Adleraugen auch bei schlechtem Licht

Das Leica-Fernglas 8 x 56 HD-B im Langzeittest

Das Leica-Fernglas im Einsatz

Foto: Dr. FM / Das Leica-Fernglas im Einsatz.

Die Traditionsfirma Leica aus Wetzlar stellte vor rund einem Jahr ihr neues Dämmerungsglas mit integriertem Entfernungsmesser und einigen innovativen Zusatzfunktionen vor. Wir haben es einem intensiven Langzeittest unterzogen und stellen die damit gemachten Erfahrungswerte vor.

Das Leica 8 x 56 HD-B (intern als Modell 500 bezeichnet) ist in der bekannten Bananenform designt, liegt gut und satt in der Hand, die beiden Druckknöpfe – links Entfernungsmessung, rechts Menü – sind mir von den Vorgängermodellen her schon vertraut. Der Korpus besteht aus Magnesium, der Überzug aus einem Hochleistungskunststoff, der sich gut und wertig anfühlt und dennoch schmutzabweisend und relativ unempfindlich ist – ideal für die Beanspruchungen im rauen Gelände. Die Linsen sind oberflächenvergütet, Wasser und Schmutz perlen daran ab und lassen sich mit geeigneten Pflegemitteln restlos entfernen. Bei mir hat das Glas mehrere Regengüsse problemlos überstanden und jeglicher Dreck konnte daheim einfach abgebürstet werden. Auch ist das Glas bis zu einer Tiefe von fünf Metern wasserdicht, ich habe es selbst bei einem Fishing-Trip „getestet“.

Das Besondere an diesem Glas: Die außergewöhnliche Lichtstärke dank 56 mm Objektivdurchmesser und einer nochmals verbesserten Transmission von rund 90 Prozent. Das Bild ist klar, gestochen scharf und selbst bei seitlicher eintretender, flacher Sonne gibt es praktisch kein Streulicht.

Ich habe dieses Glas über 14 Tage auf der Eland-Jagd genutzt. Diese riesige Tier mit Körpermaßen von bis zu drei Metern und bis zu 1.000 Kilogramm Gewicht ist im südlichen Afrika beheimatet und stellt eine begehrte Trophäe dar, bei einem gleichzeitig sehr schmackhaftem Fleisch.

Das Leica-Fernglas 8 x 56 HD-B

Foto: Dr. FM

Auch wenn es sich wie ein Werbeversprechen anhört: Man sieht rund 25 % besser als mit vergleichbaren Spitzengläsern in derselben Preisklasse und das kann in den „grey minutes“ oder im Mondschein eine Menge sein. Der technische Wert der Dämmerungszahl spricht hier für sich. Die Elenantilope ist tagsüber kaum zu bejagen, sie steht da meist eingeschoben im Dickbusch, so dass auch ein Ausfährten meist sinnlos ist. Die größte Jagdchance besteht bei Sonnenaufgang bzw. -untergang. So auch bei mir: Während des nächtlichen Ansitzes im Mondschein konnte es seine volle Stärke ausspielen, gerade der Vergleich zu anderen Gläsern zeigte den hohen Stellenwert dieser Optik. Alte, reife Elandbullen hört man meist, bevor man sie sieht, charakteristisch ist das Klacken ihrer Schalen beim Gehen, so kann man sich schon frühzeitig einrichten. Als mein alter, abgewetzter Trophäenträger über die Fläche zog, stand er mit seiner grauen Decke glänzend im Mondlicht und war leicht auf 182 Meter auszumessen.

Dabei bleibt das Geovid 56 extrem kompakt, es ist kaum größer als ein vergleichbares 42er-Fernglas und sogar das leichteste 56er-Glas mit Entfernungsmesser. Die Messungen des unsichtbaren Laserstrahls – in Bezug auf Präzision und Unempfindlichkeit – aus der Mittelachse verliefen einwandfrei, auch wenn die Natur natürlich mal ihre Grenzen setzt, ebenso wie die Batterie, die laut Hersteller 2.000 Messungen schaffen soll, bei mir waren es deutlich mehr.

Leica Geovid 8x56

Foto: Dr. FM

Zusätzlich hat dieses Fernglas das bekannte Ballistiksystem ABC (Advanced Ballistic Compensation). Der Jäger kann unter zwölf vorhandenen Tabellen wählen und sich so eine Patronenkonfiguration heraussuchen, die der von ihm verwendeten am Nächsten kommt. Für die meisten Anwender – die bisher nach GEE schossen – ist das schon vollkommen ausreichend.

Der Perfektionist kann zudem über eine integrierte Micro-SD-Karte seine exakten Ballistikdaten in das Fernglas importieren.

Das hochpräzise Programm sorgt für eine exakte Bestimmung der Haltepunktkorrektur, die sich in Sekundenbruchteilen kundenspezifisch anzeigen lässt. Abgestimmt auf die persönliche Jagdausrüstung, können Jäger hierbei zwischen drei ballistischen Anwendungen wählen, in die auch die Parameter Temperatur, Luftdruck und Winkel in die Berechnung einbezogen sind. Die Anzeige der Daten erfolgt im integrierten LED-Display und kann zeitgleich während des Beobachtens der Umgebung oder des Wildstücks abgelesen werden.

Das Leica Geovid 8x56 HD-B wiegt 1.200 Gramm und ist natürlich für die statische Beobachtung sowie den Ansitz konzipiert, weniger zum Pirschen oder für das Gebirge, da empfiehlt sich die ältere 42er-Variante. Die zweistufige, herausdrehbare Augenmuschel ermöglicht auch einem Brillenträger ein formatfüllendes Sichtfeld, wenngleich auch dieser am besten sieht, wenn er seine Brille vorher abnimmt. Beide Okulare sind dioptrienverstellbar und der Mittelhub geht leicht, sanft und verstellsicher, was man heutzutage bei einem Markenglas aber voraussetzen sollte. Mit dem konturgeformten Neopren-Trageriemen lässt es sich bequem vor der Brust oder unter dem Arm der Nicht-Schießhand tragen.

Dieses Fernglas kann genauso gut bei Tag wie bei Nacht angewendet werden, wobei sein Spezialgebiet natürlich die Beobachtung bei schlechten Lichtverhältnissen und in sternenklaren Nächten ist. Jeder, der es testet, wird von seinen technischen Möglichkeiten begeistert sein, was natürlich auch seinen Preis hat, in diesem Fall rund 3.200 Euro.

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