Unsere Biene (II): urban beekeeping – Honig aus eigener Produktion

Die meisten Menschen assoziieren sie mit einer bekannten Kinderbuchfigur, schenken ihr abgesehen davon jedoch kaum Beachtung. Meistens schwirrt sie umher, ohne groß zu stören. Und kommt sie doch einmal zu nahe, wird sie mit resoluter Handbewegung verscheucht. Doch was noch immer wenige wissen: Die Biene gehört zu den interessantesten, vielseitigsten und wichtigsten Lebewesen unserer Erde. Im zweiten Teil der Serie „Unsere Biene“ beschäftigt sich Outfox-World mit dem Trend des „urban beekeeping“ – und hat einen Hobby-Imker bei der Arbeit begleitet.

Bienenstock

Ralf Waanders an einem seiner Bienenstöcke.

Auf den ersten Blick wirkt alles ganz normal. Als Ralf Waanders das kleine Törchen zu seinem Kleingarten öffnet und freundlich herein bittet, hat man es ganz offensichtlich mit einem herkömmlichen Schrebergarten zu tun. Im positiven Sinne; anstatt steriler Ordnung nennt der Biologielehrer einen echten Naturgarten sein Eigen. Mehrere Bäume säumen das kleine Grundstück, der Duft vieler unterschiedlicher Blumen sorgt für einen angenehmen sommerlichen Geruch.

Nach ein paar Metern vernimmt man jedoch ungewöhnliche Geräusche in diesem naturellen Kleinod in Münsters (Westfalen) Süden. Das Summen wird immer lauter, bis man rechts neben dem Gartenhäuschen schließlich die Verursacher des Lärms entdeckt: Es sind tausende Bienen, die wild durcheinander schwirren und zwischendurch immer wieder einen der drei großen Kästen anfliegen, die nahe des Gartenzauns stehen. Waanders betreibt hier seine eigene kleine Imkerei und ist damit Teil eines seit Jahren immer populärer werdenden Trends: des urban beekeepings. Immer mehr Deutsche halten sich mittlerweile ihre eigenen Bienenvölker; vorzugsweise im Garten oder auf dem Balkon.

„Ich war zunächst skeptisch“

Walf Waanders und sein Bienenstock

Vorsichtig entfernt Ralf Waanders eine Bienenwabe aus seinem Bienenstock, um sie zu begutachten. 

Zu dem für viele noch immer recht ungewöhnlich anmutenden Hobby ist Waanders eher zufällig gekommen. Obgleich die Affinität zum Honig schon immer vorhanden gewesen sei. „Meine Familie und ich sind richtige Honig-Fans“, gesteht der Biologielehrer. Vor ein paar Jahren habe ihm ein Bekannter schließlich vorgeschlagen, sich mit ihm zusammen ein Bienen-Volk zu halten. „Ich war erst skeptisch, habe dann aber doch eingewilligt“, erzählt Waanders. Mit der Zeit sei die Faszination für das Imkern stetig gewachsen, je weiter er sich in das Thema eingearbeitet habe desto motivierter sei er geworden. Zugute gekommen sei ihm dabei seine biologische Vorbildung: „Mein Beruf hat mir den Einstieg natürlich schon vereinfacht, dadurch habe ich mir das Bienen-Grundwissen relativ schnell aneignen können.“

Waanders bahnt sich seinen Weg durch das Bienen-Wirrwarr und geht auf die großen Holzbehälter zu. Dabei handelt es sich um das Zuhause seiner insgesamt vier Bienenvölker; die sogenannten Bienenstöcke. Das Holzbehältnis, das aus mehreren Etagen besteht, bei denen sich unten der Brutraum mit der Königin und oben die sogenannten Honigzargen befinden, wird in der Fachsprache als "Magazinbeute" bezeichnet. „Im Inneren befinden sich mehrere Holzrähmchen, in denen eine Wachsmittelwand eingelötet ist. Aus diesen Vorlagen bauen die Bienen dann ihre Waben“, erklärt der Hobby-Imker und zieht anschließend ein Exemplar aus dem Kasten. An der Wabe tummeln sich Dutzende Bienen. Dennoch scheut sich Waanders nicht, seinen Finger in eine der sechseckigen Zellen des weichen Wabengebildes zu stecken und seinen selbstgemachten Honig zu kosten. „Richtig lecker“, ist der Hobbyimker zufrieden mit dem Erzeugnis seiner Bienen. Und tatsächlich: Die süße Flüssigkeit schmeckt mindestens genauso gut wie eines der teuren Markenprodukte im Handel.

