Die Jagdhunde-Prüfung (II): Beurteilung der Anlagen

Jagdhund bei der Ausbildung

Bei der Beurteilung der Qualitäten eines Hundes sind grundsätzlich Anlagefächer und Abrichtefächer zu unterscheiden. In diesem Teil werden wir einen Blick auf die Anlagefächer werfen.

Jeder Hund hat eine genetische Disposition, die der Mensch nicht beeinflussen kann. Diese natürlichen Anlagen gilt es im Hinblick auf die Eignung und zukünftige Verwendung des Hundes im vielseitigen Jagdgebrauch und als Zuchthund festzustellen.

Spurbarkeit

Der Hund soll eine Hasen- oder Fuchsspur ausarbeiten. Die Punktevergabe richtet sich zum einen nach vorhandenen Schwierigkeiten wie Trockenheit und wechselnde Beschaffenheit des Untergrundes, starker Wind, Überwinden von Gräben und Wegen. Berücksichtigt werden muss immer, wie lange es her ist, dass das Wild dort gelaufen ist. Unter diesen Aspekten ist die Länge zu beurteilen, die der Hund die Spur ausarbeitet. Weitere Kriterien sind die Konzentration sowie Wille und Sicherheit, mit denen gearbeitet wird.

Nasengeruch

Die Entfernung, über die Wild, Vögel, ältere Spuren, Hasensassen oder die Schwimmspur von Enten und jede andere Witterung wahrgenommen werden, sind ein Indiz für den Nasengebrauch.

Suche

Im Feld soll der Hund fleißig, beherrscht, planmäßig, ausdauernd und weiträumig suchen. Insbesondere soll er deutlich erkennen lassen, dass er Wild finden will. Diese Anlage muss er in mehreren Arbeitsgängen, auch über eine längere Zeitspanne, gleichbleibend zeigen, um eine überdurchschnittlich hohe Wertung zu erzielen.

Jagdhund bei der Suche

Vorstehen

Ein Vierbeiner, der kurz verharrt, wenn er festliegendes Wild mit der Nase wahrgenommen hat, lässt klar sein Vorstehvermögen erkennen. Eindrucksvoller aber wird es erst, wenn der Hund wie in Stein gemeißelt und oft mit einem erhobenen Vorderlauf so lange vorsteht, bis sein Führer ruhigen Schrittes herangetreten ist oder das Wild vorher die Deckung verlässt. Meistert der Hund die Schwierigkeit, obendrein nicht festliegendes Wild durch weites Anziehen und Nachziehen festzumachen, vielleicht sogar mehrfach, ist er ganz dicht am Ideal.

Führigkeit

Unter Führigkeit wird die Bindung verstanden, die der Hund seinem Führer entgegenbringt, im Gegensatz zum Gehorsam, den der Führer seinem Jagdhelfer abverlangt. Erkennbar ist diese Anlage an dem Maß, mit dem Hund sich unaufgefordert bei allen Arbeitsgängen im Feld und am Wasser immer, auch bei größeren Entfernungen, an seinem Führer orientiert und einen möglichst gleichbleibend sehr guten (Sicht-)Kontakt zu ihm hält. Der Hund ist also erkennbar bemüht, sich in den Dienst seines Herrn oder Frauchens zu stellen.

Arbeitsfreude

Die Arbeitsfreude drückt sich in dem möglichst bei allen Arbeiten im Feld und am Wasser gleichbleibend sehr guten Willen aus, die einmal zugewiesene Aufgabe zu erledigen. Hier ist also Passion gefragt, nicht Gehorsam nach wiederholten Befehlen und Aufforderungen.

Wasserarbeit

Gewünscht ist, dass der Hund nach dem Ansetzen auf einmaligen Befehl selbstständig hinter einer nichtsichtigen Ente in der Deckung bzw. auf der Schwimmspur arbeitet. Letztlich soll er die Ente entweder greifen oder so auf das offene Gewässer drücken, dass sie geschossen werden kann. Je höher der Schwierigkeitsgrad und je größer der Durchhaltewillen des Hundes, desto besser die Note.

Im letzten Teil unserer Serie geht es um die Abrichtefächer, also die Fähigkeiten, die durch Üben erlernt werden können. 


Zu den anderen Teilen unserer Serie über die Jagdhunde-Prüfung gelangen Sie hier:
Die Jagdhunde-Prüfung (I): Die jagdliche Brauchbarkeit
Die Jagdhunde-Prüfung (III): Abrichtefächer

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