Vereinigung der Jäger des Saarlandes: Josef Schneider


Im Interview spricht der Landesjägermeister über die Besonderheiten der Jagd im Saarland, über aktuelle Herausforderungen für die Saarjäger und seine persönliche beziehung zur Jagd!

Angesprochen: Die Präsidenten der Landesjagdverbände

16 Bundesländer, 16 Landesjagdverbände und Landesjägerschaften – 15 davon sind Mitglied im Deutschen Jagdverband, nur Bayern trat Ende 2009 aus dem DJV aus. Doch wer sind die obersten Jäger in den einzelnen Bundesländern? Wer vertritt die Interessen der Jägerschaft? Wie sieht derjenige aus und was macht ihn aus? Um diese und weitere Fragen zu klären, haben wir mit den Landesjägermeistern und den Präsidenten der Landesjagdverbände gesprochen.

Josef Schneider ist Landesjägermeister der Vereinigung der Jäger des Saarlandes. Der 64-jährige Richter wohnt in Saarlouis, ist seit 1979 Jäger und hat ein eigenes Revier. Die gut 3.000 Mitglieder haben ihn 2014 zu ihrem Landesjägermeister gewählt. Der Anteil der Jagdscheininhaber in der Bevölkerung liegt im Saarland bei knapp 0,4%.

Herr Schneider, warum haben Sie den Jagdschein gemacht und was bedeutet Jagd für Sie?

Den Jagdschein habe ich gemacht, weil mir die Jagd ermöglicht, meine Leidenschaft für die Natur und meine Freude an gutem Essen auf angenehme und oft auch spannende Weise zusammenzuführen.

Wenn Sie sich einmal erinnern – was war Ihr bisher schönster Moment bei der Jagd?

Ich erinnere mich natürlich genau an meinen ersten Rehbock und mein erstes Stück Schwarzwild, einen Frischling. Nicht verzichten möchte ich auch auf die Eindrücke bei der anspruchsvollen Pirsch auf Rotwild in den schottischen Highlands unmittelbar an der Atlantikküste, an der ich mit einer Gruppe von Jagdfreunden wiederholt teilnehmen durfte. 

Wie jagen Sie am liebsten?

Meine bevorzugten Jagdarten sind die Pirsch und der Ansitz.

Josef Schneider

Foto: Privat / Josef Schneider

Mit welchem Jagdgewehr gehen Sie am liebsten auf die Jagd?

Meine liebste Jagdwaffe ist ein Repetierer im Kaliber 9,3x62. Gelegentlich nutze ich auch gerne meinen alten Drilling, den ich bereits kurz nach dem Bestehen der Jägerprüfung angeschafft habe.

Welches ist Ihr liebstes Wildgericht?

Da könnte ich vieles aufzählen. Besonders gerne mag ich sicherlich ein langsam geschmortes Wildschweingulasch. 

Warum sind Sie Landesjägermeister des Saarlandes geworden? Haben Sie ein bestimmtes Ziel für die Jägerschaft und das Saarland?

Die Jagd ist ein in Jahrtausenden gewachsenes Kulturgut. Mein Ansporn ist, mitzuhelfen, das alte „Handwerk Jagd“ auch in Zeiten großen gesellschaftlichen Wandels zukunftsfähig zu gestalten und zu erhalten. Hierzu gehört für mich vor allem, dass die Jagd tierschutzgerecht ausgeübt wird. Unverzichtbar sind daher eine solide Aus- und Weiterbildung der Jäger mit einem besonderen Augenmerk auf die Schießfertigkeiten.

"Mit tiefer Besorgnis sehe ich, vor allem bei uns im Saarland, die Entwicklung beim Niederwild."

Josef Schneider

Was ist das Besondere am Saarland hinsichtlich der Jagd? Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung von Wild und Wald?

Die saarländischen Jäger waren bundesweit die ersten, die von ihren verfassungsmäßigen Rechten Gebrauch gemacht haben und für die Interessen der Jagd und des Wildes auf die Straße gegangen sind. Die saarländische Jägerdemonstration mit nahezu 2000 Teilnehmern im Frühjahr 2014 in Saarbrücken hat dazu geführt, dass wir entgegen der Pläne aus der Politik ein für Jagd und Wild noch akzeptables Jagdgesetz erreichen konnten. Das öffentliche Auftreten der saarländischen Jägerinnen und Jäger hat für unsere Jagdfreunde etwa in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg ein Beispiel gegeben. Die erreichten Ergebnisse machen Mut, uns auch in Zukunft mit Nachdruck für unsere Werte und Ziele einzusetzen.