„Basisdemokratie“ im Bienenvolk

Waanders nimmt nun zur Kontrolle jede einzelne Wabe aus den Kästen und erzählt dabei von der Bedrohung der Bienen. "Der größte Feind der Tiere sind Parasiten wie die Varroamilbe", sagt der Bienenzüchter. Der bedeutsamste aller Bienen-Feinde sorgt neben anderen Gefährdungs-Faktoren seit etwa zehn Jahren dafür, dass es in der Natur zu einem Massensterben der Bienen kommt (wir berichteten in Teil 1). Alleine in Deutschland vernichtete die Varroamilbe in den Jahren 2011 und 2012 rund 30% aller Bienenvölker. „Auch mir sind aufgrund dessen schon Völker weggestorben", erzählt Waanders. 

Gegen die Varroamilbe hilft nicht nur der Einsatz bestimmter chemischer Mittel. Auch sogenannte Drohnenrahmen können eingesetzt werden. Bei dieser Methode werden während der Wachstumsphase des Bienenvolkes ganz unten in die Magazinbeute leere Rahmen eingehängt, die von den Bienen mit größeren Zellen ausgebaut werden, in denen sich nach der Eiablage durch die Königin Drohnenlarven entwickeln. Kurz vor dem Schlüpfen wird schließlich die bereits "verdeckelte" Drohnenbrut mitsamt der darin befindlichen Milben entfernt oder hyperthermisch behandelt. Der Befall durch die Varroamilbe kann durch die Entnahme bzw. die gezielte hyperthermische Behandlung von Drohnenbrut deutlich reduziert, allerdings nicht verhindert werden. 

Ralf Waanders kontrolliert die Waben seines Bienenstocks

Auf einen Schutzanzug verzichtet Waanders. Nur mit dem Smoker vertreibt er "aufdringliche" Bienen.

Generell seien Kleingartenanlagen und Stadtlagen optimal für die Bienen, erzählt Waanders. Anders als auf dem Land, wo aufgrund der Landwirtschaft vielerorts Monokulturen vorherrschen, biete das Leben in der Stadt den kleinen Tierchen mittlerweile oft weitaus bessere Lebensbedingungen. „Meine Stadtbienen können sich vielfältig von allem ernähren, was sie Umkreis von ca. drei bis fünf km finden. Dementsprechend aromatisch schmeckt auch der Honig.“

Während er inmitten seiner umherschwirrenden Bienen steht, verzichtet Waanders auf den für Imker so charakteristischen Schutzanzug. Seine Bienen seien in der Regel „sehr friedlich“, hin und wieder werde aber auch er Opfer eines Stichs. Um allzu aufdringliche Bienen fernzuhalten, hat er jedoch stets eine Geheimwaffe dabei. „Das ist ein Smoker“, erklärt Waanders, während er durch Betätigung des anmontierten Blasebalgs Rauch aufsteigen lässt. Die Bienen um ihn herum krabbeln sofort in den Kasten und bereiten sich auf eine mögliche Flucht vor, indem sie Reiseproviant tanken und Honig trinken. Mit Stechen haben sie dann wenig im Sinn. In Sachen Sozialverhalten seien die Bienen den Menschen unterdessen nicht unähnlich, betont der dreifache Familienvater mit einem Augenzwinkern: „Wenn ein Bienenvolk mit seiner Königin nicht mehr zufrieden ist, zieht es sich eine neue Regentin heran. Das ist Basisdemokratie.“

Hobby-Imkern wird immer beliebter

Kann er sich erklären, warum das urban beekeeping immer populärer wird? Für Waanders ist das steigende Interesse am Hobby-Imkern keine große Überraschung. Für ihn passt er zum wachsenden Trend rund um Öko, Vegetarismus und Veganismus. „Immer mehr Menschen wollen ihre Lebensmittel wieder lieber selber anbauen“, sagt er. Das Vertrauen in industriell gefertigte Produkte sei nicht mehr so hoch wie früher, unter anderem bedingt durch regelmäßig auftretende Lebensmittelskandale.

Für Waanders ist das Hegen und Pflegen seiner Honigbienen indes nicht nur ein reines Hobby – mittlerweile verkauft er das in seinem Kleingarten produzierte Lebensmittel. Viel Geld verdient er sich mit dem eher kleindimensionierten Vertrieb allerdings nicht. „Das ist definitiv ein Zusatzgeschäft“, sagt der Biologe mit Verweis auf immer wieder anstehende technische Neuanschaffungen. Ob er auch in zehn Jahren noch Honig in seinem schönen kleinen Schrebergarten produzieren wird? Für Ralf Waanders steht fest, dass er das Hobby-Imkern so schnell nicht wieder aufgeben wird. „Die Bienen sind meine Leidenschaft geworden.“

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