Freizeit im Wald – Das gilt es zu beachten!

Freizeitaktivitäten im Wald nehmen bereits seit einigen Jahren zu – und insbesondere jetzt bei dem schönen Wetter und den wärmeren Temperaturen treibt es die Menschen wieder mehr in die Natur. Das geht natürlich nicht spurlos an unseren Wäldern und seinen Bewohnern vorbei. Darüber, welche Auswirkungen der „Trubel im Wald“ hat und an welche Regeln sich alle Waldnutzer halten sollten, hat Outfox-World mit dem Forstwissenschaftler Jens Düring vom Bund Deutscher Forstleute gesprochen. 

Wanderer

Insgesamt ist in den vergangenen Jahren eine deutliche Steigerung der Waldnutzung – insbesondere durch Freizeitsportler – zu erkennen. Welche Auswirkungen hat das auf den Wald?
Die Menschen suchen Erholung, Ruhe und nutzen den Wald für ihre sportlichen Aktivitäten – insbesondere in Stadtnähe. Aber auch der Urlaub in der Natur hat zugenommen. Auf den Wald selbst hat das erst einmal wenig Auswirkungen, wenn man ein paar grundlegende Regeln beachtet.

Die Forstwirtschaft sorgt mit ihren Wegen im Wald, die für die Erschließung gebaut werden, dafür, dass die Menschen überhaupt so gut in den Wald kommen und ihn nutzen können. Häufig kommt es jedoch zu Konflikten, wenn dort, wo Menschen sich erholen oder Sport treiben wollen, forstwirtschaftliche Maßnahmen stattfinden. Viele Menschen haben dafür leider wenig Verständnis und hinterfragen nicht die dahinter liegende Motivation. Das kann aber durch Aufklärung und Information vor Ort gelöst werden. Wenn man voneinander weiß und miteinander redet, können gute Kompromisse gefunden werden.

Viele wissen auch schlicht nicht, dass sie sich häufig in Privatwäldern aufhalten, deren Eigentümer von den Einnahmen aus dem Wald leben müssen. Denn in erster Linie sind unsere Wälder bewirtschaftet. Das heißt, die Forstwirtschaft pflegt sie, erntet Holz und schützt sie vor Schäden. Der Wald ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum, bietet Arbeitsplätze und dient der Gewinnung des Rohstoffes Holz.

Jens Düring

Jens Düring

Welche Folgen hat die intensivere Waldnutzung – insbesondere jetzt im Frühjahr – für das Wild?
Wenn sich die Waldbesucher an einfache Regeln halten wie zum Beispiel, sich vorwiegend auf den Wegen aufzuhalten, sind die Auswirkungen relativ gering. Das Wild hat sich an die Menschen gewöhnt. Vielfach sehen die Waldbesucher das Wild gar nicht, weil es abseits der Wege und im schützenden Unterholz unterwegs ist. Gerade jetzt, wenn das Wild Nachwuchs bekommt und diesen aufzieht, sollte man daher wirklich darauf achten, möglichst nur die Waldwege zu benutzen und nicht so tief in die Wälder vorzudringen. Das hat auch viel mit Respekt vor der Natur zu tun. Die Forstleute zum Beispiel nutzen den Wald vorwiegend punktuell und lassen die anderen Bereiche in Ruhe. Dorthin kann sich das Wild dann zurückziehen.

Das Wild ist zudem sehr lernfähig und kann Gefahren gut einschätzen. Es wird bei erhöhtem Druck heimlicher und man bekommt es nicht zu Gesicht. Kritisch wird es jedoch, wenn man Tag und Nacht durch die Wälder streift. Das bedeutet dann Stress für das Wild. Es hat keine Erholungspausen mehr, kann nicht in Ruhe Nahrung aufnehmen. Darunter kann auch die Vitalität leiden und die Überlebensfähigkeit.

Worauf sollten Freizeitnutzer achten, um das Wild und das Ökosystem Wald nicht unnötig zu stören? Gibt es beispielsweise Verhaltenskodizes?
Wenn sich jeder ein wenig zurücknimmt, gewinnen alle. Auch die Natur und der Wald. Ich plädiere daher dafür, vorwiegend die Wege zu benutzen. Das gilt immer für Radfahrer, Reiter oder Hundebesitzer. Spaziergänger, Wanderer, Pilzsucher oder Geocacher können natürlich auch mal direkt in den Wald. Das sollte aber eher in Wegenähe passieren. Das dichte Unterholz sollten sie zugunsten des Wildes eher meiden. Die Dämmerung und vor allem die Nacht gehören auch der Natur. Hier passieren die größten Störungen. Für Jogger mit Stirnlampe oder Geocacher, die nachts durch den Wald streifen, habe ich daher wenig Verständnis. Beim Geocaching verbieten sich zudem Caches auf Bäumen oder in Höhlen. Die sind den Tieren vorbehalten. Im Ausnahmefall sollte man sich mit dem zuständigen Forstamt oder der Naturschutzbehörde sowie den Eigentümern verständigen.


„Aber natürlich soll die Natur für den Menschen nicht zugesperrt werden, denn so gäbe es noch weniger Verständnis für sie.“

Jens Düring


Außerdem sollten besonders sensible Bereich natürlich eher gemieden werden. Es gibt zum Beispiel Wildruhezonen oder besonders wertvolle Biotope und Lebensräume, die sehr trittempfindlich sind. Eingezäunte Kulturen mit jungen Bäumen dürfen nicht betreten werden. Tümpel, Weiher und deren Uferzonen sind auch sensibel. Dort brüten häufig Vögel.

Aber natürlich soll die Natur für den Menschen nicht zugesperrt werden, denn so gäbe es noch weniger Verständnis für sie. Mit Kindern und Jugendlichen sind wir häufig im Wald, um die Natur zu erfahren, von ihr zu lernen und etwas mit zurück ins eigene Leben zu nehmen. Da passiert ganz viel. Im Wald kann man Achtsamkeit und Verständnis lernen sowie, dass unser Handeln immer Auswirkungen hat.

Radfahrer

Welche Freizeitaktivitäten sind im Wald gut aufgehoben, welche eher nicht?
Motorbetriebener Sport gehört auf jeden Fall nicht in den Wald – Mountainbiking oder Downhill nur auf freigegebene Strecken, Reiten auch nur auf Reitwege. Joggen, Wandern oder Geocachen sind hingegen sehr gut im Wald aufgehoben. Hier haben auch die Wanderverbände und andere Institutionen gute Verhaltenskataloge aufgelegt.
Das Feuermachen oder Grillen im Wald ist gerade zu heißeren und trockenen Zeiten absolut tabu. Im Moment sind die Waldbrandstufen fast überall sehr hoch. Generell gilt dabei, dies nur an ausgewiesenen Stellen und mit Erlaubnis des Försters oder der Försterin zu tun. Seinen Müll sollte man auch immer selbst wieder mit nach Hause nehmen.

Welche Folgen hat der „Trubel im Wald“ zudem für Förster?
Förster und Waldarbeiter müssen sich immer häufiger erklären. Viele werden regelrecht angefeindet und beschimpft. Das hat manchmal wirklich unschöne Qualitäten. Aber Forstleute erklären gern ihr Tun. Da kommt es immer auf den Ton an.
Forstleute haben zudem die schwierige Aufgabe, die vielen Nutzer und Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Sie sind heute vielfach Waldmanager. Da braucht es viel Kommunikation. Das ist aber lösbar.

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