Entwässerung des Blumberger Waldes

Im Interview beschreibt Erimar von der Osten die negativen Auswirkungen von Entwässerung auf eine einzigartige Niedermoorlandschaft in der Uckermark

Der Blumberger Wald (Foto: Screenshot)

Der Blumberger Wald (Foto: Screenshot)

Im Blumberger Wald, einer großen Waldinsel in der Ost-Uckermark, liegt ein Naturschutzgebiet mit einer Gesamtfläche von über 300 ha unweit des namensgebenden Ortsteils Blumberg der Gemeinde Casekow im Landkreis Uckermark im Nordosten des Landes Brandenburg.

Im Westen des Naturschutzgebietes Blumberger Wald befindet sich ein gleichnamiges FFH-Gebiet mit einer Größe von 244,29 ha. Die Grenzen des Schutzgebietes entsprechen dem südlichen (und auch größten) Teil des NSG „Blumberger Wald“. Wenige hundert Meter westlich des Gebietes verläuft in Nord-Süd-Richtung die Randow in der Randow-Welse-Niederung. Von der Südspitze ca. 2 km östlich entfernt liegt der Ort Blumberg. Im Gebiet liegen mehrere nach § 30 BNatSchG geschützte Biotope sowie ein nach § 33 BbgNatSchG geschützter Horststandort.

Erimar von der Osten vom Waldgut Blumberg beschreibt im Interview mit Kai-Uwe Kühl die Auswirkungen der Entwässerung auf den Blumberger Wald als einzigartige Niedermoorlandschaft.

Der Blumberger Wald - vielfältig strukturiert

In der Vielseitigkeit des struktur- und artenreichen Waldes wird die jahrhundertelange, sorgfältige Bewirtschaftung nach den Kriterien der Nachhaltigkeit erkennbar. Auch die heutige Bewirtschaftung erfolgt nach den Grundsätzen der naturgemäßen Waldwirtschaft. Das Nordrevier ist durch die meist kräftig mit Nährstoffen versorgten Böden charakterisiert durch Laub- und Laub-Mischwaldbestände, während im Südrevier größtenteils Kiefern- sowie Kiefernmischbestände auf sandigen Böden vorherrschen.

Ebenfalls war der Wald schon immer wegen seines für brandenburgische und vorpommersche Verhältnisse außergewöhnlich hohen Laubholzanteils eines der attraktivsten Hochwild-Reviere im Nordosten Deutschlands. Der Wald bietet auf Grund der Insellage einen optimalen Lebensraum für Rot-, Muffel-, Reh- und Schwarzwild. Ebenso präsentiert sich hier eine vielgestaltige Vogelwelt mit See- und Schreiadler, Kranich, Wachtelkönig und Goldregenpfeiffer sowie vielen weiteren Arten.

Stetige Entwässerung bedroht den Fortbestand der Niedermoorlandschaft

Innerhalb des FFH-Gebietes befinden sich keine Fließgewässer, die unterhalten werden. Vorfluter des Gebiets ist die weitgehend begradigte und ausgebaute Randow, die hier über die Welse zur Oder entwässert. Die Randowniederung ist ein ehemaliges Durchströmungsmoor, dessen Melioration vor fast 300 Jahren begann und vor allem mit der umfassenden Komplexmelioration in den 1970er Jahren. In deren Folge wurden durch stark abgesenkte Grundwasser-Flurabstände Böden und Wasserhaushalt einschneidend und nachhaltig verändert. Ab 1971 wurden hier die Verlegung des Flussbettes, Binnengrabenausbau, Dränierung, Spurplattenwegebau und ein durchgängiger Umbruch des Grünlandes mit anschließender Neuaussaat durchgeführt, ebenfalls eine totale Gehölzrodung. Der Grundwasserflurabstand sank auf ca. 100-120 cm unter Flur, zwischen 1915 und 1985 erfolgte damit eine Moorsackung von 90 cm.

Dies führte im Zusammenhang mit der Moordegradierung dazu, dass die entwässerten Moorareale in ihrer Wasserversorgung mehr und mehr vom Niederschlag abhängig wurden - das subkontinentale Gebietsklima verursachte daher zunehmend Wassermangel.

Die Grundwasserabsenkungen haben sich ebenfalls negativ auf den Wasserhaushalt der Feuchtwälder des angrenzenden Blumberger Waldes ausgewirkt.

Nicht nur Waldtypen, die gegenüber Wassermangel und Hitzeperioden per se besonders empfindlich sind, wie beispielsweise an hohe Grundwasserstände gebundene Moor-, Bruch- und Sumpfwälder oder feuchte Eichen-Hainbuchenwälder, leiden unter dem prekären Wasserhaushalt, sondern alle Baumarten sind seit dem "Dürrefrühjahr" des Jahres 2018, im permanenten Trockenstress.

Stabilisierung des Landschaftswasserhaushaltes und Schaffung von Lebensräumen für bedrohte Arten wie z.B. für die europäische Sumpfschildkröte oder den Schreiadler

Da aufgrund der Melioration im angrenzenden Randow-Welse-Bruch der Wald stellenweise zu trocken ist, muss hier dringend eine weitreichende Vernässung durchgeführt werden. Insbesondere der natürliche Wasserzufluss aus den angrenzenden Moränen muss wieder ermöglicht werden.

Darüber hinaus muss die wichtige Funktion der Moore, Seen und Sölle als Senken im Stoff- und Energiekreislauf der Landschaft wieder hergestellt werden. Grundlegende Voraussetzung hierfür ist die Stabilisierung des Landschaftswasserhaushaltes und die behutsame Sanierung der bedeutendsten Oberflächengewässer.

 

Erstellt mit Material der „Managementplanung Natura 2000 im Land Brandenburg - Managementplan für das Gebiet Blumberger Wald“

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