Hochsitze - wo und wie viele? Teil 2 

Auf die richtige Wahl des Standortes von Ansitzeinrichtungen kommt es an. Burkhard Stöcker zeigt auf, welche Stellen im Revier besonders erfolgsversprechend sind.

Wege sind nichts anderes als lange Lichtschneisen im Wald und je breiter und je weniger befestigt sie sind und befahren werden desto attraktiver sind sie fürs Wild. (Beispielbild: Tobheg)

Wege sind nichts anderes als lange Lichtschneisen im Wald und je breiter und je weniger befestigt sie sind und befahren werden desto attraktiver sind sie fürs Wild. (Beispielbild: Tobheg)

Im zweiten Teil des Beitrages „Hochsitze - wo und wie viele?“ beschäftigt sich Burkhard Stöcker mit der Frage des geeigneten Stellplatzes

Natürlich ist es immer der Jäger vor Ort, der am besten entscheiden kann, wo und wie ein Hochsitz gebaut wird – wo es lohnt, oder wo man es besser bleiben lässt. Doch in vielen Revieren scheint es mir manchmal doch etwas zu einfach zu sein, wenn an einer kleinen Wiese drei Kanzeln stehen, ich in den vierhundert Hektar Wald ringsherum jedoch nicht eine einzige jagdliche Einrichtung finde? Glaubt der Beständer allen Ernstes sämtliche Rehe des Reviers würden sich beständig auf dem einen ha Grün ein Stelldichein geben?

Hochsitzplätze zu finden erfordert vieles - vor allem jagdliches Gespür und jagdlichen Instinkt!

Geeignete Hochsitzplätze lassen sich in einem Kernsatz zusammenfassen: JE gehören überall dort hin, wo man möglichst störungslos an Wild herankommt und regelmäßig oder zu bestimmten Zeiten mit demselben rechnen kann. Klingt simpel – ist es aber nicht! Denn dazu gehören in unseren Wäldern nicht nur Wiesen, Wildäcker und Kahlschläge!

Sehr oft habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass gerade neue Beständer einfach die alten JE übernehmen, sich dort immer wieder hinhocken und das eigene Denken über potentielle Optimierungen hintenanstellen. Durch die folgenden Anregungen möchte ich den Blick auf etwas unbekanntere, aber für das Wild oft hochinteressante Plätze im Revier lenken:  

Käferlöcher

Gerade in heißen Sommern kommt es immer wieder zum Auftreten von Schadinsekten in heimischen Wäldern. Bei den meisten Insekten ist eine zügige Entnahme der Schadbäume oberstes Gebot – so entstehen manchmal spontan kleine Kahlflächen. Werden die Flächen mit den meist entnommenen Fichten oder Kiefern nicht gleich wieder aufgeforstet oder gezäunt, entwickeln sich hier oft innerhalb kürzester Zeit attraktive Äsungsflächen: Weichhölzer, Weidenröschen, Him- und Brombeeren sowie weitere attraktive Kräuter. Zuerst ist es nur attraktive Äsung in späteren Jahren vielleicht sogar mal Einstand – JE wind- und pirschgünstig an den Rand!

Holzlagerplätze

Wird hier über mehrere Jahre immer wieder gelegentlich Holz gelagert, kommt es zu einer starken Nährstoffanreicherung durch Holz- und Rindenreste. Holzlagerplätze im Wald sind oft Wildmagneten. Findet über eine oder gar mehrere Vegetationsperioden keine Holzlagerung mehr statt, kann der Platz sich noch attraktiver entwickeln - fürs Wild oft hochinteressant - Holzlagerplätze sollten stets im Auge behalten werden. Da sie immer entlang von Hauptwegen liegen sind sie stets gut zu erreichen, eventuell ist aber auch mit mehr Besucherverkehr zu rechnen. Daher unter Umständen schwerpunktmäßig morgens besetzen.

