Pionierarbeit: Jagdbekleidung für Waidfrauen

Jagd – eine Männerdomäne? Sandra Reifenhäuser, Gründerin von „WAIDfrau“, sieht das anders. Sie bietet in ihrem Shop Kleidung speziell für Jägerinnen an.

Waidfrau Sandra Reifenhäuser mit Hund Kuno

Fotos: Waidfrau / Sandra Reifenhäuser

Für Jägerinnen ist es manchmal nicht ganz einfach, passende Bekleidung zu finden. Abhilfe schafft Sandra Reifenhäuser mit ihrem Shop „WAIDfrau“, in dem sie seit 2011 funktionale und schicke Jagdbekleidung für Frauen vertreibt. Die 45-Jährige wohnt in Burglahr im Westerwald und hat ein eigenes Revier; Jägerin ist sie seit 2009. Im Interview mit Outfox-World erzählt sie, warum sie WAIDfrau gegründet hat, welche Produkte aus ihrem Shop absolute Must-Haves sind und an welchen Jagdmoment sie sich besonders gern zurückerinnert!

Frau Reifenhäuser, wie sind Sie selbst zur Jagd gekommen?

Die Jagd lernte ich vor etwa 26 Jahren durch meinen Mann kennen. Damals erlebte ich alles, was zur Jagd dazugehört, hautnah mit. Schon zu dieser Zeit war ich als Treiberin oder auch als Begleiterin beim Nachtansitz aktiv. Als Kuno, unser Kleiner Münsterländer, vor neun Jahren bei uns einzog, machte ich den Jagdschein.

In Ihrem Online-Shop gibt’s alles an Kleidung, was das Jägerinnen-Herz begehrt: egal ob Stiefel, Fleecejacken, Parkas oder Funktionsunterwäsche. Wie und wann sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Geld mit Damen-Jagdbekleidung zu verdienen?

Ich fand nichts Passendes für die Jagdausübung. Als Treiberin und später als Hundeführerin machte ich hinsichtlich der Bekleidung keine guten Erfahrungen. Damenprodukte waren oft nicht für den praktischen Einsatz bei der Jagd geeignet. Es fehlte an Funktion, Taschen und überhaupt waren die Schnitte nicht gerade schmeichelhaft für Frauen. Jagdbekleidung in kleinen Herrengrößen zu kaufen, war für mich keine wirkliche Lösung. So entstand die Idee für den Online-Shop. Seit sieben Jahren bieten mein Mann und ich nun ein umfangreiches Sortiment an funktionaler Bekleidung nur für Frauen an.

Wie wird das Angebot angenommen?

Wenn das Angebot durch die Hersteller breiter wäre, dann würde es sicher besser angenommen werden! Denn dann könnten wir eine größere Palette an Bekleidung anbieten. Das beginnt schon bei fehlenden Größen und reicht bis hin zur Auswahl. Es würde schon ausreichen, wenn für uns Frauen die gleiche Produktpalette an funktionaler Bekleidung angeboten würde wie bei der Herrenbekleidung. Damit meine ich eine größere Auswahl und nicht nur „eine“ Tarnkombination, Winterjacke oder Wendejacke, sondern jeweils eine mit und eine ohne Wattierung, eine mit viel Tarn oder nur eine Teiltarnung und so weiter. Die Produktpaletten der Hersteller sind für Frauen nicht komplett. Teilweise wird das Angebot innerhalb einer Marke sogar schon wieder kleiner, oder die Produkte sind nur schick und nicht wirklich jagdtauglich.

Worin genau unterscheidet sich die Damenbekleidung von den Sachen für männliche Jäger? 

Drückjagd Damen-Outfit

Kurz und knapp: in Schnitt und Form. Frauen mögen es meist, wenn die Jacke im Rücken etwas länger geschnitten ist, sodass sie über den Po reicht. Auch die Hosen brauchen den richtigen Schnitt. Wir alle kennen das Problem der Passform bei einer Jeans, nicht alles sitzt perfekt. Frauen sind sehr unterschiedlich in der Figur, das bedeutet für uns als Experten in Sachen Damenbekleidung, auf die verschiedenen Schnitte zu achten. Das funktioniert natürlich nur, wenn man die Bekleidung so wie wir in großer Auswahl zur Verfügung hat. Schnell wird die Kleidung von uns vermessen und der Kundin am Telefon somit sehr geholfen. Kundinnen, die uns vor Ort besuchen, schätzen unsere Größenauswahl und unser Angebot sehr.

Tragen Sie die Kleidung aus Ihrem Online-Shop auch selbst auf der Jagd?