Mit tiefer Besorgnis sehe ich, vor allem bei uns im Saarland, die Entwicklung beim Niederwild. Dessen Bestände sind in den letzten Jahren so stark zurückgegangen, dass auf eine Bejagung mittlerweile fast vollständig verzichtet wird. Ursächlich dürften neben den neuen Anbaumethoden in der Landwirtschaft die stark angestiegenen Bestände der Beutegreifer sein, die vor allem von den günstigen jagdrechtlichen Bestimmungen profitieren.

Josef Schneider

Foto: Privat / Josef Schneider

Was sind für die Saarjäger und die Jagd in Deutschland aktuell die größten Herausforderungen? 

Wir freuen uns natürlich darüber, dass nicht nur im Saarland die Zahl der Jagdscheininhaber Jahr für Jahr neue Höchststände erreicht und dass zunehmend auch Frauen die Jagd für sich entdecken. Andererseits ist ebenfalls seit Jahren und ebenfalls bundesweit der Versuch zu beobachten, den rechtlichen Rahmen für Jagd und Jäger immer weiter einzuschränken. Dabei wird zunehmend aus den Augen verloren, dass das Jagdrecht ein von der Verfassung geschütztes Grundrecht ist. Den Einschränkungen wollen wir im Saarland entgegenwirken. Das gelingt vor allem durch einen verstärkten Schulterschluss mit den Verbänden anderer Landnutzer, etwa der Bauern, Waldbesitzer und Fischer, und auch mit den Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzern. 

Wie ist das Verhältnis zu NGOs wie NABU, BUND oder WWF im Saarland?

Das Verhältnis zu den genannten Verbänden kennzeichnet sich aus meiner Sicht als durchweg gut und unkompliziert. Die projektbezogene Zusammenarbeit mit diesen Verbänden hat in der Vergangenheit in vielen Bereichen beachtliche Erfolge gebracht.

Was können Jäger vielleicht sogar von Naturschutzverbänden lernen?

Die nahezu allgegenwärtige Öffentlichkeitsarbeit dieser anderen Naturschutzverbände  – auch die Landesjagdverbände sind Naturschutzverbände – kann sicherlich den Jagdverbänden ein Vorbild sein. Erklärbar ist dies aber, wenn man sich die erheblich bessere finanzielle und personelle Ausstattung dieser Verbände vor Augen führt.

Wo können Sie sich Kooperationen mit Naturschutzverbänden vorstellen?

Die Interessenlage der Jagdverbände und der von Ihnen genannten anderen Naturschutzverbände müsste eigentlich in vielen Bereichen deckungsgleich sein. Ich denke hier etwa an die Situation des Niederwildes und der Wiesenbrüter, an die Problematik der verwilderten Hauskatzen oder an die freilaufenden Hunde in der Landschaft. Leider kam es bisher auch hier nur punktuell zu gemeinsamen Projekten, aber weitere Kooperationen kann ich mir sehr gut vorstellen.

Die Jagd und Jäger kommen in der Presse und im öffentlichen Diskurs oft nicht gut weg. Was entgegnen Sie Jagdgegnern und -kritikern? 

Tierschutzgerechte Jagd ist gelebter Naturschutz. Es passt nicht zusammen, wenn einerseits Massentierhaltung und Antibiotikaeinsatz bei der Fleischgewinnung angeprangert werden und andererseits die Jagd, bei der ein hochwertiges und ökologisch völlig unbedenkliches Lebensmittel gewonnen wird, als nicht mehr zeitgemäß angefeindet wird.

Was können Sie und die Saarjäger tun, um für mehr Akzeptanz zu werben?

Im Rahmen der externen Kommunikation, also in der Förderung des Verständnisses von und für Jagd und Natur in der Gesellschaft, können durchaus auch die kleineren Landesjagdverbände viel tun. Wir im Saarland haben etwa im vergangenen Jahr einen Natur- und Jagdlehrpfad bei unserem Jägerheim in Saarwellingen fertiggestellt, der von der Öffentlichkeit gut angenommen wird. Im laufenden Jahr haben wir im Rahmen des Jubiläums „25 Jahre Lernort Natur“ Schwerpunkte bei der Kinder- und Jugendarbeit gesetzt und Schulen und Kindergärten zu uns eingeladen.

Was wünschen Sie sich für die Jagd in den nächsten 20 Jahren?

Ich wünsche mir, dass es der Jagd auch weiterhin gelingt, sich den gesellschaftlichen Anforderungen zu stellen und das Interesse der heranwachsenden Generation für unsere natürliche Umwelt und deren nachhaltige Nutzung auf Dauer zu erhalten.

Die weiteren Interviews mit den Präsidenten der Landesjägerschaften und -jagdverbände finden Sie hier:

LJV Rheinland-Pfalz – Kurt-Alexander Michael
LJV Thüringen – Steffen Liebig
LJ Bremen – Holger Bartels
LJV Bayern – Jürgen Vocke
LJV NRW – Ralph Müller-Schallenberg
LJV Schleswig-Holstein – Wolfgang Heins

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