Überlegungen zur Anschaffung eines Jagdhundes

Was alles sollte ein Erstlingsführer bei der Anschaffung eines Jagdhundes im Vorfeld bedenken? Ich habe eine Checkliste entwickelt, die hilft, dass der (Erstlings)Käufer eines Jagdhundes keinen Reinfall erlebt.

Welpe

Foto: uschel

Wenn man sich einen Jagdgebrauchshund anschafft, wird man nicht spontan handeln, sondern gewisse Dinge zuvor gründlich abwägen. Am wichtigsten sind Fragen wie etwa: Ist artgerechte Haltung des Vierläufers garantiert? Hat man genügend Zeit und die rassetypische Arbeit im Revier für ihn? Wie steht die Familie zu diesem Schritt?
Schließlich müssen alle im Haus bereit sein, gemeinsam Verantwortung für dieses Lebewesen zu übernehmen, das nicht nur Jagdgehilfe sein soll, sondern gerade heutzutage ein dem Jäger und seiner Familie über lange Jahre zur Seite stehender vierläufiger Kamerad. Ich habe mir zu diesem Thema einige Gedanken gemacht und zu Papier gebracht. Vielleicht helfen meine Ausführungen bei der Überlegung zur Anschaffung eines Jagdgebrauchshundes.

Unterbringung

Der Jäger wird sich nur dann einen Jagdhund anschaffen, wenn er in der Lage ist, den Hund art- und tierschutzgerecht zu halten und ihm die täglich erforderliche Zuwendung zukommen zu lassen. Besteht im Haus die Möglichkeit, dem Hund einen angemessenen Stammplatz einzuräumen, ist das gut. Andernfalls wird draußen ein Zwinger gebaut, der wenigstens den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Man ist sich heute weitgehend darüber einig, dass eine kombinierte Haltung in Haus und Zwinger eine gute Lösung der Haltung darstellen kann. Und dann ist da noch der Knackpunkt: Wie werden sich die Nachbarn verhalten? Schließlich gibt ein Hund auch mal Laut.

Auslauf

Wo kann dem Hund der tägliche Auslauf gewährt werden, ohne sich überwiegend auf Asphalt oder Beton zu bewegen? Der Bewegungsdrang der meisten Jagdhunde ist groß. Besteht daher die Möglichkeit und Zeit, die Bedürfnisse, auch was die Reviergegebenheiten angeht, je nach Rasse zu erfüllen? Oft wird nicht beachtet, dass das Gelände um den eigenen Wohnort das Revier eines anderen Jägers ist. Da sind Konfrontationen vorprogrammiert.

Urlaub

Wohin mit dem vierläufigen Kameraden im Urlaub? Was kommt für den Hundehalter in Frage? Mitnehmen, in die Hundepension mit Kosten zwischen 15 und 25 Euro pro Tag, zu Freunden oder Verwandten? All das sollte man vorher überdenken, sonst steht man plötzlich vor Problemen.

Laufende Kosten

Futterkosten, Hundesteuer, Medikamente, Tierarztkosten sowie eventuelle Beiträge für eine Mitgliedschaft bei einem Jagdgebrauchshund- oder Zuchtverein fallen an. Versichert sind Jagdhunde fast stets durch die obligatorische Jagdhaftpflichtversicherung. Meistens für bis zu zwei Hunde, wenn sie sich nachweislich in Abrichtung (Ausbildung) befinden oder ihre jagdliche Eignung auf einer Prüfung nachgewiesen haben. Ggf. hierzu vorher bei der Versicherung nachfragen! 

Einmalige Kosten

Der Anschaffungspreis ist – je nach Rasse, Welpe oder abgerichteter Hund – unterschiedlich. Hundekorb, Decken, Zwinger, Hütte, Leinen, Näpfe, Hundeflöte, Fachliteratur, Übungshilfsmittel (vom Apportierbock bis zur Feldleine), ggf. Schweißleine und Halsung, Schlepp- und Übungswild sowie Lehrgangs- und Prüfungsgebühren (Nenngeld) bei einem noch nicht fertigen Hund.

