Moderne Technik bei der Jagd (IV): Drohnen – fliegende Jagdhelfer?!

Die Drohnentechnik macht rasante Fortschritte. Höher, schneller, weiter und vor allem länger können sie mittlerweile in der Luft bleiben. Sie schießen dabei gestochen scharfe Foto- und Videoaufnahmen. Das heimische Jagdrevier zeigt sich mit ihnen aus einer ganz neuen Perspektive. Welche Einsatzmöglichkeiten diese moderne Technik bietet und was beim Fliegen beachtet werden muss, steht als Abschluss unserer Serie heute im Fokus. 

Drohne im Flug

Foto: anne773

Ein Blick aus der Luft eröffnet immer neue Perspektiven, auch im vertrauten Jagdrevier. Während das Wild mit seinen Sinnen stets dem Menschen überlegen ist, verschafft der technische Fortschritt den Jägern ungeahnte Möglichkeiten der Informationsbeschaffung. Sei es das Regenradar im Smartphone, die Erfassung von Hochsitzen per GPS oder die Dokumentation von Tieraktivität mit Wildkameras: viele Beispiele bestätigen die umfassende Digitalisierung der Jagd.

Wildkamera 2.0 – Modelle, Technik & Leistung

Auch der Einsatz von Flugdrohnen hat sich in den letzten Jahren enorm verbreitet. Ob privat oder gewerblich, ob zum Spaß oder zum Sport, Drohnen werden immer leistungsfähiger und erschwinglicher. Vom simplen Spielzeug bis zur mobilen Kamera bei Hollywood-Produktionen, sie können die verschiedensten Aufgaben übernehmen. Die Drohnentechnik unterscheidet sich dabei nach unterschiedlichen Parametern. Maßgeblich – auch für die rechtliche Einstufung – ist das Gewicht. Je schwerer die Drohne ist, desto größere Akkus und mehr Anbauteile (wie etwa Wärmebildkameras) sind möglich. Auch muss man zwischen Produkten unterscheiden, die „Out-of-the-Box“ startklar sind und solchen, die oft in Eigenregie konstruiert werden. Während Komplettpakete kaum Veränderungen durch den Piloten ermöglichen, kann ein Eigenbau durch die Wahl von Hard- und Software maßgeschneidert angepasst werden.

Um im Jagdkontext brauchbar zu sein, sollten die Geräte mindestens 20 Minuten in der Luft sein können. Ebenso muss eine frei schwenkbare, hochauflösende Kamera an Bord sein. Idealerweise kann die Drohne das Bild per Funk live an ein Smartphone oder Tablet des Piloten übertragen und somit eine direkte Beurteilung ermöglichen. Als Kür befindet sich eine GPS-gestützte Routenplanung an Bord, um festgelegte Strecken systematisch zu befliegen. Für derartige Drohnen sind niedrige vierstellige Beträge einzuplanen. Individuelle Anfertigungen können demgegenüber schnell fünfstellige Summen kosten.

Rechtliche Grundlagen

Der private Drohnenflug war lange eine rechtliche Grauzone. Eine eindeutige Regelung existiert seit Anfang April 2017. Dort wird unter anderem festgelegt, dass Drohnen bis maximal fünf Kilogramm Fluggewicht keine separate Aufstiegsgenehmigung mehr brauchen, was die private Nutzung enorm vereinfacht. Erst ab Flughöhen über 100 Meter oder in der Nähe von sensibler Infrastruktur (wie etwa Flughäfen oder Behördengebäuden) ist diese einzuholen. Wichtig für Jagdreviere: Auch der Flug über Naturschutzgebiete und in der Nähe von Bundesstraßen ist verboten. Wenn also mit einer Drohne geliebäugelt wird, muss man sich vorher eingehend über die eigenen Gegebenheiten vor Ort informieren. Im Flug muss außerdem permanent Sichtkontakt zur Drohne bestehen, was den Einsatzradius je nach Revierverhältnissen natürlich weiter einschränkt.

Einsatzmöglichkeiten heute und in der Zukunft

Die Drohnentechnologie scheint die Kreativität ihrer Anwender sprichwörtlich zu beflügeln. Viele Wirtschaftszweige profitieren von kostengünstigen Luftaufnahmen. Im jagdlichen Umfeld gibt es zur Zeit hauptsächlich zwei Einsatzformen: Die Kitzrettung und die Wildschadensbeurteilung.

Die Kitzrettung erfolgt zumeist durch gewerbliche Anbieter (wir berichteten), die über entsprechende Sonderausstattung an ihren Drohnen verfügen. Notwendig ist in jedem Fall eine Wärmebildkamera an der Drohne, mit der die Körperwärme von Wildtieren in der kälteren Wiese abgebildet werden kann. Die Flächenleistung pro Stunde ist herausragend und dem bisher üblichen Absuchen der Wiesen durch Helfer und Hunde weit überlegen.

Zur Wildschadensbeurteilung werden demgegenüber nicht einmal kostspielige Spezialdrohnen benötigt, es reichen die bereits genannten Modelle mit hochauflösender Kamera. Quasi wie ein Blick ins „Wohnzimmer“ der Wildschweine, ermöglichen sie dem Piloten in kurzer Zeit viel Ackerfläche zu kontrollieren. Fraß- und Wühlschäden sind aus der Luft schnell entdeckt und können, je nach Technik, vermessen werden. Aber den „Hausherren“ selbst kann man mit einer Drohne natürlich ebenfalls auf die Schliche kommen. Wurfkessel, ruhende Rotten und Schwarzwild in der Bewegung ist bei Tageslicht problemlos erkennbar. Dadurch ermöglicht die Technik schließlich eine koordinierte und planbare Wildschadensabwehr durch gezielte Vergrämung oder Bejagung.

Der Blick aus der Luft wird auch für weitere Bereiche überaus nützlich sein. Kostengünstige, sofort verfügbare Luftbilder des Revieres können die Planung enorm vereinfachen, da sich so beispielsweise die Laufwege des Wildes kartografieren lassen. Das Wildmonitoring, also das stichprobenartige Zählen von Wild, kann ebenfalls vereinfacht werden. Die logische Folge wäre eine genauere Abschussplanung. Je nach zukünftiger Flugdauer können Drohnen auch „just in Time“ zur Jagdplanung eingesetzt werden. Etwa, um am Morgen einer Drückjagd die Routen von Treibern zu präzisieren.

Mit Fantasie ergeben sich natürlich auch grenzwertige Nutzungsformen: wie auf YouTube zu finden, kann man mit Drohnen Wild aufscheuchen, es förmlich treiben. Mit etwas Geschick natürlich auch in Richtung der eigenen Position. Und Bastler haben handelsübliche Drohnen schon mit Schusswaffen bestückt – „Jagd“ von der Couch aus. Keine schöne Vorstellung!

„Fliegendes Auge“ – ein wertvoller Helfer

Insgesamt überwiegen für mich aber doch die positiven Seiten von Drohnen bei der Jagd. Durch die zunehmende Verbreitung ist mit sinkenden Preise zu rechnen – auch für Equipment wie Wärmebildkameras. Nach meiner Auffassung kann die Technologie als „fliegendes Auge“ den Blick für das eigene Revier maßgeblich schärfen. Für die individuellen jagdlichen Fähigkeiten sind sie allerdings kein Allheilmittel, sondern idealerweise eine lohnenswerte Hilfe. Drohnen stellen also einen weiteren Mosaikstein moderner Jagd dar und ich bin gespannt auf ihre zukünftige Verwendung.

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