Hauptsache gut gesessen

Einbeinige Sitzgelegenheiten

Zwei Varianten einbeiniger Sitzgelegenheiten: Der Krückmann aus Holz und der höhenverstellbare englische Sitzstock aus Metall

Langstreckenwanderer, Spaziergänger, Jäger, Angler, Ornithologen, Zuschauer einer Sportveranstaltung oder einfach Naturfreunde – wer viel draußen unterwegs ist, möchte auch mal ausruhen oder einfach nur an einem Platz ein wenig verweilen. Sitzbänke gibt es selten. Auch ein Baumstumpf oder Fleckchen Gras bietet sich nicht immer an oder ist verdreckt und feucht. Für fast jeden Anspruch und Geldbeutel gibt es aber die passende Sitzhilfe. Mal lässt sie sich umschnallen, mal schultern oder als Spazierstock führen. Die Preisspanne reicht von 25 bis zu mehreren hundert Euro. Das Exemplar, das allen Ansprüchen gerecht wird, gibt es nicht. Geringes Packmaß, niedriges Gewicht, leichte Handhabung – die Ansprüche sind zu unterschiedlich. Der eine folgt der Devise, dass schlecht gesessen immer noch besser ist als gut gestanden. Andere haben es gerne möglichst bequem. Da stellt sich dann die Frage, was einem der Komfort wert ist.

Wer nur die kurzfristige Entlastung des Rückens sucht, ist mit einem einbeinigen Sitzstock gut bedient. Der Klassiker schlechthin ist der „Krückmann“. Er ist meistens aus Holz gefertigt und lässt sich auch als Gehhilfe nutzen. Wird die drehbare Arretierung gelöst, klappt die dreieckige Ledersitzfläche ab. Deren Größe ist von entscheidender Bedeutung für das Sitzgefühl, gerade wenn der Nutzer nicht nur eine kurze Rast machen, sondern länger ausharren möchte und auch noch ein breiteres Gesäß hat.

Exotische Exemplare haben sogar einen Regenschirm integriert. Auf jeden Fall aber erleichtern Einbeine den Marsch in unwegsamem Gelände. Ein wenig können sie dabei die Funktion eines Bergstocks erfüllen, an dem man sich abstützt. Problemlos sind die Einbeiner auch in Hanglagen einsetzbar. Ein metallener Teller über der Metallspitze verhindert ein Einsinken in den Boden. Für Stabilität allerdings müssen die Beine des Nutzers sorgen, sonst ist es eine wackelige Angelegenheit.

Ein- und mehrbeinige Sitzstöcke

Mit den Einfachmodellen kann man sich aber weder richtig drehen noch sind sie höhenverstellbar. Mehr Komfort versprechen Exemplare mit Drehgelenk, die zudem etwa 20 Zentimeter ausziehbar, aus Aluminium und manchmal sogar zerlegbar sind. Denn das Standardmaß von gut einem halben Meter ist selbst für Durchschnittsfiguren eindeutig zu wenig. Menschen mit einem Gardemaß um zwei Meter sollten sie sich überhaupt nicht antun. Das ist gilt erst recht für jene, die schnell aufstehen möchten, etwa Jäger. Wechselt Wild zügig an, ist die Chance sonst vorüber, bevor der Waidmann schussbereit ist.

Wer keine Krücke mag, greift zum sogenannten englischen Sitzstock. Bei dieser Konstruktion ersetzen zwei Bügelgriffe die Krücke, die nach hinten weggeklappt wird. Die beiden Griffe lassen sich auseinanderdrücken. Dadurch wird zwischen ihnen ein rechteckiges Lederstück gespannt, das als Sitzfläche dient. Sie ist deutlich breiter als die dreieckigen Pendants der Krückmänner, meistens aber auch schmaler. Bereits das legt nahe, diese Ausführung mehr noch als die anderen Klappsitz-Stöcke vorrangig zum Anlehnen zu nutzen.

Das Angebot an Sitzgelegenheiten, die auch als Gehhilfe einsetzbar sind, ist damit weitgehend erschöpft. Ein Zwitter ist das Umsteckstühlchen. Ihm fehlt wie den Dreibeinen der Haltegriff. Die Sitzfläche aus Leder oder Kunstgewebe lässt sich aber ebenfalls zusammenklappen. Die dreibeinigen Konstruktionen, die es ebenfalls höhenverstellbar und in Holz- sowie Metallausführung gibt, stehen erheblicher stabiler und wackeln auf halbwegs ebenem Untergrund nicht. Im Gegenzug sind sie in Hanglagen nicht einsetzbar, müssen unterwegs entweder in der Hand oder unter dem Arm getragen oder am Rucksack befestigt werden. Eine Reihe von Modellen hat auch einen Umhängeriemen zum leichteren Transport. Recht selten sieht man vierbeinige Ausführungen, auf denen man zwischen den auseinandergezogenen Beinpaaren Platz nimmt, ähnlich einem Campingstühlchen ohne Rückenlehne.

