Kämpferin für Gams und Hirsch

Ein Besuch bei Tessy Lödermann in Garmisch: Tierschützerin, Grüne und Verbündete der waidgerechten Jagd.

Der engagierten Tierschützerin Tessy Lödermann (re.) liegt der Schutz der heimischen Wildtiere sehr am Herzen.

Der engagierten Tierschützerin Tessy Lödermann (re.) liegt der Schutz der heimischen Wildtiere sehr am Herzen. (Fotos: Privat)

Unser Autor Michael Lehner war für „Natürlich Jagd“ zu Besuch bei Tessy Lödermann in Garmisch:

Erfolgreicher Tierschutz geht auch ohne Krawall und Feindschaft zu uns Jägern: Wie, das führt in Garmisch-Partenkirchen Tessy Lödermann vor. Die zierlich-resolute Powerfrau kümmert sich nicht nur um Hund und Katz, sie setzt sich auch für das Wild ein.

Selten, dass Jäger heutzutage Tierschützern begegnen, die richtig Ahnung haben von der Natur und den wilden Tieren. Frau Lödermann hat Ahnung. Sie weiß, dass das sogenannte Schalenwild-Problem menschengemacht ist: „Die Winter-Äsungsflächen in den Tallagen sind abgeschnitten und zersiedelt. Das Rotwild muss in seinen eigentlichen Sommerlebensräumen im Bergwald überwintern. Waldschäden sind so vorprogrammiert.“ 

Gemeinsam mit Jägern kümmert sich Tessy Lödermann auch um die Fütterung des Schalenwildes in winterlichen Notzeiten.

Gemeinsam mit Jägern kümmert sich Tessy Lödermann auch um die Fütterung des Schalenwildes in winterlichen Notzeiten.

So setzte sich Tessy Lödermann gemeinsam mit Jägern in den letzten schneereichen Wintern für Notfütterungen ein. Und als Förster auf die Idee kamen, das Rotwild im Wintergatter zu töten, wurde die sonst so freundliche Frau richtig böse:

„Tierschutz ist unteilbar. Und das Tierschutzgesetz muss auch gelten, wenn der Staat vom Forst Rendite fordert.“

Schon vor Jahren hat die engagierte Tierschützerin Aufsehen erregt, als sie mit einem Flyer solche Missstände aufzeigte. „Verschollen in den Bergen … Plädoyer für einen fairen Umgang mit unserem Wild“ lautet der Titel der Streitschrift, die sich sehr bewusst auch an die im Oberland wichtigen Feriengäste richtet.

Was im Zugspitz-Land begann, ist zu einer Bewegung im gesamten Alpenraum geworden. Vom Chiemgau bis ins Allgäu protestieren Tierschützer gegen nicht tierschutzgerechte Jagdmethoden. Auch grenzüberschreitend, zuletzt gegen die Veterinärbehörde, die im Tiroler Lechtal die Winter-Schonzeit fürs Rotwild kürzte.

Die wohl wichtigste Schlacht gegen das Schalenwild-Schlachten wird derzeit ums Kürnach-Tal bei Kempten geschlagen: „Das Gamswild in Bayern wird nur noch auf einer geringen Fläche seines natürlichen Lebensraums geduldet, Schonzeiten werden großflächig aufgehoben, Alters- und Sozialstrukturen als Folge eines weitgehend unkontrollierten Jagddrucks zerstört.“

Deshalb hat Frau Lödermann als Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern, Beschwerde bei der EU-Kommission gegen den Umgang mit der im Anhang 5 der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie aufgeführten Alpengams eingelegt.

Spannend, dass starke Frauen den Ton angeben in diesem Überlebenskampf: Neben Tessy Lödermann die Diplom-Biologin Dr. Christine Miller – aus Sicht mancher Förster schier eine Staatsfeindin mit ihren Hegeschau-Überraschungsbesuchen, die regelmäßig mit sachkundiger Kritik an eklatanten Fehlabschüssen enden.

Frau Miller führt den Verein „Wildes Bayern“ als Nachfolgerin von Herzogin Helene in Bayern. Die Verbindung zum weißblauen Königshaus hat in Bayern bis heute Gewicht. Auch wenn die Aktivitäten der Wildtier-Schützer sogar den Offiziellen beim Landesjagdverband mitunter unheimlich werden.