Ich trage unsere Bekleidung auch selbst zur Jagd und zum Hundetraining. Versprechen können die Hersteller viel, aber halten sie ihre Qualität auch im Praxistest? Wir prüfen unsere Damen-Jagdbekleidung selbst auf Herz und Nieren. Zurzeit unterziehe ich die Dubarry-Lederstiefel einem persönlichen Härtetest.

Welche Teile aus Ihrem Online-Shop sind für eine Jägerin aus Ihrer Sicht absolute Must-Haves?

Das kommt ganz auf die Jagd und die Revierverhältnisse an. Wenn die Jägerin oft zum Ansitz geht – speziell im Winter – dann würde ich auf jeden Fall unsere WAIDfrau-Winterjacke „Sarah“ empfehlen, das ist für mich die derzeit wärmste Damen-Ansitzjacke. Für die Hundeführerin und Treiberin ist unser Durchgehoutfit, bestehend aus der Jacke „Swenja“ und der Hose „Ronja“, ein absolutes Must-Have, das hohe Signalwirkung und Schutz in der Dickung bei der Drückjagd bietet.

Eigentlich sollte das Geschlecht bei der Jagd keine große Sache sein, solange man mit Leidenschaft dabei ist. Trotzdem gibt es zum Beispiel immer noch dieses Klischee, dass die Jagd reine Männersache sei – auch in Jägerkreisen. Wie gehen Sie mit solchen Klischees um?

Ich habe wohl mit meinen Jägern hier in der Umgebung großes Glück. Ich wurde von Beginn an zu 100 Prozent in der Jägerschaft aufgenommen, das hat sich bisher auch nicht geändert. Ich habe immer sehr gute Erfahrungen in der Jägerschaft gemacht und das in allen Altersgruppen!

Tatsächlich ist die Jagd keine reine Männerdomäne mehr – das zeigen nicht nur die offiziellen Zahlen des Deutschen Jagdverbandes (wir berichteten), sondern auch das langsam wachsende Angebot an Jagdzubehör für Frauen. Warum, glauben Sie, gehen immer mehr Frauen auf die Jagd?

Das dürfte an unterschiedlichen Intentionen liegen. Grundsätzlich könnte ein wichtiger Punkt sein, dass die Frauen nicht nur den Ursprung dessen, was auf den Teller kommt, kennen möchten, sondern es auch selbst erbeuten wollen. Sicher liegen auch die Ausbildung des geliebten Jagdhundes und die Jagd mit Hund vielen Frauen am Herzen. Ich denke, so pauschal kann man die Frage nicht beantworten – jede hat ihre eigenen Gründe.

Waidfrau Sandra Reifenhäuser

Jetzt haben wir genug über Männer und Frauen geredet. Erzählen Sie mal etwas über sich: Wie gehen Sie am liebsten auf die Jagd?

Ich mag Drückjagden und den gemeinsamen Ansitz mit meinem Mann. Beim Ansitz teilen wir uns auf, also jeder in eine Revierhälfte. Wenn dann ein Schuss fällt und Hilfe beim Bergen des Wildes benötigt wird, baumt der andere ab und wir helfen einander. Beim Ansitz liebe ich die Stille, da kann ich so herrlich entspannen. Bei der Drückjagd ist es genau anders herum: Da macht gerade die Spannung den Reiz aus.

Welches ist Ihr liebstes Wildgericht? 

Mein Favorit ist gegrilltes Wild. Jegliches Wildfleisch wie Rücken oder Steaks aus der Keule landen bei uns im Sommer auf den Grill. Auch Gulasch und Braten mit viel Soße schmecken uns vorzüglich. Das Wild, welches mein Mann und ich erlegen, verarbeiten wir selbst. Es landet in unserer Truhe und schließlich auf dem Teller. Wir stellen auch für uns eigenhändig Bratwürste, Leberwurst und sonstige Leckereien aus Wild her, selbst die Knochen vom Rehwild werden ausgekocht und für Brühe oder Bratenfond verwendet.

Welcher war Ihr bisher schönster Jagdmoment?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Natürlich werde ich meinen ersten Bock, mein erstes Wildschwein oder die erste Dublette auf Krähen nie vergessen. Es gibt viele schöne Momente bei der Jagd, bei denen ich dabei war und selber nicht zum Schuss kam, weil das Wild sich nicht blicken ließ oder es einfach nicht passend stand für einen sicheren Schuss. Ich teile die Freude mit meinem Standnachbarn bei einer Drückjagd oder mit einem Jungjäger, der sein erstes Stück Schalenwild in unserem Revier erlegt. Das sind für mich Jagdmomente, die einfach schön sind.

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