Ausbildung

Bringt man die entsprechende körperliche Verfassung, ausreichende Geduld, genügend Zeit, bestimmtes Grundfachwissen und die erforderlichen guten Nerven mit, kann man seinen vierläufigen Jagdhelfer selbst bei der empfehlenswerten Teilnahme an einem Früherziehungskurs und späteren Lehrgang eines Jagdgebrauchshundvereines, eines Zuchtvereines oder der örtlichen Jägerschaft ausbilden. Steht für die auch außerhalb des Lehrgangs notwendigen Übungen ein geeignetes Gelände zur Verfügung oder muss man jedes Mal einen Revierinhaber fragen, ob man in seinem Revier mit dem Hund üben darf?

Ein bereits abgerichteter (fertig ausgebildeter) Hund

Vorteile: Der bereits abgerichtete Jagdhund ist in der Regel stubenrein. Untugenden der Welpenzeit sind vorbei. Eventuelle Mängel sind dem Käufer bekanntzugeben (Kaufvertrag). Der Hund ist abgerichtet bzw. eingearbeitet und man kann nach einer gewissen Eingewöhnung bald mit ihm jagen. Allerdings wird man sich mit dem Verkäufer und Hund einige Stunden im Revier aufhalten, um sich den künftigen Jagdgefährten vorführen zu lassen. Dabei sieht und hört man (auf Kommandos und Handzeichen achten), wie das Gespann sich auch verbal bisher verständigt hat. Für den zukünftigen Besitzer und Führer ist es wichtig herauszufinden, wie der Verkäufer als Führer agiert. Sowohl man selbst muss den neuen Jagdgefährten verstehen lernen, als auch umgekehrt. Nur so kann der Anfang harmonisch verlaufen und man zum Team werden.

Nachteile: Der unterschiedliche Kaufpreis für einen abgerichteten Jagdhund im Unterschied zur Anschaffung eines Welpen ist verständlicher Weise erheblich. Der fertige Hund ist bereits auf sein bisheriges Umfeld geprägt und abgerichtet. Auf sein Wesen und seine Persönlichkeit kann daher nur noch ein geringer Einfluss genommen werden. Es gibt aber Beispiele, in denen sich selbst erwachsene Hunde bereitwillig und problemlos umstellen.

Anschaffung eines Welpen

Vorteile: Wenn der Welpe in einem Alter von acht bis zehn Wochen zu seinem neuen Besitzer kommt, ist er noch leicht zu prägen und zu erziehen. Der Welpenkäufer und seine Familie finden in der Regel viel Freude daran zu erleben, wie sich der junge Hund geistig und körperlich entwickelt. Man kann ihn selbst formen und ausbilden sowie auf Prüfungen führen. Darauf möchten viele Hundefreunde nicht verzichten, die das einmal erlebt haben. Auch die Teilnahme an Früherziehungskursen und Lehrgängen bringen neben den Fortschritten bei der Ausbildung des jungen Hundes viel Spaß durch die Arbeit mit anderen. Bevor man sich zum Kauf eines Welpen entschließt, wird man sich vor Ort überzeugen, wie er aufgezogen wurde. Züchter und Zuchtstätte sagen viel aus.

Nachteile: Ein Jagdhundwelpe verlangt viel Zeit, Einfühlungsvermögen, Geduld und Konsequenz in den verschiedenen Phasen der Entwicklung. Es wird einem Welpen schwer fallen, vor allem nachts, lange alleine zu sein, da der kleine Kerl ja plötzlich aus der gewohnten Wurfgemeinschaft gerissen wurde. Sein Ersatzrudel muss die Menschenfamilie werden. Ein Welpe braucht zudem in den ersten Wochen bis zu vier Mahlzeiten am Tag, entsprechende Impfungen sowie Entwurmungen (was später auch für einen erwachsenen Hund erforderlich ist). Er geht gerne auf Entdeckungsreisen, versucht überall zu zerren und zu beißen oder stellt seinem Spieltrieb entsprechend so einiges an. Die Gewöhnung/Erziehung zur Stubenreinheit nimmt, wenn auch individuell unterschiedlich, Zeit in Anspruch.

Rüde oder Hündin

Die Leistungsfähigkeit betreffend, kann man guten Gewissens Rüde und Hündin gleichstellen. Die Behauptung, Hündinnen seien leichtführiger, trifft lange nicht immer zu. Der Rüde hat jedoch unbestritten den Vorteil, dass er einem das ganze Jahr über zur Verfügung steht, was besonders für die Zeiten von Gesellschaftsjagden wichtig ist. Die Hündin hingegen fällt – abgesehen von den hygienischen Begleiterscheinungen bei Wohnungshaltung – alle sechs bis sieben Monate durch die mehrere Wochen andauernde Hitze aus. Allerdings raufen sich Rüden lieber mit anderen Geschlechtsgenossen, als das Hündinnen tun. Die oft größere Anhänglichkeit der Hündinnen kann bei der Ausbildung später von Vorteil sein.

