Unsere Wälder (IX): Der Reinhardswald – Heimat von Märchen und Sagen

Als Märchen- und Sagenwald ist er weit über Hessen bekannt – im neunten Teil unserer Serie „Unsere Wälder“ widmen wir uns dem schönen Reinhardswald.

Reinhardswald in Hessen

Foto: Wikipedia.org / Lebrac, Reinhardswald im Mai, CC BY-SA 4.0

Im Landkreis Kassel liegt das größte zusammenhängende Waldgebiet Hessens: der Reinhardswald. Auf mehr als 200 Quadratkilometern erstreckt sich das Mittelgebirge des Weserberglandes und ist dabei nur schwach besiedelt. Der Wald ist Heimat zahlreicher Buchen und Eichen, die seit Jahrhunderten prachtvoll in den Himmel ragen. Die Region gilt als Schauplatz vieler Märchen und Sagen, die dem Wald überregionale Bekanntheit bescheren. Bereits seine Entstehungsgeschichte beruht auf einer Sage.

Östlich des Reinhardswaldes fließt die tief ins Tal verlaufende Weser und im Süden stößt der Wald auf die Fulda. Neben den Fließgewässern verfügt die Region über einige Tümpel und Teiche, die zusammen mit den weit ausgedehnten Hutewaldflächen, die sich über manche Teile des Waldes ausbreiten, eine abwechslungsreiche Vegetation und intakten Lebensraum für zahlreiche heimische Tierarten bieten. Bei den Insekten, Vögeln und Säugern hat das Gebiet mehrere seltene und höchst schützenswerte Arten vorzuweisen: Hirschkäfer, Uhus, Wanderfalken, Schwarzstörche, Wildkatzen und sogar Luchse haben hier unter anderem ihren Lebensraum gefunden. 

Seine höchsten Berge sind mit rund 472 Metern der Staufenberg und der Gahrenberg, die jeweils stark bewaldet sind. Zahlreiche Wanderwege erstrecken sich durch den Reinhardswald, jedoch nur wenige Landstraßen. Unter anderem führt die sogenannte Deutsche Märchenstraße durch den Wald.

Eine Reise zu Dornröschen und Hans im Glück

Die Märchenstraße streift Ursprungsorte einiger der bekanntesten Märchen, die die Gebrüder Grimm in ihrer Sammlung verewigt haben. Der wohl bekannteste Ort ist die Sababurg, auf der einst Dornröschen lebte. Weiter führt die Märchenreise durch die kleine Stadt Immenhausen, die Heimat des gutmütigen Hans im Glück war. Nicht zu missachten ist auch die Burg Trendelburg, in deren hohem torlosen Turm die schöne Rapunzel, eingesperrt von einer Zauberin, eine lange Zeit verweilte.

Entstand der Reinhardswald durch einen listigen Grafen?

Über die Entstehung des Waldes gibt es mehrere Sagen, wobei die populärste ist diese: Graf Reinhard und der Bischof von Paderborn spielten ein Würfelspiel. Nachdem der leidenschaftliche Spieler Graf Reinhard bereits sein gesamtes Geld verloren hatte, setzte er seine riesigen Ländereien. Der Bischof von Paderborn gewann und der Graf verlor sein Land. Graf Reinhard bat den neuen Besitzer um die Gnade, noch einmal auf dem Gebiet säen und ernten zu dürfen. Die Bitte wurde ihm gewährt. Der Graf, listig wie er war, säte – statt des vom Bischof vermuteten Getreides – Eicheln. Bis die Eichen Früchte trugen, vergingen viele, viele Jahre und der Bischof kapitulierte schließlich. So erhielt der Wald seinen Namen und seine prachtvollen Eichen.

Informationen zu den touristischen Angeboten im Reinhardswald finden Sie hier. Auskünfte zu Wald und Wild können Sie beim Landesbetrieb HessenForst einholen.

Zu den ersten acht Teilen unserer Waldserie gelangen Sie hier:
Unsere Wälder (I): Der Bayerische Wald
Unsere Wälder (II): Der Schwarzwald

Unsere Wälder (III): Der Harz

Unsere Wälder (IV): Der Grunewald
Unsere Wälder (V): Der Pfälzerwald
Unsere Wälder (VI): Der Odenwald
Unsere Wälder (VII): Der Teutoburger Wald
Unsere Wälder (VIII): Der Thüringer Wald

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