Unsere Wälder (I): Der BayErische Wald

Bayrischer Wald

Foto: Willow/ wikipedia.org

„Natur Natur sein lassen“ lautet die Devise in Deutschlands ältestem Nationalpark seit der Gründung im Jahr 1970. Wald und Wild sollten im Bayerischen Wald weitgehend sich selbst überlassen bleiben – ganz ohne Jagd und forstwirtschaftliche Eingriffe. Bald ein halbes Jahrhundert später scheint klar: Ohne menschlichen Eingriff kann das Nebeneinander von unberührter Natur und Kulturlandschaft wohl nicht gelingen. Auch nicht ohne die Jagd. 

Im Nationalpark gibt es vier Wintergatter für das Rotwild. Dort wird auch der Abschuss praktiziert, durch Berufsjäger. Es gibt Saufänge, neuerdings auch fünf mobile Fallen, um das Schwarzwild zu regulieren. Aber die Gegner der Jagd tun sich schwer damit, solche Realität zu akzeptieren. Denn als Beleg für die These, dass sich Wald und Wild ganz von selber regulieren, taugt der Nationalpark bei allem guten Willen nicht. Auch nicht im größten zusammenhängenden Waldgebiets Mitteleuropas mit 24.250 Hektar Schutzgebiet allein auf bayerischer Seite.

 Der Nationalpark war und ist ein Streitobjekt, von Anfang an. Auch weil es die Gründerväter sehr ernst meinten mit „Natur pur“. Die Waldbauern rundum meutern bis heute gegen die „Borkenkäfer-Zucht“ im Schutzgebiet, wo durch Schnee und Sturm gestürzte Bäume einfach liegenbleiben. Und auch die Schäden durch Verbiss und wühlende Sauen in den benachbarten Gebieten sind ein Dauerthema. Deshalb auch die Wintergatter, um zu verhindern, dass das Rotwild in den Wintermonaten in die tiefer gelegenen Wirtschaftswälder zieht.

Bayrischer Wald

Nicht nur, weil die wenigen Luchse, die es nun wieder in der Region gibt, immer wieder gewildert werden, scheint die Selbstregulierung der Schalenwildbestände Illusion zu bleiben. Selbst wenn der Wolf wieder heimisch werden sollte, wird er wohl keine ausreichende Antwort sein auf die auch im Schutzgebiet rasante Vermehrung des Schwarzwilds, die dort alle Theorien Lügen straft, dass die Sauenpopulation hauptsächlich durch den Jagddruck explodiere.

Von Sauen zerwühlte Skihänge in den benachbarten Fremdenverkehrsgemeinden und von Verbiss heimgesuchte Privatwälder sind Gift für die Akzeptanz der Nationalparkidee bei der örtlichen Bevölkerung, die das Schutzgebiets mittlerweile durchaus als touristische Attraktion zu schätzen weiß. Zudem hat sich auch bei den Verfechtern der reinen Nationalparklehre die Einsicht durchgesetzt, dass es nicht nur die unberührte Natur zu schützen gilt, sondern auch die Spuren menschlicher Naturnutzung. „Das Hauptproblem ist, dass immer mehr Flächen brach fallen“, sagte der Wildbiologe Karel Kleijn letzthin auf einer Pressefahrt des Bund Naturschutz.

Wie die Rhön ohne die uralten Schafweidelandschaften ihr Gesicht verlöre oder das Allgäuer Bergland ohne seine Hochweideflächen, wäre auch der Bayerische Wald ärmer ohne die Zeugnisse menschlicher Besiedlung seit jenen Urzeiten, zu denen die Jagd noch ganz selbstverständlich zum Leben mit der Natur gehörte. Auch davon kündet Deutschlands ältester Nationalpark mit dem Jagdmuseum auf Schloss Wolfstein in Freyung.


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