ist von Natur aus waldfrei, da kein Baum dem rauen Wetter und den Stürmen standhalten kann. Der Brocken versteckt sich jedoch bis zu 300 Tage im Jahr hinter einer Nebelschicht – zum Leidwesen vieler Besucher. Während der deutschen Teilung verlief die Grenze quer durch den Harz. Zu dieser Zeit war der Brockengipfel mit Mauern, Stacheldraht und Selbstschussanlagen abgesperrt und nur für Führungspersönlichkeiten des damaligen DDR-Regimes erreichbar. Doch nun gehört der ehemalige Todesstreifen zu dem europaweiten „Grünen Band“ und liegt im Herzen Deutschlands. Durch den Wegfall der innerdeutschen Grenze und des Rotwildumfanggatters im Westharz kann auch das Harzer Rotwild weiträumig in dieser traumhaft schönen Mittelgebirgslandschaft seine Fährte ziehen. Dafür bietet der Nationalpark Harz ganz besondere Lebensbedingungen.

Doch die Bergwildnis des Harzes hat auch ihre Tücken, nämlich das herrschende raue Klima. Teilweise lässt sich das Wetter mit dem in Island und Skandinavien vergleichen. Auf dem Brocken werden immer wieder die höchsten Windgeschwindigkeiten Deutschlands gemessen. Das Wetter und die schroffen Bergklippen veranlassten die Bewohner des Harzes zu vielen Sagen und Mythen. Die Berge behausten früher angeblich Dämonen und Geister, wie zum Beispiel Hexen und das Brockengespenst. Noch heute spiegeln sich diese mysteriösen Gestalten in den Ortsnamen wider. Teufelsmauer, Hexentanzplatz und Einhornhöhle sind nur einige der zahlreichen Beispiele.

Fast 3000 Jahre lang wurde der Harz auch als Bergbaustätte für Silber, Eisenerz und Kupferschiefer genutzt, doch 2008 wurde die letzte Grube stillgelegt. Heute können Besucher in Schaubergwerken das Leben unter Tage nacherleben. Der Harz ist eine wahrhafte Touristenregion, die viel zu bieten hat. Waldreiche Gegenden, hübsche Fachwerkstädtchen, interessante Wanderwege (um zwei zu nennen: Harzer Hexenstieg und Naturmythenpfad), klare Gebirgsbäche, verwunschene Moore und die Harzer Schmalspurbahn mit ihren Dampfloks machen einen Besuch lohnenswert.

Weitere Informationen rund um Urlaub und Freizeitaktivitäten in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge finden Sie hier. Informationen zum Nationalpark Harz gibt es hier. Und folgende Links dürften insbesondere für die Jagdbegeisterten unter Ihnen interessant sein: hier und hier.

Zu den ersten beiden Teilen unserer Serie, gelangen Sie hier:
Unsere Wälder (II): Der Schwarzwald
Unsere Wälder (I): Der Bayerische Wald

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