Wolfspopulation: Die Angst der Schäfer wächst

Wölfe

So wie sich die Wölfe in Deutschland vermehren, fällt es schwer, von einer bedrohten Art zu sprechen. Eher überzeugt die Sorge vieler Schäfer, dass die Raubtiere ihren Berufsstand aussterben lassen.

Wie Schäfer Martin Just aus Cunnewitz im Bautzener Land. 31 Tiere hat er bei zwei Wolfsangriffen binnen weniger Tage verloren, fünf weitere wurden verletzt. Insgesamt sind es schon über 50 Schafe und Lämmer, die der Nebenerwerbslandwirt tot von seinen Weiden bergen musste, seit die Wölfe in die Lausitz zurückkehrten. Und seine Erfahrung widerlegt die Schutzbehauptung mancher Wolf-Fans, dass die Räuber nur töten, was sie zu ihrer Ernährung brauchen.

In Wahrheit zeigt die Erfahrung überall in Europa: Wölfe reißen, was sie kriegen können. Das entspricht ihrem Jagdinstinkt und dem Trieb, Vorräte anzulegen. Am schlimmsten, klagt Schäfer Just in der Sächsischen Zeitung, sei es für ihn, nach einem Wolfsangriff die Tiere zu töten, die schwer verletzt überlebt haben: „Die stehen dann die Nacht über halbtot in der Ecke, bis sie jemand erlöst. Das hat für mich mit Tierschutz nichts zu tun.“

Die Leiden des Cunnewitzer Schafhalters strafen zudem jene „Experten“ Lügen, die immer noch behaupten, dass Zäune ein wirksamer Schutz gegen Raubtiere seien. Seine Drahtzäune sind 140 Zentimeter hoch, also 20 Zentimeter höher als vom sächsischen „Wolfsmanagement“ gefordert. Dass dennoch immer wieder passiert, was angeblich nicht passieren kann, kommentieren die amtlichen Wolfsschützer so: „Da ihre 140 cm hohen Festzäune aus Knotengeflechtdraht durch Wölfe sowohl untergraben als auch übersprungen werden können, stellen sie aus Sicht des Wolfsmanagements keinen ausreichenden Schutz dar.“

Aus Skandinavien und Frankreich ist bekannt, dass Wölfe im Ernstfall auch mannshohe Zäune überwinden. Dort haben in den Wolfsgebieten viele Schafhalter längst aufgegeben. Das verstärkt den Trend zu landwirtschaftlichen Großbetrieben mit Massentierhaltung, für die sich der enorme Schutzaufwand besser rechnet. Dass die Produktion von Schaffleisch etwa in Schweden nicht gesunken ist, seit es dort Wölfe gibt, wird gern als Argument gegen Wolfskritiker verwendet – und dabei verschwiegen, dass gerade die artgerechte Weidehaltung bäuerlicher Kleinbetriebe massiv zurückgeht.

Noch schlimmer sieht es für die Wanderschäferei aus, deren Arbeit die Landschaft vieler Regionen über Jahrhunderte geprägt hat. Hier werden die empfohlenen Abwehrmaßnahmen zur Farce. Auch die oft als Allheilmittel genannten Herdenschutzhunde mit ihren enormen Kosten – und der nicht seltenen Eigenart, auch harmlose Wanderer und Spaziergänger als Bedrohung „ihrer“ Herde anzufallen. So sind sie womöglich gefährlicher als die Wölfe selbst.

Kaum mehr ein Bundesland ohne Wolfssichtungen – bis hinein in den deutschen Süden

Jämmerlich wirken da die Rechenkunststücke, mit denen der Wolfsbestand in Deutschland kleingeredet werden soll. 120 bis 140 erwachsene Tiere sind es nach Schätzungen mancher Tierschützer. Kritiker gehen eher von 500 Wölfen in Deutschland aus. Das könnte auch die rasante Ausbreitung der Raubtiere erklären. Kaum mehr ein Bundesland ohne Wolfssichtungen – bis hinein in den deutschen Süden. Hier verlangt der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband Abschüsse, bevor die aus Ost- und Norddeutschland bekannten Probleme auch den Schwarzwald und das Elsass erreichen.

Während die badischen Bauern noch hoffen, dass Politiker einsehen, wie unsinnig die Vorstellung ist, Schafe in den steilen Hanglagen des Schwarzwalds wolfssicher einzuzäunen, sind die Bauern in der Schweiz ein Stück weiter: Dort wird in den Parlamenten längst eine Lockerung der Raubtier-Jagdverbote diskutiert. Auch mit Blick ins benachbarte Frankreich. Dort wurden im vergangenen Jahr über 10.000 Schafe, Kühe und Pferde gerissen.

Georges Stoffel, Bergbauer im Kanton Graubünden, warnt in einem Leserbrief, es in der Schweiz nicht so weit kommen zu lassen: „In einzelnen französischen Departements herrschen unbeschreibliche Zustände; die Tierhalter sind verzweifelt. In einigen Regionen ist das Tragen von Waffen erlaubt. Und es gibt Einsatzgruppen, die kurzfristig gegen den Wolf eingesetzt werden können.“

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