LJ Bremen: Holger Bartels

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16 Bundesländer, 16 Landesjagdverbände und Landesjägerschaften – 15 davon sind Mitglied im Deutschen Jagdverband, nur Bayern trat Ende 2009 aus dem DJV aus. Doch wer sind die obersten Jäger in den einzelnen Bundesländern? Wer vertritt die Interessen der Jägerschaft? Wie sieht derjenige aus und was macht ihn aus? Um diese und weitere Fragen zu klären, haben wir mit den Präsidenten der Landesjagdverbände gesprochen. 

Als Präsident der Landesjägerschaft Bremen steht Holger Bartels seit 2014 den insgesamt 501 Mitgliedern vor. Von 661.890 Einwohnern in Bremen haben 0,13% den Jagdschein. Der 52-jährige selbstständige Kaufmann selbst hat den Jugendjagdschein 1980 im Alter von 16 Jahren gemacht, er fühlte sich schon von Kindesbeinen an mit Jagd und Natur verbunden – das Jagen liegt sozusagen im Blut der Familie. Wohnhaft ist er in Bremerhaven, wo er auch sein eigenes Revier hat und Stadtjägermeister ist.

Holger Bartls, Präsident der Landesjägerschaft Bremen

Foto: Holger Bartls, Präsident der Landesjägerschaft Bremen

Warum haben Sie den Jagdschein gemacht und was bedeutet die Jagd für Sie?

Beeinflusst durch Vater und Großvater sowie befreundete Jäger bin ich mit der Jagd groß geworden. Mit 16 Jahren den Jugendjagdschein zu machen war für mich die natürlichste Sache der Welt. Da ich neben dem Amt des Präsidenten der Landesjägerschaft Bremen auch Stadtjägermeister in Bremerhaven bin, gehört Jagd für mich und meine Familie sowie für meinen Hund zum täglichen Leben dazu.

Wenn Sie sich einmal zurückerinnern – was war Ihr bisher schönster Moment bei der Jagd?

Die Erlegung eines Bockes mit ungewöhnlicher Trophäe sowie der erste erlegte Bock im „eigenen“ Revier. Das war ein „Lebensbock“, über den ich mich heute noch freue. Es ist außerdem immer ein schöner Moment, zusammen mit meiner Tochter auf Jagd zu gehen, die selbstverständlich auch mit 16 ihren Jugendjagdschein gemacht hat!

Wie jagen Sie am liebsten?

Für mich sind die Pirsch als „bewaffneter Spaziergang“ mit dem Hund durch das Revier sowie die Ansitzjagd die liebsten Jagdarten.

Mit welchem Jagdgewehr gehen Sie am liebsten auf die Jagd?

Stutzen Sauer 90, Kal. 30.06.

Welches ist Ihr liebstes Wildgericht?

Rehrücken gegrillt und Wildente.

Warum sind Sie Präsident der LJ geworden? Haben Sie als Präsident ein bestimmtes Ziel für die Jägerschaft und das Bundesland?

Präsident wurde ich durch die Überzeugungsarbeit meines Vorgängers. Unser damaliger Vizepräsident wollte das Amt nicht übernehmen und als Stadtgruppenvorsitzender aus Bremerhaven war ich schon geborenes Mitglied im Präsidium. Ich sehe es als meine Aufgabe, die Landesjägerschaft Bremen zu modernisieren, digitale Medien effektiver zu nutzen und die Kommunikation zwischen den Jägern und der hauptsächlich städtischen Bevölkerung zu verbessern.

Was ist das Besondere an Bremen hinsichtlich der Jagd? Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung von Wild und Wald?

Das Bundesland Bremen ist rein städtisch und besteht aus den Städten Bremen und Bremerhaven, die ca. 60 Kilometer auseinanderliegen. Im Wesentlichen sind wir reine Niederwildjäger, wenn wir in Bremen oder Bremerhaven auf die Jagd gehen. Aufgrund der beschränkten Möglichkeiten gehen aber viele Bremer Jäger im niedersächsischen Umland auf Jagd.

Dabei kommt es mir zugute, dass ich als Stadtjägermeister in Bremerhaven Mitglied im Vorstand der bundesweit einzigen länderübergreifenden Jägerschaft „Wesermünde-Bremerhaven“ bin. Insofern habe ich auch gute Kontakte nach Niedersachsen und kann die Jäger ansprechen, die nicht in Bremen jagen gehen können.