Rasseauswahl

Da der Jagdgebrauchshund nur bei Ausübung seines „Berufes“ glücklich wird, wird man die Wahl der Rasse nach vorhandenen Jagdmöglichkeiten treffen. Allein die Vorliebe für eine bestimmte Rasse darf nicht ausschlaggebend sein, wenngleich der Sympathiefaktor gegeben sein muss. Jeder wird unter der Vielzahl unserer anerkannten Jagdhunderassen sicher fündig. Es kann zum Beispiel nicht jeder einen Schweißhund führen. Das sollte den Nachsuchen-Spezialisten vorbehalten bleiben. So werden beispielsweise unsere kontinentalen Vorstehhunde (insbesondere unsere Deutschen) als Allrounder angesehen und sind für gemischte Reviere mit Schwerpunkt Feld, Wald und Wasser besonders geeignet. Ein Pointer gehört ebensowenig in ein Hochwildrevier im Gebirge, wie eine Bracke in ein reines Niederwildrevier. Neben diesen Rassen leisten Stöber- und Erdhunde vielseitige und gute Arbeit in Waldrevieren. Reine Spezialisten möchte ich dem Erstlingsführer nicht empfehlen, da man damit weder Hund noch Führer einen Gefallen tut. Grundsätzlich spielt die Haltunsgmöglichkeit ebenfalls eine entscheidende Rolle bei der Rassewahl.

Ahnentafel

Da ich kein Freund der wilden Hundezucht bin, empfehle ich ausschließlich Hunde mit Ahnentafel eines vom JGHV anerkannten Zuchtvereins. Bei diesen Hunden ist auf der Ahnentafel der „Sperlingshund“, ein Deutsch-Kurzhaar, der einen Fuchs apportiert, als geschütztes „Markenzeichen“ aufgedruckt. Über die bestandenen Prüfungen und Leistungen der Vorfahren geben entsprechend verwendete Kürzel und Leistungszeichen auf der Ahnentafel Auskunft. Da nicht alle Mitgliedsvereine des JGHV ausschließlich auf jagdliche Anlagen und Leistung züchten, sollte der Hundekäufer auch dieses stets beachten und sich ggf. von einem Fachmann seines Vertrauens beraten lassen. Auf keinen Fall sollte man sich mit den üblichen Redensarten einiger Verkaufsstrategen abspeisen lassen wie: „Meine Hunde bringen die besten Veranlagungen mit. Es fehlte ihnen nur an Übung und Gelegenheit zur Teilnahme an Prüfungen!“ Solche Behauptungen mancher Hundevermehrer sind keine bewertbaren Beweise, am allerwenigsten in der Jagdgebrauchshundezucht. Daher ist der Nachweis von Anlagen und Leistungen unverzichtbar. Gesundheit, Wesensfestigkeit, Anlagen sowie Leistungen aus Prüfungen und in der Praxis (und nicht übertriebenes Schönheitsgeplänkel) sind die Grundfesten der Jagdgebrauchshundezucht. An den Züchtern und Zuchtvereinen des Vertrauens liegt es daher auch, die Hundekäufer sachlich korrekt diesen Grundsätzen entsprechend zu beraten. Eine Garantie gibt es allerdings nirgends, aber man kann die Risiken mindern.

Weitere Informationen

Insbesondere empfehle ich zunächst jedem Hundekäufer, sich durch Fachliteratur und bei den regionalen Jagdgebrauchshundvereinen zu informieren. Sie geben Auskunft über die Möglichkeiten zur Teilnahme an Kursen, Lehrgängen sowie Prüfungen und sind behilflich bei der Auswahl einer geeigneten Rasse. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass fast jeder Rüdemann seine eigenen Rasse-Prioritäten vertritt. Weitere Infos über Zucht-, Prüfungsvereine und Jagdhunderassen gibt der Jagdgebrauchshundverband e.V. (www.jghv.de): Gute und korrekte Information beugt in der Regel Fehlentscheidungen vor. 

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