Biotoppflege: Jäger und Stadt ziehen an einem Strang

Was entstehen kann, wenn Jäger, Landwirte und Behörden konstruktiv zusammenarbeiten, zeigt dieses vorbildliche Artenschutz-Projekt im bayerischen Puchheim.

Rehbock

Symbolbild: Ryszard Adamus

In Puchheim in Oberbayern gibt es seit einiger Zeit ein 0,6 Hektar großes Naturparadies, in dem es munter summt, kreucht und fleucht. Zu verdanken ist dieser neu entstandene Lebensraum der Zusammenarbeit von Jägern, Landwirten und der Stadt, berichtet merkur.de.

Georg Huber, Kreisobmann und Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Puchheim-Ort, hat das Gebiet gepachtet, auf dem das Biotop entstanden ist. Schon im vergangenen Frühjahr haben er und seine Jagdgenossen begonnen, die Grünfläche in ein Biotop zu verwandeln, indem sie heimische Sträucher wie Sanddorn, Heckenrosen und Schlehe anpflanzten. Die Büsche sollen einmal als Schutzschild für die dahinterliegende Wiese dienen. Noch sind sie allerdings eingezäunt, um sie vorerst vor dem Verbiss durch die Wildtiere zu schützen.

Nicht nur Hasen, Fasane, Rebhühner und Rehe profitieren von der Arbeit der Jäger: Eine aufgeschüttete Steinmauer und Altholz locken auch wärmeliebende Insekten und Reptilien an. So entsteht mehr und mehr ein artenreicher Lebensraum, der seinesgleichen sucht. Zu verdanken ist dieses einzigartige Biotop der Zusammenarbeit von Jägern, Landwirten und der Stadt. „Die Stadt Puchheim hat das Projekt indirekt mitfinanziert und auf die Jagdpacht verzichtet“, erklärt Kreisobmann Huber. Auch die Kooperation mit Bürgermeister Norbert Seidl und mit den ansässigen Landwirten lobte er ausdrücklich. „Es kostet zwar Überzeugungsarbeit und man muss dranbleiben und viel reden, aber letztlich zählt doch das Ergebnis“, wird Huber zitiert.

Tassilo Trauner, Jagdpächter in dem Jagdgebiet, kennt die Natur vor Ort gut. „Solche Biotopflächen halten das Wild aus dem Holz raus und fördern die Artenvielfalt“, erklärt Trauner die Vorteile für Natur und Mensch.

Georg Huber, der nicht nur Jäger, sondern auch Landwirt ist, geht auch auf seinen eigenen Feldern mit gutem Beispiel voran. Zusätzlich zum staatlich geförderten Greening pflanzt er sechs Meter breite Blühstreifen an seinen Ackerrändern an. „Die bleiben nach der Feldernte stehen und werden nicht abgemäht, damit das Niederwild weitere Rückzugsmöglichkeiten hat“, erzählt Huber. Gerade in einer Kulturlandschaft, die von Monokulturen geprägt ist, sind Wildäcker und Blühstreifen von großer ökologischer Bedeutung (wir berichteten).

Interessante Erfahrungen hat Georg Huber mit Hundehaltern gemacht, die mit ihren Vierbeinern in der Nähe seiner Blühstreifen Gassi gehen. „Leider muss ich immer wieder erklären, wie wichtig es ist, dass die Hunde darin nicht herumstöbern dürfen.“ Dabei ist mangelnde Einsicht der Hundehalter eher weniger ein Problem. „Viele wissen halt leider nicht, wie wichtig dieser Lebensraum für die Wildtiere ist.“

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