Die Entwicklung des Wildbestandes im Lande Bremen ist recht gut und stabil. Selbstverständlich haben wir ebenso wie andere Regionen auch Probleme mit Neozoen und zum Beispiel starken Gänsepopulationen. Spannend ist die Diskussion um die Population der Wölfe, zumal wir im nördlich angrenzenden Landkreis Cuxhaven ein Wolfsrudel ansässig haben. Um den Waldbestand in Bremen und das Zusammenwirken von Wild und Wald muss ich mir kaum Sorgen machen – wir haben keinen Wald...

Wir pflegen die Zusammenarbeit mit den anderen Naturschutzverbänden, da wir im Wesentlichen die gleichen Ziele haben. 

Was sind aktuell die größten Herausforderungen für die Landesjägerschaft Bremen und die deutsche Jägerschaft im Allgemeinen?

Sicherlich die politischen Veränderungen – sowohl lokal wie auch national oder international. Zudem ist der gute Kontakt zum Senat als Landesregierung eine Herausforderung. Die Frage, was wir in Bremen tun können, um bundesweit positiv in Erscheinung zu treten, beschäftigt uns ebenso.

Wie ist das Verhältnis zu NGOs wie NABU, BUND oder WWF in Bremen?

Wir pflegen die Zusammenarbeit mit den anderen Naturschutzverbänden, da wir im Wesentlichen die gleichen Ziele haben. In der Realität gestaltet sich diese Zusammenarbeit insbesondere hinsichtlich einzelner Personen mal leichter und mal echt schwierig!

Holger Bartels, Präsident Landesjägerschaft Bremen

Was können Jäger von Naturschutzverbänden lernen?

Zum einen können wir uns in Sachen Öffentlichkeitsarbeit viel von den Naturschutzverbänden abschauen. Wir müssen die verfügbaren Medien besser ausschöpfen und dafür sorgen, dass wir dort häufiger und besser vertreten sind. Zum anderen können wir beim Einwerben finanzieller Mittel von ihnen lernen.

Inwiefern können Sie sich Kooperationen mit Naturschutzverbänden vorstellen?

Bei der Durchsetzung von bestimmten Projekten, beispielsweise beim Schutz von Bodenbrütern und der dazugehörigen Fallenjagd. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit könnte man zusammenarbeiten. Unter anderem kann ich mir gemeinsame Präsentationen auf Messen und Ausstellungen gut vorstellen.

„Jagd ist Genuss! Der Genuss, die Natur in ihren Facetten erleben zu können.“

Holger Bartels

Die Jagd und Jäger kommen in der Presse und im öffentlichen Diskurs oft nicht gut weg. Was entgegnen Sie Jagdgegnern und -kritikern?

Jagen ist mehr als das Töten von Tieren! Obwohl es natürlich untrennbar miteinander verbunden ist.

Jagd ist Genuss! Der Genuss, die Natur in ihren Facetten erleben zu können. Der Genuss beim Verzehr des gesündesten Fleisches, welches die Natur hergibt. Genuss und Spaß im sportlichen Wettstreit beim Schießen.

Jäger beherrschen ihre Waffen! Sie üben regelmäßig den Umgang mit ihnen und sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Die wenigsten Unfälle passieren mit legalen Jagdwaffen.

Was können Sie und die Bremer Landesjägerschaft tun, um für mehr Akzeptanz zu werben?

Immer wieder positive Auftritte in der Öffentlichkeit initiieren. Wir dürfen uns nicht scheuen zu zeigen, was die Jäger tun.

Was wünschen Sie sich für die Jagd in den nächsten 20 Jahren?

Als Jäger wünsche ich mir etwas weniger Veränderungen in der Landschaft, bedingt durch die Ausweitung von Industriegebieten, durch die Begradigung von Gewässern, durch die Trockenlegung von Feuchtflächen, durch die Industrialisierung der Landwirtschaft und die zunehmend intensive Nutzung natürlicher Ressourcen.

Ich wünsche mir ein besseres und ‚freundlicheres‘ Auskommen zwischen Jagd und Politik, zumal diese oft parteiideologisch geprägt ist und nichts mit der tatsächlichen Meinung einzelner Personen zu tun hat.

Ich wünsche mir ein noch besseres Verhältnis der Jäger untereinander sowie zwischen den Jägern und Bürgern.

Weitere Interviews mit den Präsidenten der Landesjägerschaften und -jagdverbände:
LJV Rheinland-Pfalz – Kurt-Alexander Michael
LJV Thüringen – Steffen Liebig

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