Wolfspolitik zwischen EU-Vorgaben und Wirklichkeit

In der Europäischen Union scheren sich einige Mitgliedsländer immer weniger um die offizielle Wolfspolitik der EU-Behörden. 

Einzelner Wolf im Wald (Foto: Insa Osterhagen)

Einzelner Wolf im Wald (Foto: Insa Osterhagen)

Im österreichischen Pongau hat die Bezirkshauptmannschaft einen Wolf, der binnen drei Wochen 24 Schafe auf einer Alm gerissen hat, zum Abschuss freigegeben. Umfangreiche Ermittlungen hätten ergeben, dass es „keine andere zumutbare Lösung“ für das Problem gibt. 

Nahezu zeitgleich hat Schwedens oberste Naturschutzbehörde grünes Licht für die Wiederaufnahme der im Jahr 2018 eingestellten regulären Lizenzjagd auf Wölfe gegeben. Mit 365 nachgewiesenen Tieren und einem Jahreszuwachs um 20 Prozent liege die Wolfspopulation über dem „günstigen Erhaltungszustand“. 

Der WWF spricht von einem „europarechtswidrigen Anschlag auf den Naturschutz“ und will den Pongauer Landeshauptmann wegen der Abschussverfügung verklagen. Schweden wurde wegen seiner Wolfspolitik mehrfach von der EU-Kommission gerügt – aber bisher nie verurteilt. Gleiches gilt für Finnland, das vom EU-Gerichtshof kürzlich zu Verbesserungen des nationalen Raubtiermanagements angehalten wurde. 

Wahr ist auch, dass sich die baltischen Staaten in den EU-Beitrittsverhandlungen das Recht auf nationale Regelung der Raubtierverwaltung vorbehalten haben – Bestandsregulierung inklusive. Die dortige Wolfsregulierung bleibt so unbehelligt. 

Spannend in diesem Zusammenhang: Eben erst haben die EU-Richter am Beispiel des Mitgliedsstaats Rumänien klar gemacht, wie weit der Wolfsschutz reicht, wenn es nach den Vorstellungen der Kommission geht. Sogar das bloße Umsiedeln verhaltensauffälliger Tiere verlangt demnach ein aufwändiges Genehmigungsverfahren. 

In der Praxis erweisen sich die EU-Vorgaben zunehmend als eher stumpfes Schwert. Im Prinzip drohen hohe Vertragsstrafen. Aber in der Praxis passiert nicht viel, wenn Mitgliedsländer unter dem Druck kräftig wachsender Wolfsbestände eigene Wege gehen.

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