Die Heilkraft der Wildtiere Teil 2

Der Rothirsch 

Ein röhrender Hirsch (Foto: Herbert Aust)

Ein röhrender Hirsch (Foto: Herbert Aust)

Der Hirsch fand in der früheren Volksmedizin fast zur Gänze Verwendung. Die verschiedenen Körperteile wurden als Pulver, Salbe, als Pflaster oder auch in einer wässrigen Lösung verabreicht. Die Medizinwissenschaft nennt diese Form der Heilanwendung „Organotherapie“.

Zahlreiche Organe fanden Anwendung bei „Frauenleiden“:

Im 12. Jhd. gab der sogenannte „Bartholomäus“, ein anonymes Rezeptbuch, folgende Empfehlung bei Menstruationsbeschwerden: eine Mischung aus Myrrhe, Artemisia (Beifuß oder auch Wermut) vermischt mit Hirschhorn und als Räucherung angewandt.

Hirschhornpulver sollte zuweilen mit Branntwein(!) versetzt nicht nur bei ausbleibender Periode oder zu starker Blutung, sondern auch noch bei Gebärmutterverlagerung helfen.

Zur Erleichterung der Geburt kamen auch die Galle oder Haut des Hirsches zur Anwendung - in welcher Form wird nicht näher ausgeführt.

Auch bei Epilepsie, die in früherer Zeit als Sammelbegriff für verschiedenste Krankheiten mit einem spontanen Auftreten von Unruhe charakterisiert wurde, kamen verschiedene Hirschteile zur Anwendung. So verschieden wie die unter dem Begriff Epilepsie zusammengefassten Krankheitsbilder waren, so verschieden auch die „Hirschtherapien“:

Essen des Herzens, trinken des frisch aus dem Herzen aufgebrochenen Blutes, Verzehr von Knochenmark oder gepulvertem Geweih - wahlweise tat es auch der pulverisierte Schädel.

Eine für uns Jäger interessante mittelalterliche Anwendung ist die Verwendung einer „plattgeschlagenen“ Kugel, mit der ein Hirsch erlegt wurden – sie sollte gegen Nabelbrüche helfen.

Nicht ganz so abwegig klingen aus heutiger Sicht die Empfehlungen des Johann von Seghen (Siegen). Er war im 15. Jhd. Wundarzt im moselfränkisch-südwestfälischen Grenzgebiet. Vielfach findet bei ihm der Hirschtalg oder „Hirschunschlitt“ (Servum cervinum) Anwendung. Es half nach Seghen als Wundpflaster bei Geschwüren und Erfrierungen. Ein Pflaster aus Hirschtalg gemischt mit Rindermark und gestampfter Butter sollte bspw. auf die aufgeschnittene erfrorene Haut aufgetragen werden.

Hirschtalg und Geweih waren die „Hirschmittelchen“ welche die vielseitigste Anwendung erfuhren. Von Nasenbluten über Brüche und Schlangenbisse bis hin zu Zahnschmerzen und Würmern, kamen beide Mittel noch bis weit ins 19 Jhd. kontinuierlich zur Anwendung.

Weitgehend unbekannt ist die Tatsache, dass auch der Hirsch Träger des berühmten Bezoarsteins sein kann. Dies sind meist kugelförmige, bis zu taubeneigroße Gebilde aus verklebten Haaren (Trichobezoar) oder Pflanzenteilen (Phytobezoar), die sich meist im Magen - Darmtrakt finden. In Europa galten Bezoarsteine neben einem Mittel gegen Magenbeschwerden oder Schwindelanfälle auch als Hilfe gegen die Pest.

 

Teil 3 unserer Reihe „Die Heilkraft der Wildtiere“ befasst sich morgen mit dem Steinbock – der „wandelnden Apotheke des Alpenraumes“.

Logo der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern

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