Begriffe und Definitionen im Jagdgebrauchshundwesen

Teil II: Jagdkynologie

Deutsch Drahthaar

Foto: Joachim Orbach

An der Notwendigkeit, dass alle Hundeführerinnen und Hundeführer unter den verwendeten Begriffen das Gleiche verstehen, hat sich nichts geändert. Der Jagdgebrauchshundverband (JGHV) hatte daher bereits im Jahre 1975 in Zusammenarbeit mit dem VDH und Wissenschaftlern in einem wissenschaftlichen Ausschuss die wesentlichen Begriffe der Kynologie und Jagdkynologie definiert und erläutert. Hier flossen auch Erkenntnisse von Nobelpreisträgern ein. 

Im zweiten Teil der Serie folgen die Begriffe und Definitionen für die Jagdkynologie kurz und übersichtlich:

JAGDKYNOLOGISCHE BEGRIFFE

Spur- und Fährtenwille
Spur- und Fährtenwille ist die Grundeigenschaft aller jagenden Hunde.

Spur- und Fährtentreue
Spur- und Fährtentreue ist die Fähigkeit des Hundes, sich auf der Ansatzfährte oder -spur so zu konzentrieren, dass Verleitungen, also Witterung anderen Wildes, ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeit des Hundes bleiben. Spurtreue beweist der Hund auf der Fuchs- oder Hasenspur. Fährtentreue auf der Wundfährte. Der Hund lässt sich durch andere Fährten, selbst wenn diese frischer sind, nicht verleiten.

Spur- und Fährtenlaut
Spurlaut (auf der Spur wie bei Fuchs, Hase u. Kaninchen) und Fährtenlaut (auf der Fährte von Schalenwild) ist das regelmäßige, möglichst anhaltende Lautgeben des Hundes auf der warmen Spur bzw. Fährte, ohne dass er das Wild zuvor eräugt hat. Das kann auch im Wind in unmittelbarer Anlehnung an die Spur bzw. der Fährte sein.

Sichtlaut
Der Anreiz, der allein durch die nasenmäßige Verbindung mit der Bodenspur/-fährte ausgelöst wird, genügt bei diesen Hunden nicht, um die Bereitschaft zum Lautgeben auszulösen. Solche Hunde brauchen den Sichtreiz zusätzlich als Anreiz.

Hetzlaut
Wir verwenden beide Ausdrücke (Hetz- und Standlaut) nur dann richtig, wenn es sich um Nachsuchen auf der Wundfährte von Schalenwild handelt.

Standlaut
Nach dem Schnallen hetzt der Hund das kranke Stück so lange bis es sich stellt. Kann der Hund das kranke Stück nicht abtun, so bannt er dasselbe durch anhaltendes Lautgeben (ruft den Meuteführer herbei) an den Platz, was als „Standlaut“ bezeichnet wird. Ebenfalls wird der Begriff „Standlaut“ bei dem vor Raubwild im Bau liegenden Erdhund verwendet.

Waidlaut
Als bedenkliche Lautäußerung ist der Waidlaut anzusehen. Nicht nur die Wahrnehmung des Wildes durch Auge (Sichtlaut), Ohr (Zwischenstufe Sichtlaut/Spurlaut) oder Nase (Spur- oder Fährtenlaut) lösen diesen Laut aus, sondern oft genügt schon das Schnallen des Hundes, dass angestaute Passion sich im Lautgeben entlädt.

Baulaut
Der Baulaut ist ebenfalls eine bedenkliche Lautäußerung. Man versteht darunter das Lautgeben des Erdhundes im Bau, obwohl der Hund das Raubwild überhaupt noch nicht wahrgenommen hat.

Wildschärfe
Unter Wildschärfe verstehen wir die Fähigkeit des Hundes, krankes Niederwild zur Strecke zu bringen, Schalenwild je nach Stärke zu stellen, gegebenenfalls auch niederzuziehen und abzutun. Das Jagen auf Schwarzwild beweist einen hohen Grad an Wildschärfe.

Raubwild- und Raubzeugschärfe
Raubwild- und Raubzeugschärfe ist die Eigenart des Hundes, Raubwild und Raubzeug bei der Jagdausübung schnell und sicher zur Strecke zu bringen, zumindest aber dieses Wild durch Verbellen sicher zu stellen, damit es der Jäger strecken kann.

Finderwille
Unter Finderwillen versteht man die angewölfte Fähigkeit des Hundes, auch unter erschwerten Umständen in enger Verbindung mit Spur- oder Fährtenwillen zum Erfolg zu kommen.

Bringwille
Bringwille ist die Eigenschaft des arbeitsfreudigen Hundes, gefundenes Wild seinem Führer zu bringen.

Nase
Wenn im Jagdgebrauchshundwesen von „Nase“ gesprochen wird, so ist in der Regel nicht das für unsere Jagdhunde wichtigste Sinnesorgan selbst gemeint, sondern die Nasenleistung. Zur gerechten Beurteilung der Nasenleistung spielen Wildart und Wildvorkommen, Witterungseinflüsse, etwa vorhandener Schweiß und Wundwitterung, Bodenbewuchs, Bodenverwundung und Gelände alles eine Rolle.

Bei den Stehzeiten vom Duft einer Spur sei auf die wegweisende Versuche von Dr. Konrad Most hingewiesen. Der Duft einer Spur steht bei unterschiedlichen Klimabedingungen und Bodenverhältnissen unterschiedlich lange. Hier ein grober Anhalt nach Most:

1.) Null Stunden auf trockenem Fels und Sandboden sowie Asphalt

2.) Bis drei Stunden bei trockener Luft, starkem Regen, starker Luftbewegung (abhängig von der Dichte der Bodenflora)

3.) Drei bis zwölf Stunden bei Beschattung, nur mäßigem Regen, bewachsenem Boden und feuchter Laubstreu

4.) 12 bis 48 Stunden bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit, Windstille, dicht bewachsenem Boden oder dichter Laubstreu

Weiterhin hat die Mikrometeorologie (die Untersuchungen der atmosphärischen Grenzschichten innerhalb der ersten hundert Meter oberhalb der Erdoberfläche) dazu beigetragen, die Kenntnisse zu erweitern. Hier sei besonders auf die Erkenntnisse von Dr. Zugschneid hingewiesen. Temperatur, Feuchtigkeit, Luftstrom, Luftdichte und Tageszeit ist alles von Bedeutung für die Geruchsentwicklung einer Spur, Geläuf oder Fährte. Man sollte in diesen Zusammenhängen auch beachten, dass die Ausbildung von Duftstoffen eine gewisse Zeit braucht. Ist die entsprechende Riechreizschwelle sowie der Wille zum Suchen bei unseren Jagdhunden genetisch bedingt vorhanden, so kann der Nasengebrauch selbst trainiert werden.

Hier geht es zum ersten Teil der Serie: Kynologie und Jagdkynologie.

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