Tessy Lödermann kennt da keine Berührungsängste. Auch, wenn es gegen die Methoden einiger Öko-Jäger geht: „So manche Bewegungsjagden verstoßen gegen alle Regeln des Tierschutzes. Zumal, wenn das Wild in seinen letzten Rückzugsräumen in Panik versetzt wird, sogar zur Notzeit.“ Da hat Bayerns bekannteste Tierschützerin so gar kein Problem damit, jagdliche Tradition zu verteidigen: „Das Wort Trophäen-Kult mag ich nicht. Mir graust es, wenn bei den Hegeschauen nur noch Kinder an der Wand hängen. Starke Trophäen zeigen, dass ein Tier ein Leben durchlaufen hat und alt werden durfte.“

In der Politik war Frau Lödermann auch schon. Als „Grünes Urgestein“ saß sie acht Jahre lang im Münchner Landtag, führte sogar einige Jahre die Fraktion der Grünen. Wenn Kollegen von einst heute Nachtzieltechnik zur Schalenwildbekämpfung fordern, bezieht sie klar Stellung gegen „Wildbekämpfung mit Militärtechnik“.

Reden wir lieber über das heute so schwierige miteinander von Jagd und Tierschutz: „In unserem Tierheim bekommen auch Jäger einen Hund“, beantwortet Tessy Lödermann die Gretchenfrage, die auch in Bayern so manche Tierschutzvereine umtreibt – in Zeiten der Spenden-Konkurrenz mit Tierrechtlern vom Schlage PETA.

Auch was die Ökonomie angeht, gehört Garmisch-Partenkirchen zu den erfolgreichen Tierschutzvereinen der Republik. Mit einem großen Stamm von Ehrenamtlichen, die nicht nur über Tierrechte reden, sondern zupacken. Zu unserem Besuch waren sie trotz Feiertag unterwegs, um verwilderte Katzen einzufangen. Geld fürs Sterilisieren ist hier ebenso wenig Thema wie die Frage der Aufnahme von hilfsbedürftigen Wildtieren vom Waldkauz bis zum Gamskitz.

Sogar zum Streit, ob Wolf und Bergweide ohne menschliches Einwirken zueinander passen, hat Tessy Lödermann, die Wolf, Bär und Luchs schätzt, eine klare Meinung: „Ohne Viehweide gehen Landschaftsbild und Artenvielfalt verloren. Und praktikabler Herdenschutz hat seine Grenzen im Zumutbaren.“

Wie die Frage, wie viel der Mensch den Wildtieren zumuten darf: In der hektischen (Klima)debatte um den Wald, heißt es in einer von Tessy Lödermann verfassten, einstimmig beschlossenen Resolution des bayerischen Tierschutzbundes, gehe „vollständig unter, dass Rotwild nur 14 Prozent der Landesfläche nutzen darf“ und dem Gamswild „nur noch ein kleiner Teil seines natürlichen Sommer- und Winterlebensraums ... zur Verfügung steht“. Artenverdrängung unter dem Schlagwort „Schutzwaldsanierung“, nennt Frau Lödermann solches Treiben.

Ob es allen Leuten gefällt, die sich „Öko“ auf ihre Fahnen schreiben, kümmert sie wenig: „Wir Tierschützer müssen uns auch in die Jagd einmischen und unsere Vorstellungen einbringen. Dass wir inzwischen als Redner zu Hegeschauen eingeladen werden, zeigt, dass sich etwas bewegt.“

Zum Abschied führt die Tierschützerin in die kleine Kapelle des Garmischer Tierheims. Die Malerei dort zeigt neben anderen Schutzheiligen der Tiere auch den Jäger-Patron Hubertus. Beschwert hat sich darüber bisher niemand.

Eine Kostprobe zur Expertise der Tierschützerin Tessy Lödermann ist hier zu finden:

https://www.br.de/mediathek/video/wald-und-wild-weniger-jagd-weniger-verbiss-av:5de90dce223252001a499474

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