Das Mehrbein ist zwar bei gleicher Materialwahl und Ausführung stets etwas schwerer, sperriger und unhandlicher als das Einbein. Aber egal, zu welcher Variante der Interessent greift, für sie spricht das unter dem Strich geringe Gewicht von gut einem bis zwei Pfund. Sie lassen sich also bequem mitführen, passen zusammengeschoben in eine große Jackentasche, sicher aber in den Rucksack.

Sitzrucksäcke und Jagdstühle

Wer aber sowieso einen Rucksack mitführt, kann auch gleich einen Sitzrucksack wählen. Die Regenjacke, etwas Wäsche zum Wechseln, Proviant und Fernglas – alles lässt sich darin unterbringen und der Nutzer hat stets beide Hände frei. Dabei muss der Preis nicht zwangsläufig weit über dem eines Sitzstocks liegen.

Angeblich haben die Skandinavier die ersten Sitzrucksäcke entwickelt. Auf jeden Fall haben Norweger, Schweden und Finnen diese Kombination aus Transportbehälter und Rastgelegenheit schon lange in Gebrauch, wenn sie auf längeren Touren zu Fuß in der Weite ihrer Landschaften unterwegs sind. Wie bei den Ein- und Dreibeinen entscheidet die Sitzhöhe über Komfort. Ist das Gesäß tiefer als die Knie, die sich im Extremfall dann fast auf Ohrenhöhe befinden, schlafen schnell die Beine ein. Auch das Aufstehen aus einer solchen Hocke geht schlecht. Ist die Sitzfläche zu hoch, drücken die Kanten in die Oberschenkel oder Kniekehlen. Ebenso wichtig ist, dass beim Gehen weder Tragegurte noch Brustriemen, Gestell oder Nähte drücken. Dass der Rucksackstoff wasserdicht ist, sollte heute selbstverständlich sein.

Bei den Sitzrucksäcken gibt es zwei unterschiedliche Konstruktionsprinzipien. Da ist zunächst die Bauart, bei der ein Klappstuhl am Rucksack befestigt ist: Daneben steht die Bauart, bei der ein Aluminiumrahmen in den Rucksack eingebaut ist, auf dem der Nutzer dann sitzt. Letztere Modelle sind schlanker und schmaler. Oben befindet sich eine gerade, stabile Sitzplatte. Die muss abgeklappt werden, wenn etwas dem Stauraum entnommen werden soll. Man muss also dafür jedes Mal aufstehen. Bei Modellen mit angehängtem Sitzstuhl ist das nicht nötig. Denn den Rucksack, hinter dem man sitzt, hat man zwischen den Füßen, muss sich also nur bücken und hineingreifen.

Diese beiden Grundvarianten gibt es in unterschiedlicher Machart. Bei einigen lassen sich Rucksack und Stuhl auch komplett trennen und separat verwenden. Außerdem gibt es abnehmbare Sitzplatten, die sich teilweise drehen lassen, sodass eine Rundumsicht möglich ist. Die Rucksäcke können innen gummiert, also leicht auswaschbar, oder mit einer wasserdichten Schutzhülle versehen sein. Als Gewebe werden meistens Nylon, Moleskin oder Polyester-Baumwoll-Mischungen verwandt, in naturnahen Braun- und Grüntönen oder Camouflage. Manche Modelle sind außerdem durch anknüpfbare Seitentaschen erweiterbar. Das Basisvolumen umfasst fast immer zwischen 20 und 25 Liter. Die Gewichte liegen zwischen gut zwei und 2,5 Kilogramm.

In einer ganz anderen Liga spielen da mobile Jagdstühle, die um zehn Kilogramm auf die Waage bringen. So etwas lässt sich zwar transportieren, aber nur über sehr überschaubare Entfernungen. Ein Jagdstuhl ist deshalb nichts für eine Wanderung oder den Familienausflug. Dafür gibt´s aber die Vollausstattung mit Rückenlehne und Armauflage, im Bedarfsfall alles auf die individuellen Körpermaße und Bedürfnisse einstellbar. Damit ist diese Konstruktion fast ausschließlich auf die Ansprüche einer Gruppe zugeschnitten, der Jäger. Interessant ist solch ein Komfortsitz ansonsten allenfalls für jemanden, der mit dem Auto nah an den Platz in der Natur heranfahren kann, auf dem er dann längere Zeit ausharrt.

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