Verjüngungsflächen

In unseren Wäldern gibt es seit gut zwei Jahrzehnten die zunehmende Tendenz immer mehr mit der natürlichen Verjüngung der Wälder zu arbeiten und auf künstliche Aufforstungen zu verzichten. Dort wo Altbestände aufgelichtet werden, um die Naturverjüngung einzuleiten, kommt Licht auf den Boden, das nicht nur die als Äsung ohnehin schon attraktive Naturverjüngung fördert, sondern natürlich auch die interessante Begleitflora. Schon kurze Zeit nach der Auflichtung gehören diese Bereiche zu den attraktivsten Partien im Revier – wenn sie nicht gleich gezäunt werden. Die Zäunung kann aber gegebenenfalls mit jagdlichen Mitteln überflüssig gemacht werden. Wenn wir dort, bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Naturverjüngung aus dem Äser heraus ist, einen Schwerpunkt der Bejagung legen und den Waldbesitzer durch engagiertes jagdliches Handeln nachhaltig unterstützen, kann die Zäunung unterbleiben und ein jagdliches Eldorado entsteht. Dieses sollte aber nicht zur „Beobachtungsplattform für Wild“ genutzt werden, sondern wirklich zur Abschusserfüllung. Sonst kommt uns doch noch der Zaun dazwischen – zwischen uns und das Wild!

Durchforstungsbestände

Dort wo Waldarbeiter oder auch Harvester „Hand angelegt haben“ kommt Holz aus dem Wald und damit Licht auf den Boden – Äsung! Oft sehen wir dies erstmal mit einem weinenden Auge, da meistens schöne Tageseinstände verloren gegangen sind. Aber oft entsteht dort innerhalb kurzer Zeit durch Anflug von Gräsern, Kräutern, Him- und Brombeeren ein neues Eldorado fürs Wild. Also, Durchforstungsbestände gleich in der ersten Vegetationsperiode nach dem Eingriff im Auge behalten – und gegebenenfalls tätig werden.

„Zwischenäsunsplätze“

In oder in der direkten Nähe der Einstände wird jeder halbwegs ruhige Platz, an dem ein bisschen Licht Äsung auf den Boden bringt, für kurze „Naschpausen“ genutzt. „Zwischenäsung“ heißt dies im schnöden Wildbiologendeutsch. Das Wild muss den Einstand dafür im Grunde kaum verlassen und der Fluchtweg ist kurz. Als Zwischenäsungsplätze reichen oft kleine Fehlstellen in der Dickung, wo keine Bäume aufgeschlagen sind oder gepflanzt wurden. Alte Rücke- oder Harvestergassen, auf denen mehr Licht für mehr Äsung sorgt, sind auch häufig völlig ausreichend. Aber: Holzauge sei wachsam: so manche JE im Einstand oder direkt am Rande desselben war auch schon mal auf mittlere Sicht das Ende vom Einstand!

Wege, Wegränder, -kreuze, -gabelungen

Wege sind nichts anderes als lange Lichtschneisen im Wald und je breiter und je weniger befestigt sie sind und befahren werden desto attraktiver sind sie fürs Wild. Besonders zugewachsene kaum mehr benutzte Wege, die mitten durch ruhige Einstände führen, sind oft ein Paradies für kleine Naschpausen zwischendurch. Wie häufig habe ich auf solchen fast vergessenen Wegen im August alte Hirsche im hellen Nachmittagslicht äsen sehen!

Fast vegetationslose dunkle Laubalthölzer

Alte, dichte Buchen- und Eichenbestände, die zwar kaum Licht auf den Boden lassen und daher kaum Krautnahrung hergeben, werden alle paar Jahre zum Wildparadies – wenn es ein Mastjahr gibt und Eicheln und Bucheckern fallen. Jahrelang tut sich dort nichts – im Jahr der Mast werden alle vorkommenden Schalenwildarten des Revieres sich dort einfinden. Postieren sie am Rande des Altholzes eine schlichte jagdliche Einrichtung und beobachten sie den Mastansatz bei den alten Laubbäumen. Ist er gut schauen sie Anfang September schon mal nach dem Rechten.

Diese Liste der „leisen Hinweise“, die sich überwiegend auf Waldreviere bezieht, erhebt natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und ich höre es auch schon tönen „er hat dies und das vergessen“! Nehmen sie´s schlicht als Anregung aufmerksam durchs Revier zu laufen und immer mal wieder von neuem zu schauen, ob sich nicht irgendwo neue lauschige Plätzchen aufgetan haben. Dabei und bei den daraus folgenden Aktivitäten ein kräftiges Weidmannsheil!

Logo der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern

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Ein Beitrag von Burkhard Stöcker für unseren Premiumpartner, die Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern.

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